Die längste Fußgängerbrücke der Welt wurde gerade in Helsinki eröffnet: Ziel ist es, etwa 200 Jahre zu halten

Die 1,2 Kilometer lange Brücke verbindet Inseln ohne Autos und soll Rad, Fußverkehr und Stadtbahn für Generationen zusammenführen.

Die Kruunuvuori-Brücke samt dem 135 Meter hohen Pylon. (Bildquelle: SSAB) Die Kruunuvuori-Brücke samt dem 135 Meter hohen Pylon. (Bildquelle: SSAB)

Am 18. April 2026 wurde in Helsinki die Kruunuvuori-Brücke für Fußgänger und Radfahrer geöffnet. Ganz abgeschlossen ist das Projekt damit allerdings noch nicht.

  • Die Brücke ist Teil des Crown-Bridges-Vorhabens, das auch den regulären Betrieb der Stadtbahn vorsieht. Der Startschuss hierfür soll Anfang 2027 erfolgen.
  • Mit 1.191 Metern ist die Kruunuvuori-Brücke die längste ihrer Art. Die Bezeichnung Fußgängerbrücke greift dabei eigentlich zu kurz, denn tatsächlich handelt es sich um eine Mehrzweckbrücke für Fußgänger, Radverkehr und Stadtbahn.
  • Ihr eigentlicher Charakter liegt jedoch weniger in irgendeinem unscharfen Rekord als in genau dieser Kombination – und im vollständigen Verzicht auf Autos.

Verkehrspolitik aus Stahl und Beton

Die Brücke verbindet die Zoo-Insel Korkeasaari mit dem Stadtviertel Kruunuvuorenranta und ist Teil einer neuen Achse, die die übergeordnete Inselgruppe Laajasalo enger an das Zentrum Helsinkis anbinden soll.

Neben dem Festland zählen auch einige Inseln zur Hauptstadt Finnlands. (Bildquelle: Crown Bridges) Neben dem Festland zählen auch einige Inseln zur Hauptstadt Finnlands. (Bildquelle: Crown Bridges)

Anders als viele große Brücken der vergangenen Jahrzehnte ist sie nicht auf den motorisierten Individualverkehr ausgelegt, sondern auf eine urbane Ordnung, in der öffentlicher Verkehr, Radfahrer und Fußgänger Vorrang haben.

Das macht sie weniger zu einem technischen Rekordprojekt als zu einem klaren, verkehrspolitischen Statement aus Stahl und Beton.

Vielleicht wirkt das Bauwerk deshalb auch größer, als es seine reine Länge vermuten lässt. Es überspannt nicht nur Wasser, sondern gewissermaßen auch eine alte Hierarchie. Wo andernorts noch immer zuerst an Fahrspuren für Autos gedacht wird, setzt Helsinki davon abweichende Prioritäten.

Das Wahrzeichen der neuen Verbindung

Am auffälligsten ist der 135 Meter hohe, diamantförmig gestaltete Pylon, der die Brücke schon aus großer Entfernung sichtbar macht und ihr fast etwas Skulpturales verleiht.

Entstanden ist das Bauwerk aus einem internationalen Wettbewerb. Den Zuschlag erhielt der Entwurf Gemma Regalis von WSP Finland und Knight Architects.

Das Ziel war offensichtlich nicht nur, eine praktische Verbindung zu schaffen, sondern auch eine, die trotz ihrer Größe elegant wirkt – und die sich zugleich als neues Wahrzeichen in das Stadtbild einfügt.

Gerade Brücken verraten viel über den Anspruch einer Stadt. Sie sind selten rein funktional, sondern oftmals auch Ausdruck einer stadtplanerischen Idee.


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Geplant für zwei Jahrhunderte

Am spannendsten ist aber womöglich der Zeitraum, für den hier geplant wurde.

Die Kruunuvuori-Brücke ist auf eine Nutzungsdauer von rund 200 Jahren ausgelegt – jedenfalls was ihre zentralen und nur schwer austauschbaren tragenden Teile anbelangt.

Das ist zunächst einmal eine technische und planerische Entscheidung. Aber es ist eben auch ein bemerkenswerter Maßstab in einer Zeit, in der viele Dinge eher in kurzen Zyklen gedacht und absichtlich mit begrenzter Lebensdauer konstruiert werden.

Dennoch sollte man diese Zahl nicht überbewerten. 200 Jahre sind mit Blick auf antike Bauwerke mehr Wimpernschlag als Ewigkeit. Auch wenn sie für ein modernes Infrastrukturprojekt durchaus anspruchsvoll anmuten. Denn typischerweise werden Brücken eher auf 60 bis maximal 100 Jahre ausgelegt.

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Mehr als nur eine neue Brücke

Die Kruunuvuori-Brücke steht beispielhaft für eine Verkehrsinfrastruktur, die in vielen Städten der Welt immer mehr an Bedeutung gewinnt. Sie soll nicht nur Wege verkürzen, sondern auch die Stadtentwicklung hin zu weniger Autos vorantreiben.

So verbindet sie Funktion, Form und Nutzungsdauer auf eine Weise, die aus einer Brücke ein Stück Vision macht.

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