Seit einigen Tagen kursieren Vorwürfe gegen LG: Bestimmte Monitore sollen über Windows Update ungefragt Software nachladen, die anschließend Werbung für McAfee einblendet. Aufgerollt hat den Fall der US-Kanal Gamers Nexus.
Der Kern des Vorwurfs: Steckt ihr einen LG-Monitor an einen Windows-11-PC, installiert das System kurz darauf den »LG Monitor App Installer« – ohne Nachfrage, ohne Zustimmungsdialog. Dessen Aufgabe laut Gamers Nexus: weitere LG-Apps installieren und dabei ein McAfee-Abo bewerben. Für euch hierzulande liegt der Fall aber anders als in den USA.
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Gaming-Monitore: Führt an OLED kein Weg mehr vorbei?
Was Gamers Nexus nachgestellt hat
Für die Recherche kaufte das Team einen LG UltraGear 34GX900A-B für 1.200 US-Dollar. Nach dem Anstecken habe Windows Update zunächst Treiber, eine Minute später den App Installer nachgeschoben – nachweisbar über die Windows-eigene Tools, so Gamers Nexus.
Bei 32 aufeinanderfolgenden Systemstarts habe die App in 31 Fällen ein McAfee-Pop-up mit 30-Tage-Testphase gezeigt – danach koste das Abo nach Anbieterangaben 39,99 US-Dollar, rund 35 Euro im ersten Jahr. Laut Microsoft-Store-Eintrag fordere die App außerdem Zugriff auf »alle Systemressourcen«.
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LG beruft sich auf einen Windows-Standard
LG hält indes auf Anfrage dagegen. Die automatische Installation basiere auf dem »Hardware Support App«-Framework (HSA) von Microsoft – dabei handelt es sich um eine offizielle Windows-Funktion, über die Hersteller Geräte-Apps via Microsoft Store bereitstellen. Der App Installer sei keine Neuerung, sondern laufe »bereits seit 2024«, auch in Deutschland.
Entscheidend für euch: Sämtliche McAfee-Werbung habe man am 13. Juli 2026 vollständig aus der Anwendung entfernt, so LG. Das Kernärgernis der Recherche – die Pop-ups – dürfte damit hierzulande vom Tisch sein.
Deutschland und die DSGVO-Frage
Offen bleibt der zweite Vorwurf. Gamers Nexus verweist auf LGs Datenschutzbestimmungen, die das Sammeln von Standort, Gerätedaten, Kontakten und Zugangsdaten erlauben sollen – einen Nachweis, dass der Monitor solche Daten tatsächlich abgreift, gibt es bislang aber nicht. Der Kanal will das mit einem Sicherheitsforscher prüfen.
Hier kommt die DSGVO (also die europäische Datenschutz-Grundverordnung) ins Spiel. Eine App ohne jede Zustimmung zu installieren und Daten ohne Einwilligung zu erheben, wäre in der EU heikler als in den USA. Ob LGs Vorgehen die Vorgaben einhält, ist bislang nicht unabhängig geprüft.
Von Fernsehern zu Monitoren: LG mit Vorgeschichte
Neu ist das Muster nicht. Der texanische Attorney General Ken Paxton wirft LG in einer Klageschrift vor, über »Automatic Content Recognition« (ACR) – eine Technik, die Bildschirminhalte erkennt – heimlich das Sehverhalten auf Smart-TVs zu erfassen und zu verkaufen. Ein Vergleich zwang LG zu Hinweis-Pop-ups.
Über das Vorgehen haben wir im Dezember 2024 berichtet: Euer Smart-TV macht Screenshots davon, was ihr schaut – so stellt ihr es ab
Einen vergleichbaren Datenabfluss bei Monitoren belegt bislang nichts. Das macht den Fall aber zum Präzedenzfall – ein Anzeigegerät, das ungefragt Software nachlädt, war bisher nicht üblich. Wer das unterbinden will, deaktiviert in den Gruppenrichtlinien unter »Geräteinstallation« das automatische Nachladen gerätebezogener Apps.
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