Der südkoreanische TV- und Tech-Riese LG befindet sich gerade inmitten eines Spionage-Skandals. In einem Video von Gamers Nexus wurde behauptet, dass die beliebten Fernseher des Herstellers Nutzer per Mikrofon abhören würden; das Video findet ihr im verlinkten Artikel.
LG hat sich mit einem Statement gewehrt, konnte damit aber den Sturm der Entrüstung nicht aufhalten. Nun gibt es ein weiteres Statement und spannende Aussagen einer TV-Forscherin.
Datenschutz bleibt ein sensibles Thema
Die Vorwürfe gegenüber LG sind heftig. Der Tech-Riese soll die eigenen Nutzer zu Werbezwecken abhören und Fernseher so ausgestattet haben, dass sie darüber hinaus zahlreiche Daten aus dem jeweiligen Netzwerk sammeln können.
41:46
OLED am Ende? - Das muss euer neuer TV für GTA 6 können
Besonders das Feature ACR (Automated Content Recognition) steht dabei im Fokus. ACR kann auslesen, was auf dem Fernseher gerade läuft, auch wenn das Signal von einer Konsole oder einem Handy stammt. Die Funktion lässt sich ausschalten, es soll aber weitere Sicherheitslücken geben.
Tech Radar hat sich im Zuge der Berichterstattung an einige TV-Experten gewandt und um eine Einschätzung gebeten. Anna Maria Mandalari, eine Professorin vom University College London, die 2024 eine Studie zu ACR bei Samsung- und LG-TVs veröffentlicht hat, wird dabei folgendermaßen zitiert:
»Die Stellungnahme von LG adressiert nicht das Gesamtbild [...] Ich möchte außerdem auf den genauen Wortlaut der Erklärung von LG hinweisen: Darin heißt es, dass ACR-Daten ohne Einwilligung nicht „für Werbezwecke verwendet“ werden. Das ist nicht unbedingt dasselbe wie die Aussage, dass keine ACR-Daten für irgendeinen Zweck erhoben oder verarbeitet werden. LG müsste den gesamten Datenlebenszyklus darlegen, einschließlich der Frage, welche Daten erhoben werden, ob Daten gespeichert werden, wohin sie übermittelt werden und zu welchen Zwecken sie verarbeitet werden können.«
Spyware-Vorwürfe gegen LG: Müsst ihr euch in Deutschland aktuell Sorgen machen?
Da das erste Statement offenbar nicht ausreichend war, hat LG eine weitere Stellungnahme veröffentlicht, in der ACR nochmal genauer erklärt wird und auch, wann und wofür Audioaufnahmen gemacht werden können. Hier das gesamte Statement:
»LG Smart TVs zeichnen Gespräche von Nutzern nicht fortlaufend auf und übertragen sie auch nicht kontinuierlich. Die Sprach-zu-Text-Verarbeitung beginnt erst, wenn Nutzer die Sprachsteuerung über ein unterstütztes Aktivierungswort oder durch Drücken der Sprach- beziehungsweise KI-Taste auf der Fernbedienung aktivieren. Audiodaten zur Erkennung des Aktivierungsworts werden lokal auf dem Fernsehgerät verarbeitet. Wird kein Aktivierungswort erkannt, werden sie weder in Text umgewandelt noch gespeichert oder übertragen. Im Rahmen der Verarbeitung eines Sprachbefehls können Ergebnisse der Spracherkennung sowie zugehörige technische Protokolldaten entstehen. Diese Daten beziehen sich ausschließlich auf konkrete Sprachinteraktionen und bedeuten nicht, dass Gespräche außerhalb einer aktiven Spracherkennungssitzung fortlaufend aufgezeichnet werden.
Ergebnisse der Spracherkennung können zur Unterstützung sprachbasierter Funktionen verwendet werden. Sie werden jedoch nicht nachträglich hochgeladen, wenn das Fernsehgerät offline ist oder die Internetverbindung später wiederhergestellt wird.
Funktionen wie die automatische Inhaltserkennung (Automatic Content Recognition, ACR), Spracherkennung und interessenbasierte Werbung sind optional. Sie sind nicht standardmäßig aktiviert. Nutzer können selbst entscheiden, ob sie diese Funktionen aktivieren möchten, und ihre Einwilligung über die TV-Einstellungen verwalten oder widerrufen.
ACR nutzt Audio-Fingerprinting-Technologie, die über den internen Audio-Prozessor des Fernsehgeräts – nicht über einen Lautsprecher – arbeitet, um Inhalte zu identifizieren. Dabei werden keine Screenshots, Bildschirmaufzeichnungen, Videoaufnahmen, Sprachaufnahmen oder sonstigen Audioaufnahmen des Fernsehgeräts erfasst. Sofern ACR verfügbar und aktiviert ist, können ACR-bezogene Informationen für die Zielgruppensegmentierung sowie zur Analyse von Seh- oder Zuschauertrends verwendet werden.
Interessenbasierte Werbung und geräteübergreifende Werbung setzen jeweils eine gesonderte Einwilligung der Nutzer über die entsprechenden werbebezogenen Vereinbarungen voraus.«
Inwiefern sich der Spionage-Skandal weiterhin ausspielt, bleibt abzuwarten. Weitere Entwicklungen lest ihr hier bei uns auf GameStar Tech.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.