Das Schicksal von Windows 10 ist fast besiegelt, und Millionen Gamer stehen vor einer Entscheidung: Widerwillig auf Windows 11 upgraden - oder den Sprung ins Unbekannte wagen? Linux lockt immer lauter.
Doch ist das Betriebssystem auch etwas für Gamer? Diese Frage stellte ich mir vor sieben Jahren zum ersten Mal und wagte vor zwei Jahren den kompletten Absprung von Windows. Was damals ein Experiment mit vielen Fragezeichen war, ist heute meine digitale Heimat.
Aber die entscheidende Frage bleibt: Kann ein leidenschaftlicher Gamer wirklich ohne Windows überleben?
Ich zocke nur noch unter Linux!
Ich habe zuhause zwei Linux-Systeme, die ich zum Spielen nutze: Meinen Desktop-PC, den ich 2018 zusammenbaute, und mein Steam Deck. Die meiste Zeit verbringe ich mit letzterem, aber je nach Spiel setze ich mich auch an den Desktop-PC, der mit EndeavourOS läuft.
Und egal, was ich nutze: Ich spüre keinen Unterschied mehr zu Gaming unter Windows. Und das, obwohl mein Desktop-PC gar eine Nvidia-Grafikkarte nutzt (eine RTX 2080), wo sich die meisten Linux-Kenner nur an den Kopf greifen würden. Denn damit ist man auf proprietäre Treiber angewiesen, die in der Linux-Community nicht gerne gesehen sind.
Ehrlich gesagt, läuft es so gut, dass ich beim Spielkauf gar nicht mehr darüber nachdenke, ob es Probleme unter Linux geben könnte. Ich hole es und es läuft einfach. Ganz ohne, dass ich bei Steam noch irgendetwas einstellen muss. Proton von Valve sei Dank! Zu meinen letzten Käufen gehörten Titan Quest 2, Like A Dragon: Infinite Wealth, Digimon World: Next Order und Assassin's Creed Shadows. Jedes davon lief reibungslos.
Nur wenn ich einen neuen AAA-Titel auf dem Steam Deck spielen will, schaue ich vorher lieber auf ProtonDB nach, wie gut er läuft. Das aber nicht wegen der Kompatibilität mit Linux. Sondern weil ich mir unsicher bin, ob die reine Hardware-Leistung ausreicht.
Natürlich gibt es auch Probleme
Das bedeutet nicht, dass absolut alles reibungslos verläuft. Ich muss durchaus manchmal Fehler beheben. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich das öfter tun muss als unter Windows. Denn auch da lief nicht immer alles rund und ich durchwühlte viele Foren, wenn ein Spiel mal wieder abstürzte oder nicht startete.
Bei derartigen Situationen ist abermals ProtonDB meine erste Anlaufstelle. Denn dank der Nutzerberichte kann ich schnell erkennen, ob es sich wirklich um ein Linux-Problem handelt, oder einfach etwas mit meinem eigenen System nicht stimmt. Und sollte ersteres der Fall sein, finde ich dort meist auch direkt Workarounds.
Gar Mods funktionieren!
Gerade zu Beginn schreckte ich noch ein wenig vor Mods zurück. Denn die müssen unter Linux oft etwas anders installiert werden. Doch auch hier finden sich meist Community-Mitglieder, die entweder Guides oder gar ganze automatisierte Installationsskripte für Linux schreiben.
So konnte ich etwa ohne große Umstände eine Morrowind-Installation mit über 500 Mods aufsetzen, das GAMMA Pack für Stalker Anomaly installieren, oder gar die Femc-Mod für Persona 3 Reload nutzen. Nur letztere machte anfänglich ein paar Probleme, die sich jedoch einfach mit einer anderen Proton-Version beheben liesen.
Das große Problem bleibt: Anti-Cheat
Nun spiele ich persönlich primär Singleplayer-Spiele. Wenn man hingegen gerne im Multiplayer unterwegs ist, sieht es anders aus. Denn obwohl weitverbreitete Anti-Cheat-Systeme wie Easy Anti Cheat und BattlEye auch unter Linux funktionieren, müssen die Entwickler diese erst aktiv für das Betriebssystem aktivieren. Und das machen nicht alle.
Deswegen konnte ich etwa lange kein Eve Vanguard spielen. Und auch als der Entwickler es im jüngsten Playtest aktivierte, musste die Community noch einen Workaround suchen, damit es auch wirklich läuft. Immerhin: Der soll nun offiziell in den Launcher integriert werden.
Zudem gibt es eine ganze Reihe weiterer Anti-Cheat-Systeme, die gar nicht laufen. Darunter auch Javelin, das EA etwa bei Battlefield 6 nutzt. Wenn ihr gerne Online spielt, lohnt sich deswegen ein Besuch bei Gamingonlinux, die eine umfangreiche Liste zu den Anti-Cheat-Tools pflegen und sagen, ob diese unter Linux funktionieren.
Wer dennoch nicht auf ein bestimmtes Multiplayer-Spiel verzichten will, hat heutzutage mit Cloud Gaming einen Ausweg. Und es gibt eine sehr bequeme Methode, es einzurichten, die ihr im folgenden Artikel kennenlernt:
Simulations-Experten könnten Probleme haben
Wer zudem gerne Simulationsspiele mit spezieller Hardware wie Lenkrädern und ähnlichem spielt, sollte aufpassen. Hier habe ich zwar keine eigene Erfahrung, höre aber immer wieder, dass es oftmals nicht so einfach ist, sie unter Linux zum Laufen zu bekommen.
Für Lenkräder gibt es etwa gar eine Github-Seite, die den Support unter Linux dokumentiert. Wer derartige Eingabegeräte nutzt und über einen Umstieg zu Linux nachdenkt, sollte also definitiv vorher ein wenig Recherche betreiben.
Mein Fazit: Linux ist was für Gamer!
An sich kann ich den meisten Gamern dadurch Linux als Alternative zu Windows empfehlen. Nur, wer sehr spezifische Anforderungen hat wie etwa bestimmte Hardware oder Online-Spiele und dabei auch nicht auf Cloud Gaming ausweichen will, braucht nach wie vor Windows.
Worauf spielt ihr? Steigt ihr zu Windows 11 um, oder seid ihr auch auf Linux unterwegs? Und wie sind eure Erfahrungen damit? Schreibt es in die Kommentare!
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