Der Markt der Rasenmäherroboter ist groß - und oft unterscheiden sich die Geräte nur in Details. Der Lymow One fällt allerdings sofort auf. Nicht wegen App-Features oder seinem großen, besonderen Design, sondern wegen einer simplen, aber cleveren Idee: einem Schneidwerk an der Front.
Zwei Mulchmesser zerschneiden dabei nicht nur Gras, sondern auch herabgefallene Äpfel. Für Besitzer eines Gartens mit Obstbäumen klingt das fast zu schön, um wahr zu sein. Ich habe den Lymow getestet und ihn mit den offiziellen Herstellerangaben abgeglichen.
Hier ein Größenvergleich zu meinem bisher größten Rasenmähroboter, dem Luba 2 AWD 5000.
Design und Besonderheit: Schneidewerk als Gamechanger
Bei den meisten Rasenrobotern heißt es: Erst alle Hindernisse auf dem Rasen wegräumen, dann den Roboter starten. Vor allem Obst kann die Geräte stören. Mit zwei Apfelbäumen in meinem Garten ist es also erstmal angesagt, das Fallobst aufzusuchen (je nach Jahreszeit).
Gerade jetzt im September ist da einiges zu tun. Bevor die feste Routine jeden zweiten Tag gegen Mittag startet, muss also erst der Boden abgesucht werden.
Der Lymow One spart diesen Schritt.
Im Test hat er heruntergefallene Äpfel zuverlässig in kleine Stücke zerlegt. Das spart Zeit und Nerven - ein Feature, das tatsächlich einzigartig wirkt. Hin und wieder werden Äpfel noch als Hindernis erkannt. Dann stoppt der Roboter abrupt und fährt in eine andere Richtung weiter. Das könnt ihr auch im Video sehen:
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Lymow One Rasenmähroboter beim Schneiden
Unebenheiten im Boden gleicht das Gerät mit seinem beweglichen Mähwerk (hoch und runter, sowie neigen) wieder aus.
Bei dem starken Mähwerk mache ich mir natürlich auch Gedanken um das Tierwohl. Gerade das Igel-Thema ist in Verbindung mit Rasenmährobotern wichtig.
Bei jedem meiner Mähroboter stelle ich ein, dass sie in einem bestimmten Zeitraum nicht fahren dürfen. Von kurz vor Anbruch der Dämmerung bis hin zum Mittag fährt kein Roboter in meinem Garten. Das ist wichtig, da Igel besonders bei Dämmerung aktiv sind und durch den Garten laufen.
Aber wie unterscheidet der Roboter zwischen Igel und Apfel? Das Größenverhältnis ist zumindest ähnlich. Hierzu habe ich den Hersteller gefragt und folgende Antwort erhalten:
Lymow One ist mit einer semantischen Objekterkennung durch sein binokulares Kamerasystem ausgestattet.
Er analysiert Farbe, Textur, Form, Größe und Bewegung, um verschiedene Objekte zu unterscheiden - zum Beispiel, um den Unterschied zwischen einem Igel und einem Apfel zu erkennen.
Wir trainieren das System kontinuierlich mit KI-Algorithmen, sodass der Lymow One mit jeder gesammelten Lerndatenmenge intelligenter und genauer wird.
Technische Daten im Vergleich: Hersteller vs. Praxis
Leistung und Schneidwerk: Offiziell: 300 Watt Dauerleistung, bis zu 1.200 Watt Peak, bis zu 6.000 U/min an den Messern.
Praxis: Obst und Gras werden sauber zerschnitten, selbst bei feuchtem Untergrund.
Mähfläche und Laufzeit: Offiziell: Bis zu 2.300 m² pro Akkuladung, 7.000 m² am Tag.
Praxis: Die angegebenen Daten basieren auf den Akkufreundlichsten Einstellungen, die man in der App wählen kann. In meinem Garten mit etwa 600 m² Mähfläche muss der Roboter pro Mähvorgang zweimal laden. Dafür lasse ich ihn sehr penibel mähen und die Messer mit etwa 5.000 Umdrehungen rotieren.
Laden und Akku Offiziell: Mit 10-Ampere-Ladegerät 10–90 % in 90 Minuten. Mit 2,5 Ampere dauert es 6 Stunden.
Praxis: Für mein Testgerät wurde das Ladegerät mit 2,5 Ampere mitgeliefert. Dazu der Hinweis, dass das stärkere Ladegerät bald folgen wird. In vier Stunden auf der Ladestation füllte sich der Akku meines Testgerätes etwa 60 Prozent. Das entspricht den langsameren Herstellerangaben.
Navigation und Hindernisse Offiziell: RTK + VSLAM, Hinderniserkennung ohne Begrenzungskabel, Steigungen bis 45°.
Praxis: Auf großen Flächen klappte das Navigieren gut. In kleineren Bereichen zeigte er sich nicht sehr genau und ließ kleinere Rasenstreifen stehen. Auf den Fotos erkennt man deutlich die kleinen Flächen zwischen den Bahnen, die der Roboter beim Mähen ausließ.
Bei mehreren Durchgängen pro Woche wurden diese kleinen Streifen dann nach und nach beseitigt. Beim Einparken in die Ladestation brauchte er mehrere Versuche, bis es geklappt hat.
Lautstärke: Offiziell: Maximal 68 dB.
Praxis: Mit knapp 70 dB ist das ruhige Surren, das meine anderen Testgeräte von sich geben, deutlich übertrumpft. Auch im Nachbargarten kann man das Gerät deutlich hören, wenn es arbeitet.
Stärken und Schwächen
Das macht der Lymow One gut:
- Zerschneidet das Obst und spart damit Arbeit.
- Sehr starke Motorleistung, schafft problemlos Hänge
- Hohe Geländetauglichkeit, kein Begrenzungskabel nötig
- Nutzerfreundliche App
- Bodenschonend mit seinen Ketten - selbst bei feuchtem Boden
Das macht der Lymow One nicht so gut:
- Deutlich hörbar, kein leiser Gartenhelfer
- Ladezeit ist in der Praxis lang. (Wird wohl durch stärkeres Ladegerät behoben)
- Kleine Flächen und Ecken bleiben teilweise bestehen und brauchten mehrere Versuche.
- Navigation ist nicht immer fehlerfrei.
Preis: In der Vorbestellung kostet der Lymow One aktuell 2.149 Euro.
Fazit: Innovativ, aber mit Kinderkrankheiten
Der Lymow One bringt frischen Wind in einen Markt, in dem sich viele Geräte nur im Detail unterscheiden. Das Schneidewerk mit den Mulchmessern ist ein echter Mehrwert und spart im Alltag viel Zeit - besonders für alle, die Obstbäume im Garten haben.
Allerdings muss man bereit sein, Abstriche zu machen: längere Ladezeiten, hörbare Lautstärke und gelegentlich ungemähte Stellen gehören noch mit zum Paket.
Möglicherweise sind das Probleme, die durch Firmware-Updates in Zukunft behoben werden können. Auch bei anderen Rasenmährobotern zeigten sich kurz nach dem Release Probleme mit der Genauigkeit, die dann kurze Zeit später per Update größtenteils behoben werden konnten.
Wer eine große Fläche mit wenig Hindernissen hat und sich über das Apfel-Mulchen freut, bekommt hier einen spannenden Roboter. Wer Wert auf schnelle Ladung, gezielte Hindernisumfahrung und leisen Betrieb legt, sollte sich noch bei den Alternativen umsehen.
Wie wichtig ist euch die Apfel-Mulch-Funktion? Würdet ihr dafür mehr Lautstärke und längere Ladezeiten in Kauf nehmen - oder sind euch klassische Stärken wie ein leiser Betrieb und Präzision wichtiger?
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