Trekking-E-Bikes stellen euch meistens vor eine Entscheidung: Entweder ihr zahlt für echte Vollfederung und Riemenantrieb die Preise etablierter Marken wie KTM und Riese & Müller, oder ihr fahrt einen Hardtail-Alltagsbegleiter, der auf Kopfsteinpflaster und Waldwegen jeden Stoß ungefiltert an euren Rücken weitergibt.
Genau in diese Lücke will das neue MapFour Roam stoßen. 100 Millimeter Federweg vorne, 60 Millimeter hinten, ein 100-Nm-Mittelmotor mit Drehmomentsensor und ein wartungsarmer Carbon-Riemenantrieb – dazu noch IoT-Features wie eine Diebstahlsicherung.
Solch eine Ausstattung erwarte ich sonst eher bei Rädern für 5.000 Euro und mehr. Das Roam kostet mit 2.600 Euro zum Einführungspreis (bzw. 2.800 Euro regulär) jedoch nur knapp die Hälfte.
Ich bin eine Woche mit dem Roam unterwegs gewesen. Auf Asphalt, Kopfsteinpflaster und vor allem auf wurzeligen Waldwegen. Und musste feststellen: Der große Haken, den ich bei diesem Preis erwartet hatte, blieb aus.
Verarbeitung: Wirkt nicht wie ein China-E-Bike
Das Roam wirkt durch und durch stabil. Der matte Blauton meiner Mitternachtsblau-Variante gefällt mir richtig gut, dazu die cleane Linienführung, ein stabiler Rahmen, komfortable Griffe und robuste Plastik-Schutzbleche: hier klappert und wackelt nichts.
Ebenfalls schön: Der Zusammenbau ging unkompliziert von der Hand. Vorderrad und Sattel werden per Schnellspanner fixiert, Klingel und Reflektoren liegen bei. Die Vorderbremse, bei billigen China-Bikes oft ein schleifendes Übel, läuft selbst ohne manuelle Justierung absolut rund. So soll's sein!
Einzig die Kabel am Lenker musste ich beim Aufbau aktiv beiseiteschieben, damit sie nicht ins Frontlicht baumeln. Auch danach hängen sie trotz Kabelbindern noch sichtbar herum. Das geht noch etwas besser.
Getestet habe ich übrigens die hohe Einstiegsvariante mit Diamantrahmen (MapFour nennt sie Step-Over, daneben gibt es einen Tiefeinstieg). Selbst mit meinen 1,68 Metern sitze ich gut darauf, das Oberrohr ist angenehm niedrig angesetzt.
Der Lenker lässt sich im Winkel verstellen, in der Höhe aber leider nicht. Beide Rahmenformen gibt es zusätzlich in zwei Farben, neben meinem Mitternachtsblau noch in einem dezenten Space Grey.
Einziger Wermutstropfen: Trotz des wertigen Eindrucks ist das Bike nicht makellos. Bei mir knackten teilweise leicht die Pedale (wobei ich bei Geräuschen ultra-sensibel bin!). Davon abgesehen bleibt es im Antrieb aber absolut ruhig, im Leerlauf schiebt sich das Rad nahezu geräuschlos vorwärts.
Wie ich E-Bikes teste
Ich bin das MapFour Roam eine Wochen lang im Alltag gefahren, auf Asphalt, Schotter und Waldwegen. Wir haben in unser ländlichen Umgebung viele Schlaglöcher und Unebenheiten sowie Steigungen und einen Wald mit vielen Wurzeln. Der Test fand bei Temperaturen um die 25-35 Grad statt. Ich bin 1,68 m groß und wiege 59 Kilo.
Technische Daten im Überblick
| Eigenschaft | Spezifikation |
|---|---|
| Rahmen | Aluminium, Step-Over oder Step-Thru, Größen M/L/XL |
| Gewicht | ca. 34 kg |
| Motor | Mittelmotor, 100 Nm, Drehmomentsensor |
| Akku | 720 Wh, entnehmbar |
| Reichweite (Hersteller) | bis 150 km (Eco-Modus) |
| Ladezeit | ca. 2 Stunden (8A-Schnellladung) |
| Federung | 100 mm vorne (Zoom), 60 mm hinten (DNM, einstellbar) |
| Antrieb | Michelin-Carbon-Riemen + Shimano-Nexus-5-Nabenschaltung |
| Bremsen | Tektro, hydraulisch, 180-mm-Scheiben |
| Reifen | Kenda 27,5 x 2,35", Pannenschutz |
| Display | 3,5-Zoll-TFT |
| Preis | 2.599 Euro (regulär 2.799 Euro) |
Preis & Verfügbarkeit
Bis zum 3. September 2026 verkauft MapFour das Roam zum Einführungspreis von 2.599 Euro, inklusive zwei wasserfester Packtaschen. Danach steigt der Preis auf regulär 2.799 Euro.
Der Motor: 100 Newtonmeter brachiale Power
Das Roam ist mit rund 34 Kilogramm kein Leichtgewicht – und das merkt man natürlich. Ohne Motorunterstützung lässt sich das Bike dank der 5-Gang-Nabenschaltung zwar angenehm bewegen, ab rund 20 km/h oder bei leichten Steigungen wird es aber zäh.
Spätestens bei 28 km/h versagten meine untrainierten Beinchen, mehr ging nicht.
Schalte ich den Motor hingegen dazu, steigt der Fahrspaß um 1.000 Prozent. Fünf Stufen stehen zur Auswahl, vom sehr zahmen Eco-Modus für langsames Fahren über Tour
für (wie der Name schon sagt) gemächliche Touren bis hin zu Turbo für die volle Power am Berg.
Egal auf welcher Stufe, der Motor läuft dank Drehmomentsensor und feiner Abstimmung butterweich.
Zwischen 25 und 26 km/h nimmt sich der Motor sanft zurück – teils schon bei 25,5, teils erst bei 26-27 km/h je nach gewählter Stufe.
Diese Toleranz sorgt für ein deutlich harmonischeres Fahrgefühl als das plötzliche Abschalten, das viele günstigere E-Bikes zeigen. Ja, der Motor zieht manchmal minimal nach, wenn ich aufhöre zu treten. Das ist aber Kritik auf hohem Niveau.
Ich fahre die meiste Zeit im Tour-Modus (Stufe 2) für kleinere Ausflüge und alltägliche Erledigungen. Wenn ich es spritziger mag, reicht Stufe 3.
Den Turbomodus nutze ich nur für steilste Anstiege in meiner Gegend. Und selbst da drückt mich der 100-Nm-Motor mühelos nach oben, während ich die 25 km/h weitgehend halten kann.
Auch das Anfahren am Berg klappt entspannt, ohne das ruckartige Antreten, das ich von schwächeren Motoren kenne.
Federung, Schaltung und Bremsen: Komfort, der sich auszahlt
Ebenfalls überzeugend: die Vollfederung. Mit 100 Millimetern vorne und 60 Millimetern hinten filtert das Roam selbst auf wurzeligem Waldboden mit Steinen einen Großteil der Stöße heraus.
Für Sprünge über Trails ist es sicher nicht gebaut, aber fürs gemütliche Cruisen und auch für etwas sportlichere Ausflüge mit dem Turbo-Modus macht das richtig Spaß.
Bei der Schaltung setzt MapFour auf eine Shimano-Nexus-5-Nabenschaltung statt einer klassischen Kettenschaltung. Fünf Gänge klingen erstmal wenig, reichen im Alltag aber, um meine eigene Kadenz zu finden.
Toll auch, dass die Schaltung sofort reagiert – ohne Knacken, ohne Rattern. Das ist im Vergleich zu einer normalen Kettenschaltung so viel angenehmer.
Das Beste ist in meinen Augen jedoch die Kombination mit dem Michelin-Carbon-Riemen. Dadurch bleibt der Antrieb nicht nur angenehm leise, sondern auch nahezu wartungsfrei – hier knackt keine Kette, es braucht kein Öl und kein nerviges Nachjustieren.
Aufgrund der Hinterfederung muss der Riemen über eine spezielle Konstruktion gespannt werden, was in diesem Preissegment nicht selbstverständlich ist.
Die hydraulischen Tektro-Bremsen mit 180-mm-Scheiben verzögern zuverlässig und schnell, egal ob auf Asphalt oder im Wald. Sattel und Griffe sind angenehm gepolstert, auch nach längeren Ausfahrten hatte ich keine Druckstellen.
Das Bemerkenswerte: Ein Rad, bei dem Federung, Antrieb und Bremsen so rund zusammenspielen, dass ich keinen einzelnen Schwachpunkt herausgreifen kann. Auch wenn MapFour nicht zaubern kann und natürlich an einigen Komponenten gespart hat, dazu gleich mehr.
Display, App und Diebstahlschutz
Das 3,5-Zoll-Display ist auch bei praller Sonne gut ablesbar und zeigt euch den Akkustand direkt in Prozent an, statt nur mit einer groben Balkenanzeige zu arbeiten. Dazu kommen Basis-Statistiken wie die gefahrenen Kilometer und Durchschnitts- sowie Maximalgeschwindigkeit. Das reicht aus.
Für mehr müsst ihr in die MapFour-App auf dem Handy wechseln. Die App bietet Navigation sowie ein rudimentäres Tracking eurer Fahrten.
Die Navigation lässt sich zusätzlich aufs Bike-Display übertragen. Das klappt hervorragend und kommt nativen Kartendienste wie Google Maps schon recht nahe. Reicht für den Alltag, für längere Touren greift ihr vermutlich ohnehin auf die App eurer Wahl zurück.
Nützlich sind auch die Diebstahlschutzfeatures, wobei es hier das größte Verbesserungspotenzial gibt. Ihr könnt das Roam optional über einen vierstelligen PIN-Code sichern und bei Bedarf mit einer automatischen Geofencing-Erkennung eures gekoppelten Smartphones kombinieren.
Ist euer Handy in der Nähe, entriegelt sich das Rad von selbst – praktisch, aber leider zu großzügig ausgelegt. Im Wald funktionierte die automatische Erkennung bei mir noch auf rund 50 Meter Entfernung, erst danach musste ich den PIN-CODE eingeben.
Es wäre somit durchaus möglich, dass mir das Rad aus drei Metern Entfernung vor der Nase weggeklaut wird, während ich mit dem Handy in der Tasche beim Friseur sitze. Hier sollte die maximale Entfernung deutlich geringer angesetzt werden.
Dazu kommt der Bewegungsalarm, der im Test recht leise ausgefallen ist – im hektischen Stadtalltag dürfte er in der Geräuschkulisse eher untergehen, als potenzielle Diebe abzuschrecken.
Beides für sich genommen ist kein Drama, in Kombination macht es den Diebstahlschutz aber zum schwächsten Glied der sonst runden Smart-Ausstattung. Immerhin: Ihr könnt das Fahrrad jederzeit über die App orten.
Die App ist zudem aufgeräumt und intuitiv zu bedienen, kleinere Übersetzungsstolpereien wirken aber entweder unfreiwillig komisch (Reiten
) oder sorgen sogar für Verwirrung (Schafzaun
). Hier darf MapFour gern ebenfalls noch mal ran.
Alltagstauglichkeit: Akku, Gewicht und Zubehör
Der 720-Wh-Akku wirkt großzügig dimensioniert. Die vom Hersteller versprochenen 150 Kilometer solltet ihr nicht als Alltagswert einplanen, das gilt nur im sparsamsten Eco-Modus bei Idealbedingungen und Rückenwind (Spaß).
Ich kam mit einer Mischung aus Stufe 1-5 (hauptsächlich 2-3), unterschiedlichem Terrain bei 25-30 Grad auf ca. 90 Kilometer.
Der Akku lässt sich entnehmen und ist zusätzlich per Schloss gesichert; Firmware-Updates soll es laut Hersteller regelmäßig geben.
Wer das Roam ohne eigene Pedalkraft ein Stück bewegen muss, etwa beim Rangieren, kann per langem Druck auf die Minus-Taste eine Schiebehilfe aktivieren. Die unterstützt bis 2,5 km/h, ohne dass ihr überhaupt in die Pedale treten müsst. Das nimmt dem hohen Gewicht zumindest auf kurzen Strecken etwas seinen Schrecken.
Für Gepäck ist das Roam gut gerüstet: Der Gepäckträger hinten ist werkseitig verbaut, vorne lässt sich optional einer nachrüsten. Dazu bietet MapFour passendes Zubehör wie Seitentaschen und eine Gepäckträgertasche an.
Garantie bekommt ihr zwei Jahre auf Rahmen und Gabel, ebenso auf Motor und Steuereinheit (bis 10.000 Kilometer), der Akku ist für 500 Ladezyklen abgesichert.
Der große Kompromiss bleibt das Gewicht. Mit rund 34 Kilogramm ist das Roam kein Rad, das ihr mal eben in den dritten Stock tragt oder spontan ohne Motor durch die Stadt schiebt. Für ein Trekking-E-Bike, das lange Touren und schweres Gepäck wegstecken soll, ist das aber ein nachvollziehbarer Trade-off.
Mein Fazit: Vollfederung zum halben Preis, mit einem nachvollziehbaren Kompromiss
Für wen lohnt es sich? Für alle, die auf Trekking-Touren echten Federungskomfort wollen, ohne die 5.000-Euro-Marke etablierter Marken zu zahlen. Wer viel auf Kopfsteinpflaster, Feld- und Waldwegen unterwegs ist und dabei auf einen kraftvollen, natürlich abgestimmten Motor Wert legt, bekommt hier ein rundes Gesamtpaket.
Für wen nicht? Wer ein möglichst leichtes, sportliches Rad sucht, ist beim Roam falsch – dafür ist es mit rund 34 Kilogramm zu schwer. Hier wären Bikes wie das Cube Nulane Hybrid die bessere Wahl.
Lest auch: Mein Test des MapFour N1 Pro, dem cityfokussierten Geschwistermodell der Marke.
Mein Urteil: Das Roam liefert genau die Kombination aus Federungskomfort, kraftvollem Motor und wartungsarmem Antrieb, die ich sonst erst in der doppelten Preisklasse erwarte – die kleineren Patzer bei Kabelführung und Alarmlautstärke fallen dagegen kaum ins Gewicht. Es bleibt eines der spaßigsten E-Bikes, auf denen ich je saß.




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