Mehr TV fürs Geld: Warum sich ein größerer Fernseher viel mehr lohnt, als ihr denkt

Das hat ausnahmsweise nichts mit Bildqualität, Panelart oder Features zu tun – sondern Mathematik.

Der LG OLED C6 dient uns in diesem Artikel als Rechenbeispiel. (Bildquelle: LG, Maxe S., GameStar) Der LG OLED C6 dient uns in diesem Artikel als Rechenbeispiel. (Bildquelle: LG, Maxe S., GameStar)

Ich empfehle euch ständig große TVs. Nicht, weil meine Platte hängt, sondern weil ich der Überzeugung bin, dass größer in diesem Fall immer besser ist. Da geht es stets um Bildqualität, Auflösung, Immersion. Heute lassen wir das außen vor und sprechen über etwas anderes.

Mathematik. Und zwar eine, die euch am Ende mehr Bildschirm fürs Geld bietet.

Keine Angst, ich bin auch kein Mathe-Ass, aber ich beweise euch, dass Fernseher günstiger werden, je größer sie sind.

Falls euch die Berechnungen nicht interessieren und ihr direkt zum Fazit wollt: Fazit

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe ist seit 2016 Tech-Redakteur, und Fernseher waren schon immer sein Fachgebiet. LED, OLED, Mini-LED, Micro-LED: Völlig egal, er interessiert sich für alle Displays. Mit TVs kennt er sich also bestens aus und weiß, worauf man beim Kauf achten sollte. 

Die Mathematik

Hier ist eine Kopfnuss: Ein 80-Zoll-Fernseher ist nicht doppelt so groß wie ein 40-Zöller, obwohl er die doppelte Anzahl an Zoll hat. Stattdessen ist er etwa viermal so groß. Wieso?

Keine Sorge, Noten verteile ich nicht. Wenn ihr gerade aber dachtet: »Das hat bestimmt mit der Bildschirmdiagonale zu tun«, dann liegt ihr … richtig.

Die wichtigste Info vorweg: Ein 80-Zoll-Fernseher ist nicht nur doppelt so groß wie ein 40-Zöller. Er hat viermal so viel Bildfläche. Das liegt daran, dass mit der Diagonale gleichzeitig auch Breite und Höhe wachsen. Verdoppelt sich beides, vervielfacht sich die Fläche.

Klingt logisch, vermisst man aber gerne. Ich rechne hier mit der reinen Displayfläche, ohne Rahmen und Standfuß.

40 Zoll80 Zoll
Diagonale in cm101,6203,2
Breite88,6177,1
Höhe49,899,6

Screen Size Comparison setzt bei der Formel für Breite und Höhe den Satz des Pythagoras für ein Rechteck an.

  • Breite = d × a ÷ √(a² + b²) 
  • Höhe = d × b ÷ √(a² + b²) 

Ein 55-Zoll-Panel im 16:9-Format misst ohne Rahmen daher rund 47,9 x 27 Zoll. Keine Sorge, mathematischer wird’s nicht.

Die jeweiligen Flächen sehen entsprechend so aus:

  • Bildfläche 40-Zöller: ca. 4.411 cm²
  • Bildfläche 80-Zöller: ca. 17.643 cm²

Ein 80-Zoll-TV bietet genauso viel reine Bildfläche wie vier 40-Zoll-TVs.

Was uns zur Faustregel bringt: Verdoppelt ihr bei einem gleichbleibenden Seitenverhältnis die Diagonale, könnt ihr die vierfache Bildfläche unterbringen.

Das Preisschild

Jetzt kommen wir zum Geldbeutel. Wie viel mehr Bild bekommt ihr für dieses zusätzliche Geld?

Als Rechenbeispiel schnappe ich mir den LG OLED C6. Den gibt es laut Geizhals derzeit für 1.600 Euro für 55 Zoll zu haben.

Möchte ich die Bildschirmfläche berechnen, nehme ich die Breite mal die Höhe. Um den Preis pro Quadratzentimeter zu berechnen, teile ich den Preis durch die Fläche.

Daraus ergibt sich Folgendes:

GrößeBildschirmflächePreis in €Preis pro cm² in €
42 Zoll4.863 cm²1.0990,226
48 Zoll6.352 cm²1.0490,165
55 Zoll8.339 cm²1.5990,192
65 Zoll11.647 cm²1.6990,146
77 Zoll16.345 cm²2.4990,153
83 Zoll18.9913.0990,163

Wir bemerken: Der größere Fernseher ist nicht automatisch günstiger pro Fläche. Aber oft bekommt ihr für den höheren Kaufpreis überproportional viel zusätzliche Bildfläche.

Der 65-Zöller bietet in diesem Beispiel tatsächlich das beste Preis-Flächen-Verhältnis. Interessant ist vor allem der prozentuale Unterschied zu den anderen Zollgrößen.

Nehmen wir 65 Zoll respektive 14,6 Cent als Referenz, da das der günstigste Preis ist, so entsteht folgendes Bild:

  • 42 Zoll: +54,9 Prozent teurer
  • 48 Zoll: +13,2 Prozent teurer
  • 55 Zoll: +31,4 Prozent teurer
  • 65 Zoll: Referenz
  • 77 Zoll: +4,8 Prozent teurer
  • 83 Zoll: +11,9 Prozent teurer

Obwohl der 55-Zöller nur 100 Euro weniger als das 65-Zoll-Modell kostet, habt ihr den zweitschlechtesten Wert in Bezug auf den Preis pro Quadratzentimeter.

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Fazit

Wir haben gelernt, dass ein 80-Zoll-TV nicht einfach nur doppelt so groß ist wie ein 40-Zoll-TV, sondern die vierfache Bildfläche bietet. Der Wert steht natürlich in Relation zur Ausgangsgröße. Ein 85-Zoll-Gerät hat beispielsweise rund 71 Prozent mehr Bildfläche als ein 65-Zöller.

Warum unterschätzen wir die Größe eines Fernsehers so leicht? Weil die Zollzahl nur eine einzige Strecke beschreibt: die Diagonale.

Tatsächlich wächst ein Fernseher aber gleichzeitig in zwei Richtungen. Er wird breiter und höher. Genau deshalb nimmt die Bildfläche deutlich schneller zu, als die Zollzahl vermuten lässt. 

Wie das Beispiel mit dem LG C6 zeigt, muss der größte Fernseher nicht automatisch den besten Flächenpreis haben. Hier landet der 65-Zöller vorn. Bei vielen Modellreihen lohnt sich ein Blick besonders auf die mittleren und großen Größen. Wie stark der Preis pro Quadratzentimeter ist, hängt stark von Technik und Preisgestaltung ab.

Im Falle von OLED spielt da auch das sogenannte Mutterglas mit hinein, aus dem ein Panel geschnitten wird. Mehr lest ihr in meinem Artikel dazu. Sucht ihr noch einen Fernseher für euch, lege ich euch unsere Kaufberatung ans Herz.

Wenn ihr zwischen zwei TV-Größen schwankt, schaut nicht unbedingt nur auf den tatsächlichen Preisunterschied. Es lohnt sich, den Preis für die Bildschirmfläche auszurechnen und zu schauen, wie viel Display man für den Preis bekommt.

Vielleicht kostet der größere Fernseher 300 Euro mehr. Wenn er dafür aber 50 oder 70 Prozent mehr Bildfläche bietet, sieht der Aufpreis plötzlich ganz anders aus.

Der größere Fernseher ist nicht automatisch das bessere Angebot. Aber manchmal bekommt ihr tatsächlich überraschend viel mehr TV fürs Geld.


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