Natürlich beginnt The Witcher 3: Songs of the Past mit einem Besäufnis. Oder genauer: die Demo, die ich hier in Warschau in den Büros von CD Projekt Red live und deutschlandexklusiv vorgespielt bekomme. Ich hocke in einem privaten Kinosaal, denn natürlich verfügt CD Projekt über einen privaten Kinosaal, verborgen in einem gigantischen Sci-Fi-Würfel aus kleinen Bildschirm-Dreiecken, auf denen in Dauerschleife der Trailer zu The Witcher 4 läuft.
Dieser Sci-Fi-Kinowürfel wiederum steht in einem gigantischen Foyer, in das regelmäßig Fans aus aller Welt pilgern – heute zum Beispiel ein paar Kids aus Italien, die davon träumen, irgendwann vielleicht mal in so einem Studio zu arbeiten. Doch die Empfangshalle mit dem hauseigenen Kino ist nur das kleine Foyer. Es gibt noch ein größeres.
CD Projekts Warschau-Standort bietet drei Kantinen, zwei Gyms (Outdoor und drinnen), zwei Hallen nur für Motion-Capture-Aufnahmen, einen Basketballplatz auf dem Dach, Zen-Meditationsräume, eine Auffangstation für Pflanzen in Not, eine dicht bewachsene, kleine Promenade mit Sitzbänken, eine eigene Amazon-Paketstation. Während meiner Tour kratzt PR Lead Fabian Döhla draußen mit der Fußspitze über einen Pflasterstein.
»Siehst du die gelben Überreste hier? Zum Cyberpunk-Launch haben wir den kompletten Platz hier neongelb eingefärbt.«
Klar, wieso auch nicht?
Die Mitarbeitenden nennen ihren Arbeitsplatz »Campus«, das Vorbild liegt auf der Hand: Blizzards riesiges Campus-Gelände in Irvine, Kalifornien. Wenn es CD Projekt Red an einem nie mangelt, dann an Ambition – manche würden sagen: Größenwahn. Kassiert das Studio mal negative Schlagzeilen, dann hat in der Regel irgendwer dort übersteuert; die Devs nehmen sich zu viel vor, versprechen auch mal zu viel, ja, aber eben auch nie zu wenig.
Während die komplette AAA-Branche aktuell unter Entlassungswellen begraben wird, wächst CD Projekt. Beim Mittagessen plaudere ich zum Beispiel mit einem Entwickler, der in Boston an Cyberpunk 2 werkelt. Es gibt weitere Standorte in Krakau, Breslau, Vancouver.
Und dann existieren Projekte, die gar nicht mehr von CD Projekt selbst entwickelt werden, sondern von Partner-Studios. Bestes Beispiel: Songs of the Past, das dritte Addon für The Witcher 3, das jetzt ein Jahrzehnt nach Release des Grundspiels von Fool’s Theory (The Thaumaturge, Seven) zusammengeschraubt wird. Wie passend, schließlich arbeiten hier viele Ex-Witcher-Leute mit entsprechender Erfahrung.
Die Idee selbst stammt aber von CD Projekt – unter anderem von Philipp Weber, einem der Köpfe hinter der legendären Blutiger-Baron-Quest –; sie flattert schon seit Jahren durch die Flure des Studios. Und jetzt ist es eben an der Zeit, daraus ein komplettes Addon für ein zehn Jahre altes Spiel zu machen.
Nach 45 Minuten Gameplay-Demo, die mir von CD Projekts leitendem Level Designer Miles Tost und dessen Kollegen Benji Hanussek vorgespielt werden, denke ich mir erneut: Klar, wieso auch nicht? Also gehen wir mal rein.
Disclaimer: CD Projekt Red hat uns deutschlandexklusiv nach Warschau ins eigene Hauptquartier eingeladen und sämtliche Kosten für den Trip getragen, also Flug, Unterkunft und Verköstigung. Wir haben außerdem dem Embargo zugestimmt, erst ab jetzt über Songs of the Past zu sprechen. Inhaltliche Einschränkungen für die Berichterstattung gibt's nicht.
Worum geht’s in Songs of the Past?
Meine Gameplay-Demo beginnt in medias res, am Morgen nach dem Belleteyn-Fest, dem Midsommar-Besäufnis der Witcher-Welt. Die Hexer-Sinne bewahren Geralt vor einem dicken Brummschädel, schlecht geträumt hat er trotzdem. Von einem Brunnen, Dornen, einem verfluchten Garten.
Geralt erwacht in freier Natur, auf einer kleinen Anhöhe am Ufer eines Sees, noch immer in feierliche Belleteyn-Roben gekleidet. Sein erster Blick fällt auf eine absolute Postkarten-Ansicht der neuen Spielwelt. Was ein Zufall.
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