Wie doch die Zeit vergeht. Mir kommt es vor, als wäre es gestern gewesen, dass ich zum ersten Mal Windows 3.1 auf meinem 286er mit zwölf Megahertz im Turbomodus installiert habe. Doch das ist jetzt über 30 Jahre her.
30 Jahre, in denen ich Windows immer treu gewesen bin. Aber nun ist Schluss. Ich mag nicht mehr. Ich könnte viele Gründe nennen: die zuletzt immer wieder Probleme verursachenden Updates, aufdringliche Werbung oder potenziell totale Überwachung per Recall.
Jedoch ist es vor allem die Lust auf etwas Neues, die mich anspornt. An Windows habe ich mich längst sattgesehen. Außerdem suche ich nach einer neuen Herausforderung, nach etwas, das mich bei der Stange hält.
macOS oder Linux?
Zur Wahl stehen mir im Grunde zwei Möglichkeiten: Zu Apple respektive macOS wechseln, oder mich der Linux-Community anschließen. Bevor es mir in den Kommentaren um die Ohren fliegt: Ja, es gibt eigentlich auch noch BSD (Berkeley Software Distribution), aber das schließe ich aufgrund mangelnder für mich passender Software sofort aus.
macOS habe ich schon einmal probiert und es hat mir sehr gut gefallen. Mir aber für viel Geld extra einen Apple-Rechner zu kaufen, fällt ebenso flach, wie BSD zu nutzen. Und eine Herausforderung ist macOS auch nicht. Dafür ist das Betriebssystem viel zu glattpoliert. Es bleibt also nur Linux.
Seit etwas mehr als einem Monat nutze ich nun im Alltag Ubuntu-Linux – warum gerade Ubuntu?
Die Frage nach der richtigen Distribution
Für alle, die das nicht wissen: Es gibt nicht nur ein Linux, sondern beinahe unzählige Varianten. Sich aus diesem Überangebot eine sogenannte Distribution auszusuchen, ist gar nicht so einfach.
Vor meinem Wechsel habe ich daher etwa eine Woche lang sondiert, verschiedene Linuxe auf meinem Laptop ausprobiert und versucht, die für mich beste Version ausfindig zu machen.
So konnte ich die Auswahl auf drei Grundvarianten plus zwei Derivate einschränken: Debian, Arch Linux, Fedora (das aus Red Hat Linux hervorgegangen ist), Ubuntu und Linux Mint.
Hauptdistributionen und Abkömmlinge
Debian, Arch Linux und Fedora sind drei grundlegende Linux-Distributionen, die sich in ihren Release-Zyklen unterscheiden und auf denen viele andere Distributionen basieren. Sie haben zudem jeweils eigene sogenannte Repositories (Paketquellen). Das sind Archive, die Software enthalten, die speziell für sie gepackt wurde – etwa wie Google Play, der App Store oder der Microsoft Store.
Distributionen, die auf Debian und Co. aufbauen, nutzen in der Regel den Paketmanager ihres Ursprungs-Linux. Ein Paketmanager ist ein Programm, das die Pakete aus den Quellen installiert, deinstalliert oder aktualisiert.
Ubuntu ist ein Derivat und basiert auf Debian. Linux Mint wiederum fußt auf Ubuntu (wobei es auch eine Version von Linux Mint gibt, die direkt auf Debian aufbaut).
Während Ubuntu zwar aus Debian hervorgeht, nutzt es eigene Paketquellen. Linux Mint auf der anderen Seite verwendet direkt die Repositories von Ubuntu oder Debian (in der Linux Mint Debian Edition).
Die Suche geht weiter
Ich möchte ein Linux, das ohne großes Gefrickel die Programme unterstützt, die ich für die Arbeit brauche – zum Beispiel die VPN-Software Forticlient.
Zwar lässt sich Forticlient auch auf anderen Linux-Distributionen (per OpenFortiVPN) verwenden, aber das funktioniert bei mir nicht und eine dedizierte Version der App gibt es nur für Debian respektive Ubuntu (und Linux Mint) sowie Fedora. Einige andere für mich wichtige Programme werden von Fedora allerdings nicht unterstützt.
Debian wiederum setzt viel Feinschliff per Terminal-Eingabe voraus. Auf lange Sicht sagt mir das zwar zu, ich will ja schließlich etwas lernen, aber um ohne Probleme auf meinem Arbeitsrechner umsteigen zu können, sind Ubuntu und Linux Mint die vorerst bessere Wahl.
Außerdem steht es mir auch bei diesen beiden sehr zugänglichen Distributionen frei, alles per Terminal zu installieren und zu konfigurieren.
Und weil mir Ubuntu optisch besser gefällt als Linux Mint (das sehr nach Windows 7 aussieht), ist meine Entscheidung gefallen.
Wie ist es denn nun nach über einem Monat Ubuntu?
Ich fange am besten von vorne an: Die Installation von Ubuntu (das wie die allermeisten Linux-Distributionen kostenlos ist) ist genauso einfach wie die von Windows. Das gilt auch für die anderen, von mir getesteten Linuxe.
Sie gefällt mir sogar deutlich besser, da ich nicht gezwungen bin, mich durch die ganzen Werbe- und Datenschutzseiten von Microsoft zu klicken, die mir zudem oftmals keine wirkliche Wahl lassen.
Weil ich die Festplatte nicht automatisch konfigurieren lassen will, sondern lieber selbst die Kontrolle übernehme, muss ich mich aber erst darüber informieren, wie Ubuntu respektive Linux aufgebaut ist – denn die Verzeichnis- und Laufwerksstruktur unterscheidet sich von Windows.
Zusätzliche Festplatten muss ich außerdem nach der Installation manuell einbinden. Das wirkt auf den ersten Blick kompliziert, ist aber im Grunde nicht schwer. Man muss sich jedoch etwas mit der Systematik dahinter auseinandersetzen.
An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass ich kein völlig unbeschriebenes Blatt in Sachen Linux bin. Vor etlichen Jahren hatte ich parallel zu Windows bereits Arch Linux installiert. Vieles von dem, was ich damals gelernt habe, ist mir heute sehr nützlich.
Für fast alles gibt es eine gute Linux-Alternative
Da ich auch schon unter Windows Freeware wie Gimp (zur Bildbearbeitung) und Libreoffice verwendet habe, ist mir der Umstieg insgesamt besonders leicht gefallen.
Für alles, wo ich auf Microsoft Office angewiesen bin, kann ich außerdem die jeweilige Browser-Version nutzen. Um hübsche Benchmark-Tabellen zu erstellen, brauche ich beispielsweise tatsächlich Excel. Zugegeben, Excel im Browser ist etwas unkomfortabler als die Client-Version.
Zum Beispiel speichert es permanent automatisch, sodass ich penibelst darauf achten muss, wirklich immer ein frisches Arbeitsblatt zu erstellen, wenn ich eine neue Benchmark-Tabelle anlege. Ansonsten überschreibt es mir die vorherige. Aber das ist reine Gewohnheitssache.
Und statt Notepad++, das ich benötige, um die Benchmark-Tabellen in unser System zu übertragen, verwende ich jetzt Notepad Next. Dafür musste ich lediglich ein paar Editoren ausprobieren, um den für mich passenden zu finden.
Überhaupt gibt es für das Allermeiste unter Linux eine Alternative. Statt dem Passwortmanager KeePass (unter Windows) verwende ich nun KeePassXC. Und statt Adobe Lightroom (zur Bearbeitung von Fotos im RAW-Format) kommt Darktable zum Einsatz.
Wobei an dieser Stelle erwähnt sei, dass die Adobe-Software (Photoshop, Premiere, Lightroom usw.) tatsächlich nur schwer zu ersetzen ist. Darktable ist zwar eine brauchbare Alternative, aber Lightroom ist immer noch deutlich besser und komfortabler.
Kdenlive und DaVinci Resolve sind gute Videobearbeitungsprogramme, aber Premiere ist für Profis wohl die erste Wahl.
Wenn ich zudem tiefer in die Bildbearbeitung eintauchen wollen würde, käme ich um Photoshop wohl nicht herum.
Aber das war es auch schon mit den Kritikpunkten. Ubuntu (auf meinem Arbeitsrechner ist Version 22.04.4 LTS installiert, auf meinen übrigen Rechnern laufen das neuere 24.04 LTS und Debian 12.5 nebeneinander) läuft extrem stabil, unterstützt alle Browser, die es auch unter Windows gibt (selbst Microsoft Edge per Flatpak) und sieht dank der Gnome-Oberfläche meines Erachtens nach auch viel moderner aus als Windows 11.
Und falls mir der Look von Gnome irgendwann doch zu den Ohren raus hängt, gibt es eine ganze Reihe anderer Desktops (Cinnamon, KDE Plasma, XFCE, usw.).
Dann sind da noch die bequemen Updates. Mit nur einer Eingabe ins Terminal kann ich einen Großteil meiner Programme auf einen Streich aktualisieren.
Software, die ich aus dem Snap-Store oder Flathub (beides Paketquellen, die Distributions-übergreifend und - stark vereinfacht gesagt - so ähnlich wie Container funktionieren) bezogen habe, kann ich ebenfalls auf einen Klick updaten.
Spielen unter Linux
Zudem lässt es sich unter Linux mittlerweile fast so leicht spielen wie unter Windows. Dank Valves Steam Deck wurde die Entwicklung der Kompatibilitätsschicht Proton (für Steam) stark vorangetrieben, sodass die meisten Spiele auch unter Linux laufen.
Nur vereinzelte Titel wollen partout nicht starten. Was in den meisten Fällen an Anticheat-Maßnahmen liegt, die (noch) nicht von Linux unterstützt werden.
Irgendwann werde ich auf meinem Arbeitsrechner von Ubuntu zu Debian wechseln. Vorerst bastle ich an Debian aber nur auf meinem Laptop – und auch da nur als Parallelinstallation zu Ubuntu.
Debian ist zwar ebenfalls nicht besonders kompliziert, aber um einen ähnlich schicken Desktop wie unter Ubuntu zu erhalten, bedarf es doch einiger Konfiguration.
Eines steht aber fest: Es gibt für mich keinen Grund, auf meinem Arbeitsrechner und meinen privaten PCs wieder zu Windows zurückzukehren.
Ganz entkomme ich Windows allerdings nicht: Für die Arbeit, beispielsweise um Artikel über bestimmte Programme oder Einstellungen zu schreiben, nutze ich Windows in einer virtuellen Maschine und auch auf meinen Grafikkartentestsystemen läuft Microsofts Betriebssystem. Schließlich will ich euch ja mit aussagekräftigen Benchmarks versorgen.
Umfrage
Welches Betriebssystem nutzt ihr auf dem PC? Seid ihr wie ich vielleicht von Windows umgestiegen? Und falls ja, was waren eure Beweggründe, euch von Microsofts Betriebssystem abzuwenden? Oder seid ihr Windows treu und seht auch keinen Grund, das Betriebssystem zu verlassen? Was sind gegebenfalls die Gründe, warum ihr einen Wechsel ausschließt? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!

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