Napster wurde wieder einmal übernommen.
Auf der Plattform kann man längst legal Musik streamen. Doch das subversive Image der Firma, die in den frühen 2000ern den Zorn der Musikindustrie auf sich zog, bleibt auch 25 Jahre später.
Das scheint den neuen Käufer aber nicht zu stören – im Gegenteil.
Ein umstrittener Dienst revolutioniert das Musikhören
Napster wurde in den frühen 2000ern zum Synonym für Musikpiraterie. Doch statt organisierten Kriminellen entwickelten Ende der 90er Jahre zwei Teenager die Plattform.
Während wir Musik aus dem Internet heute längst mit dem Streaming bei Spotify & Co. verbinden, ging es damals vor allem um das Teilen und den Download der entsprechenden MP3-Dateien.
In einem langen Artikel schreibt der Guardian 2013 über die Geschichte von Napster:
- 1999 wird Napster als P2P-Filesharingplattform entwickelt, wo Endnutzer direkt miteinander Dateien teilen konnten.
- 2000 verzeichnet die Plattform Millionen Nutzer und wird zu einem Synonym für illegale Musik-Downloads.
- Im selben Jahr verklagen mehrere Akteure der Musikindustrie – unter anderem Metallica – Napster wegen Urheberrechtsverletzungen.
- 2001 wird die Plattform wegen der Rechtsstreitigkeiten vorübergehend geschlossen.
- 2002 meldet sie Insolvenz an.
Seitdem wurde Napster von verschiedenen Firmen gekauft. Das illegale Image scheint dabei wenig zu stören. Im Gegenteil: Der Musikstreamingdienst Rhapsody, der Napster 2011 übernahm, benennt sich 2016 sogar selbst in Napster um.
Zwischenzeitlich war der nun legale Streamingdienst im Besitz der Blockchain-Firma Algorand. Nun wird die Plattform von der Firma Infinite Reality gekauft – für 207 Millionen Dollar.
Napster soll nun das Metaverse revolutionieren
Infinite Reality beschreibt sich selbst auf LinkedIn als ein Innovationsunternehmen, das die nächste Generation von digitalen Medien und E-Commerce durch KI und immersive Technologien vorantreibt.
Konkret arbeitet die Firma an der Entwicklung und eines Metaverse.
Das Metaverse ist eine digitale Welt, die durch eine Kombination von Technologien wie Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR), und Blockchain ermöglicht wird. Menschen sollen dort mittels Avataren immersive Erlebnisse haben und die Welt aktiv gestalten können, was weit über unsere heutigen Online-Erfahrungen hinausgehen soll.
Link zum YouTube-Inhalt
Ähnlich wie Rhapsody, scheint auch Infinite Reality das frühe illegale Image von Napster nicht zu stören. Im Gegenteil: Im Interview mit CNBC meint CEO John Acunto:
Ich glaube, es gibt keinen besseren Namen als Napster, um zu revolutionieren.
Wenn es nach Infinite Reality geht, soll Napster die nächste Revolution ins Metaverse bringen.
Dort soll Napster dann für musikbezogene Erlebnisse stehen, wie:
- virtuelle Konzerte und Listening-Partys in virtuellen 3D-Räumen
- digitalen und physischen Merchandise-Verkauf
- das Schaffen von virtuellen Räumen (
crazy environments
) durch Künstler. Reggae-Musiker könnten dann etwa eine virtuelle Strandumgebung erstellen - die engere Vernetzung mit der Musikgemeinschaft durch weitere soziale Features
Wann das alles möglich sein soll, darüber ist im CNBC-Interview nichts zu lesen.
Infinite Reality wird mit rund 12 Milliarden Dollar bewertet
Im Januar dieses Jahres gab Infinite Reality laut GlobeNewswire bekannt, 3 Milliarden US-Dollar an Investoren-Geld erhalten zu haben, was das Unternehmen mit 12,25 Milliarden US-Dollar bewertet.
Die Übernahme von Napster ist nur ein Schritt im Expansionskurs des Tech-Unternehmens: Ebenfalls im Januar übernahm das Tech-Unternehmen die Shopping-Plattform Obsess.
Laut Handelsblatt rechnen Experten aufgrund der immensen erforderlichen Rechenleistung erst in rund 20 Jahren mit einem vollständig entwickelten Metaverse. Ob Napster bis dahin immer noch sein illegales bis revolutionäres Image aus den frühen 2000ern haben wird, ist fraglich.







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