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Nicht der Abschluss zählt: Eine bestimmte Eigenschaft ist Valve bei Bewerbern wichtiger als jede Note

Eine Absage auf eine Bewerbung ist selten ein Grund zur Freude. Doch ein Schreiben, das ein Schüler im Jahr 2015 von Valve erhielt, wird aktuell im Netz gefeiert.

Valve gehört zu den gefragtesten Arbeitgebern in der Spielebranche. Pro Mitarbeiter macht Gabe Newells Unternehmen 50 Mio. US-Dollar Umsatz. Valve gehört zu den gefragtesten Arbeitgebern in der Spielebranche. Pro Mitarbeiter macht Gabe Newells Unternehmen 50 Mio. US-Dollar Umsatz.

Der Traum vom Job bei Valve ist für viele PC-Spieler so alt wie Steam selbst. Wer möchte nicht dort arbeiten, wo Half-Life und Portal entstanden sind und wo angeblich keine Vorgesetzten existieren?

Die Realität sieht für Berufseinsteiger jedoch düster aus, denn das Unternehmen aus Bellevue ist berüchtigt für seine extrem hohen Einstellungshürden. Wie hoch diese wirklich sind, erfuhr Liem Nguyen bereits 2015.

Frisch von der High School und ohne nennenswerte Erfahrung bewarb er sich auf gut Glück beim Counter-Strike-Macher. Die Antwort, die er erhielt, teilte er nun Jahre später auf Reddit – und löste damit eine hitzige Debatte über Valves Firmenkultur und den richtigen Weg in die Gaming-Industrie aus.

»Einfach machen«: Die Lektion aus der Absage

Als Nguyen die E-Mail damals öffnete, fand er keine der üblichen, nichtssagenden Floskeln vor. Stattdessen erklärte ihm Valve detailliert, warum es nicht geklappt hat. Der Kern der Botschaft: Valve stellt keine Anfänger ein. »Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werden wir mit Ihrer Bewerbung nicht fortfahren. Wir bieten keine Einstiegspositionen an«, hieß es unmissverständlich.

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Valve erläuterte seine Philosophie: Man suche nach Leuten, die bereits »an der Spitze ihres Handwerks stehen« und fähig sind, »substanzielle, unabhängige Beiträge« zu leisten. Ein Uni-Abschluss sei dabei zweitrangig. »Wir haben keine Korrelation zwischen dem Studium an einer bestimmten Universität und den Erfolgsaussichten festgestellt«, so das Schreiben. Stattdessen seien Hingabe, Erfahrung und Kundenfokus entscheidend – Dinge, die man nicht im Hörsaal lernt.

Der wohl wichtigste Rat folgte am Ende: »Unser Rat ist im Grunde, dass Sie Ihrer Leidenschaft folgen und Zeit damit verbringen, Ihr Handwerk zu perfektionieren. Das Wichtigste ist, dass Sie einfach anfangen, Spiele zu erschaffen.«

Der vollständige Text der Email auf Deutsch

Sehr geehrte/r …,

vielen Dank, dass Sie uns kontaktiert haben – wir freuen uns, dass Sie sich bereits Gedanken darüber machen, wie Sie in die Spielebranche einsteigen können.

Zum jetzigen Zeitpunkt werden wir mit Ihrer Bewerbung nicht fortfahren. Wir bieten keine Einstiegspositionen an.

Es gibt viele Wege in unser Unternehmen, und wir geben keine konkreten Anweisungen dazu, wie man bei uns eingestellt wird. Wir suchen nach Menschen, die an der Spitze ihres Handwerks stehen – von Kunst bis Softwareentwicklung – und die über die Fähigkeiten verfügen, substanzielle, eigenständige Beiträge zu unseren Spielen und Services zu leisten. Aus diesem Grund erfordern alle Stellen, die wir online ausschreiben, ein erhebliches Maß an vorheriger Erfahrung.

Wir haben keinen Zusammenhang zwischen dem Studium an einer bestimmten Universität und den Erfolgsaussichten festgestellt. Daher bevorzugen wir keine Hochschule gegenüber einer anderen. Stattdessen sind wir überzeugt, dass Hingabe, Erfahrung und Kundenfokus entscheidend dafür sind, gute Mitarbeiter zu finden.

Die meisten Menschen, die bei Valve arbeiten, verfügen über sieben bis zehn Jahre Berufserfahrung in diesen Bereichen, viele sogar über noch längere Zeiträume in der Branche. Es gibt viele Wege, dieses Erfahrungsniveau zu erreichen: Manche haben Abschlüsse in diesen Disziplinen, manche Abschlüsse in anderen Bereichen, und einige haben überhaupt keinen Abschluss. Sie alle sind jedoch Weltklasse-Experten auf ihrem Gebiet, ausgezeichnete Kommunikatoren und sehr gut darin, zu verstehen, was Kunden wollen und wie man es am besten liefert. Diese Dinge sind schwer greifbar, werden nicht in Schulen gelehrt und sind es, die gewöhnliche Kandidaten von außergewöhnlichen unterscheiden.

Kurz gesagt: Unser Rat ist, dass Sie Ihrer Leidenschaft folgen und Zeit darauf verwenden, Ihr Handwerk zu perfektionieren. Das Wichtigste ist, dass Sie einfach anfangen, Spiele zu erschaffen – sei es auf Papier oder am Computer. Entscheidend ist das »Machen« und »Erschaffen«.

Wir hoffen, das hilft.

Mit freundlichen Grüßen
Valve Recruiting

Reddit deckt auf: Die »persönliche« Mail ist ein Template

Die Community reagierte zunächst begeistert auf die ausführliche und motivierende Rückmeldung. Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße.

In den Kommentaren meldeten sich Dutzende User, die ein Déjà-vu erlebten: »Ich sehe, sie haben den Ablehnungsbrief seit zehn Jahren nicht geändert. Ich habe vor 12 Jahren genau dieselbe Antwort erhalten«, schrieb ein Nutzer. Ein anderer bestätigte den Erhalt des exakt gleichen Wortlauts vor fünf Jahren.

Was zunächst wie eine individuelle Auseinandersetzung eines Recruiters mit einem jungen Talent wirkte, entpuppte sich letztlich als Textvorlage, die Valve seit weit über einem Jahrzehnt nutzt. Dennoch fällt das Urteil der Community milde aus.

Viele User betonten aber, dass selbst diese Standard-Antwort »verdammt viel besser« sei als das in der Branche übliche »Ghosting«, bei dem Bewerber oft gar keine Rückmeldung erhalten. Die Nachricht mag automatisiert sein, der Inhalt aber bleibt relevant und motivierend.

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Warum Valve keine Junioren will

Die Diskussion förderte auch zutage, warum Valve so rigoros gegen Junior-Stellen ist. Ein User erinnerte an die Entstehungsgeschichte von Portal. Das Spiel begann als Studentenprojekt namens »Narbacular Drop« am DigiPen Institute of Technology in Redmond.

Valve sah das Potenzial nicht in den Noten der Studenten, sondern im funktionierenden Prototyp. Das Unternehmen stellte kurzerhand das gesamte Team ein, um das Konzept in der Source Engine umzusetzen.

Wer bei Valve arbeiten will, muss also oft erst beweisen, dass er aus eigener Kraft etwas auf die Beine stellen kann.

Ein Master-Abschluss in Game Design ist weniger wert als ein veröffentlichtes Indie-Spiel oder eine Mod. »Portfolio über Abschluss« lautet die goldene Regel der Kreativbranche.

Ende gut, alles gut

Für Liem Nguyen selbst war die E-Mail, ob Standardtext oder nicht, ein entscheidender Impuls: Er nahm sich den Rat »Just begin creating« zu Herzen.

Heute, über zehn Jahre später, arbeitet er zwar in der Forschung, entwickelt aber parallel dazu eigene Spiele. Aktuell werkelt er an einem Indie-Titel mit Biologie-Schwerpunkt in der Godot-Engine, in den er seine wissenschaftliche Expertise einfließen lässt.

Damit hat er genau den Weg eingeschlagen, den Valve ihm damals aufzeigte: unabhängig bleiben, Dinge erschaffen und Expertise in einem Nischenfeld aufbauen. Ob es irgendwann doch noch für eine Stelle bei Gabe Newell reicht, steht in den Sternen.

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