Spotify hat ein erfolgreiches Jahr hinter sich: Das Unternehmen hat 2024 zum ersten Mal ein ganzes Jahr lang schwarze Zahlen geschrieben. Der Preis dafür? Eine massive Entlassungswelle – rund 20 Prozent der Mitarbeiter mussten gehen.
Und auch ich habe meinen Teil dazu beigetragen: Nach der Preiserhöhung Anfang 2024 habe ich mich von einem "Zahl-einmal-für-zwei-Monate"-Angebot wieder zurück ködern lassen. Daniel Ek kommentierte laut Variety die Entwicklung des letzten Jahres mit:
Spotify ist nicht nur großartiges Produkt – jetzt ist es auch ein großartiges Geschäft.
Na dann, Glückwunsch, Herr Ek!
Spotify will 2025 den Fokus auf Musik setzen
Seit 2019 hat Spotify vor allem in Podcasts investiert – ein Fokus, der einigermaßen an mir vorbeigegangen ist.
2025 könnte aber voll das Jahr für mich und Spotify werden. Ek hat nämlich angekündigt, sich nun verstärkt auf Musik zu konzentrieren. Das ist doch eine großartige Nachricht für alle, die auf Spotify vor allem Musik hören wollen!
Kommt nun endlich das langersehnte Hi-Fi? Hi-Fi, also hochauflösende Audio-Qualität, ist bei Apple Music und Co. schon längst Standard. Spotify verspricht das Feature seit Jahren – doch bislang kam es einfach nicht.
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Mehr Investition in (KI-)Musik
Daniel Ek ist ein umtriebiger Investor – auch außerhalb von Spotify. Er hat zum Hoch seiner Aktie Wertpapiere im Wert von 37 Millionen US-Dollar verkauft. Ein besonderes Augenmerk seiner Investitionen: KI. Aber auch auf Spotify kamen wir Hörer im vergangenen Jahr in den Genuss von KI.
Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an das für viele enttäuschende Spotify Wrapped 2024: Ein seltsam generischer Jahresrückblick mit KI-generierten Genres.
Aber damit nicht genug: Seit 2023 tauchen immer mehr Hinweise auf, dass Spotify selbst KI-Musik produzieren lässt. Und dabei geht es nicht um den deutschen Hit Verknallt in einen Talahon
.
Der BR hat in einer Recherche herausgefunden, dass Spotify mit Produktionsfirmen zusammenarbeitet, die massenhaft KI-Musik erstellen.
Diese landet dann unter Pseudonymen wie Join Hiddleston
gezielt in den beliebten Playlists – ein lukratives Geschäft für den Streaming-Riesen.
Spült der uns mit mehr Investitionen in Musik dann noch mehr computergenerierten Einheitsbrei in die Playlists?
Hier gibt es zumindest teilweise Entwarnung: Spotify hat diesen Monat auch mehrjährige Deals mit den Major-Labeln Universal und Warner abgeschlossen.
Die haben (Stand heute) noch Musiker aus Fleisch und Blut unter Vertrag. Und für die wollen sie mehr Geld, und weniger KI-Konkurrenz. Das ist grundsätzlich erfreulich.
Allerdings: Kleineren Künstlern, die nicht bei einem Major-Label unter Vertrag sind, nützt das wenig. Die werden, wie die Musiker-Plattform bonedo berichtet, seit 2024 vom Streaming-Riesen überhaupt erst ab dem 1000. Stream vergütet.
Gleichzeitig können die Künstler im Discovery Mode
dafür bezahlen, einen Platz in den Spotify-Playlists zu erhalten – direkt neben der KI-Musik der nicht-existenten Ghost Artists
.
Auch ihr werdet wahrscheinlich zur Kasse gebeten
Was aber mit den Deals mit den Major-Labeln Hand in Hand geht: Die Idee, eines Premium-Abos für besonders engagierte Fans, sogenannte Superfans
.
Wem astronomische Ticketpreise noch nicht reichen, der soll als Superfan laut RollingStone gegen Gebühr etwa früheren Zugang zu Releases erhalten. Oder wie wäre es mit einer Einladung zu virtuellen Listening-Partys
, auf denen ihr "mit" anderen Superfans neue Songs hören könnt?
Ich werde kein Superfan – niemals.
Aber was bleibt uns normalen Premium-Kunden? Hier und dort höre ich schon mal einen Podcast.
Was mir dabei auffällt: Obwohl ich zahlender Premium-Kunde bin, muss ich zumindest vor einigen Podcasts Werbung hören. Ich empfinde das als eine Abwertung meines Premium-Abos – und das gerade in der Sparte, in der Spotify ja so viel investiert hat.
Ich schätze, dass wir auch dieser Werbung irgendwann entgehen können – indem wir mehr zahlen. Denn auch ganz unabhängig von Deals mit Major-Labeln spricht Daniel Ek schon lange von einem weiteren Zusatz-Abo.
Die Zeichen verdichten sich, dass sich die Kosten für dieses Music Pro
-Abo auf gesamt etwa 17 Euro monatlich belaufen werden.
Zu diesem Preis gibt es dann vielleicht auch werbefreie Podcasts – und wahrscheinlich das lang ersehnte Hi-Fi.
Spotify – der Horror aller Musikliebhaber?
Werden wir künftig in einer Zwei-Abo-Gesellschaft leben, in der Premium-Kunden immer frechere Konditionen ertragen müssen? Während die Supremium-Music-Pro-Superfans für virtuelle Events zu KI-generierter Soße in der Abo-Falle hängen – dafür aber in feinster Hi-Fi-Qualität?
Na, vielleicht übertreibe ich ein wenig.
Aber wenn ihr das nächste Mal eine Chillout-Playlist hört, guckt doch vielleicht mal nach, ob die aufstrebende Pianistin Amandine Moulin auch außerhalb von Spotify Beweise für ihre Existenz hinterlässt.
Und stellt euch darauf ein, dass auch mittelgroße Neuerungen wie Hi-Fi mit einem höheren Monatsbeitrag verbunden sein werden. Und das unter Umständen für ein Angebot, das bei Deezer, Tidal und Co. schon längst Standard ist.
Ob ich mich bei der nächsten Preiserhöhung wieder ködern lasse? Bestimmt nicht. Spotify ist nicht nur ein großartiges Produkt, sondern auch ein großartiges Geschäft?
Mal sehen, Herr Ek, mal sehen…



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