Narwals neuer Saugroboter bietet viele Features unter 1.000 Euro – nur bei einer Disziplin hakt es

Der Narwal Freo 20 wischt streifenfrei wie ein Saugroboter-Flaggschiff, kostet aber deutlich weniger. Wo das Modell glänzt und wo ihr Kompormisse in Kauf nehmen müsst, zeigt der Test.

Der Freo 20 von Narwal entpuppt sich im Test als solide Saug- und Wischhilfe mit kleineren Abstrichen. Der Freo 20 von Narwal entpuppt sich im Test als solide Saug- und Wischhilfe mit kleineren Abstrichen.

Ein Saugroboter mit einer selbstreinigenden Wischwalze, die sich während des Wischens mit Frischwasser durchspült, war bislang Narwals Flow-Serie vorbehalten.

Für den Freo 20 bringt der Hersteller genau diese Technik jetzt erstmals in die günstigere Modellreihe – für knapp unter 1.000 Euro UVP, gut 300 Euro weniger als die Einstiegs-UVP des Flow 2.

Drei Wochen lang ist der Freo 20 bei mir gefahren, um zu offenbaren, wo das neue Modell glänzt, und wo ihr Kompromisse eingehen müsst.

Narwal Freo 20
Narwal Freo 20
Der Narwal Freo 20 wischt streifenfrei und zuverlässig wie sonst eher deutlich teurere Flaggschiffe, und das für unter 1.000 Euro. Bei Ecken, Teppichen und der Hinderniserkennung erreicht er aber nicht das Niveau der Premiumklasse. Wer vor allem gute Wischleistung zum fairen Preis will, bekommt hier eine klare Kaufempfehlung. Wer jedoch höchste Navigationspräzision erwartet, sollte genauer hinschauen.
  • Streifenfreie Wischleistung dank Selbstreinigung
  • Keine verhedderten Haare nach Wochen
  • Praktische Baby- und Haustiermodi
  • Selbstreinigende Station & einfache Wartung
  • Nimmt Katzenhaare zuverlässig auf
  • Überwiegend gute Hinderniserkennung
  • Erkennt kleine Hindernisse unzuverlässig
  • Nur mäßige Teppichreinigung
  • Schleudert groben Schmutz umher
  • Keine gezielte Flüssigkeitserkennung
  • Reinigungslösung nur manuell nachfüllbar

Die Station im Detail: Aufbau und Funktionen

Die Station wirkt hochwertig und dezent. Die Front lässt sich nicht mehr abnehmen; der Staubbeutel sitzt unterhalb der Wassertanks. Die Station wirkt hochwertig und dezent. Die Front lässt sich nicht mehr abnehmen; der Staubbeutel sitzt unterhalb der Wassertanks.

Mit gewebter Oberfläche an der Front wirkt die Station des Freo 20 deutlich hochwertiger, als es der Preis vermuten lässt. Mit 431 × 402 × 461 Millimetern (Breite × Tiefe × Höhe) und 9,9 Kilogramm Gewicht ist sie kein Leichtgewicht, fällt aber nicht größer aus als vergleichbare Docks der Konkurrenz.

Funktional bietet die Station einiges, was man in dieser Preisklasse erwartet: Sie wäscht die Wischwalze mit bis zu 100 Grad heißem Wasser, trocknet anschließend mit 60 Grad heißer Luft, entleert den Staubbeutel automatisch für bis zu 120 Tage und füllt den Wassertank selbstständig nach.

Was sie hingegen nicht automatisch macht: Reinigungslösung nachfüllen. Die liegt zwar als separates Fläschchen bei, ihr müsst sie aber bei Bedarf per Hand in den Wassertank träufeln. Andere Saugroboter in dieser Preisregion haben eine Reinigungsmittel-Kartusche fest integriert, die sich selbst dosiert. Hier lässt Narwal Komfortpotenzial liegen.

Praktisch dagegen: Die Taste am Gehäuse lässt sich mit einer beliebigen Reinigungsfunktion belegen. So könnt ihr im Vorbeigehen schnell einen gezielten Raum reinigen lassen, ohne das Handy oder die Spracheingabe bemühen zu müssen.

💡 Wissenswertes zum Test
So habe ich getestet

Ich habe den Freo 20 drei Wochen lang in der unteren Etage meines Einfamilienhauses auf die Probe gestellt, auf 38 der insgesamt 66 Quadratmeter, hauptsächlich Fliesen und PVC sowie niedrigflorige Teppiche.

Besondere Herausforderung: ein 5-jähriges Kind samt Krümeln und Spielzeug sowie eine Katze. Für die Saugleistung habe ich Haferflocken, Katzenstreu und Katzentrockenfutter verteilt, dazu eine Handvoll Katzenhaare auf Fliesen und Teppich drapiert.

Für die Wischleistung kam ein Fleck Milch dazu, den ich in einem zweiten Durchgang eintrocknen ließ. Da meine Wohnung keine echten Türschwellen hat, habe ich Schwellen mit einem höhenverstellbaren Hindernis simuliert.

Technische Daten im Überblick
EigenschaftSpezifikation
Maße Roboter351,2 × 363,5 × 95 mm
Gewicht Roboter4,9 kg
Maße Station431 × 402 × 461 mm
Gewicht Station9,9 kg
Saugkraft31.000 Pa
Staubbeutel Station2,4 l (bis zu 120 Tage)
Wischmopp266 × 55 mm, 12 mm Mopp-Anhebung
Moppwäschebis 100 °C
Akku6.400 mAh, Schnellladen
Navigation2× RGB-Kamera

Der Roboter im Detail: Design und Technik

An der Oberseite gut zu sehen: Der Leuchtring sowie das flache Gehäuse. An der Oberseite gut zu sehen: Der Leuchtring sowie das flache Gehäuse.

Mit 351,2 × 363,5 × 95 Millimetern und 9,5 Zentimetern Bauhöhe ist der Freo 20 angenehm flach und bewegt sich damit im aktuell üblichen Rahmen für diese Geräteklasse. Das Gewicht liegt bei 4,9 Kilogramm.

Zur Navigation setzt Narwal beim Freo 20 komplett auf zwei RGB-Kameras plus lokaler KI (»TwinAI Dodge«), ganz ohne LiDAR wie einige Konkurrenzmodelle. Der Hersteller wirbt mit einer Erkennungsgenauigkeit von 99 Prozent bei über 300 Objekttypen, doch dazu gleich mehr.

Für die Wischleistung sorgt eine schwimmend gelagerte, verhedderungsfreie Walzenbürste, ergänzt um eine 266 × 55 Millimeter breite Wischwalze, der sich für die Kantenreinigung nach rechts ausfahren lässt.

Hinderniserkennung: Sehr gut, aber nicht perfekt

Mittelgroße bis große Hindernisse meistert der Freo 20 zuverlässig. Selbst meine verzweigten Esstischstühle mit ihren vielen Streben haben ihn im gesamten Testzeitraum kein einziges Mal festgefahren. Auch Schuhe, Spielzeug und Stromkabel erkennt er sauber und fährt mit angenehmem Sicherheitsabstand daran vorbei.

Bei kleineren Objekten wird es problematischer: Einen Kugelschreiber hat der Freo 20 ignoriert und ratternd mitgeschleift. Kleinstobjekte wie etwa Klemmbausteine schafft er nicht – was in meinen Tests aber auch keinem anderen Modell gelang, mit Ausnahme des ROMO 2P von DJI. Generell fällt auf, dass er an Hindernissen nicht ganz exakt entlangfährt, sondern etwas mehr Abstand lässt als Modelle mit LiDAR-Kombination.

Das dürfte kein Zufall sein. Denn ohne LiDAR fehlt dem Freo 20 schlicht die millimetergenaue Tiefenmessung, die andere Geräte in dieser Preisklasse mittlerweile mitbringen.

Bemerkbar macht sich das auch bei der Kartierung: Beim ersten Mapping-Lauf erkannte der Roboter zunächst nur einen einzigen Raum, bei einem späteren Durchlauf zeichnete er in der Küche zwei »Betten« ein, die dort schlicht nicht existieren. Kein Beinbruch, so etwas lässt sich in der App manuell korrigieren, sollte aber eigentlich nicht passieren.

Bei der Kartierung erkannte der Freo 20 gleich mehrere Betten in meinem Wohn-Esszimmer. Bei der Kartierung erkannte der Freo 20 gleich mehrere Betten in meinem Wohn-Esszimmer.

Wischleistung: Sehr gut, aber ohne Fleckenerkennung

Genau hier liefert der Freo 20, wofür Narwal ihn bewirbt. Streifen oder Tropfen habe ich in drei Wochen nicht ein einziges Mal gesehen, die selbstreinigende Wischwalze bleibt spürbar sauberer als bei klassischen Wischsystemen. Zudem, und das ist ein nicht zu unterschätzender Punkt, bleibt sie auch nach Wochen sauber, ohne zu müffeln.

Die Wischwalze lässt sich ausfahren. Die Wischwalze lässt sich ausfahren.

Erkennt der Roboter Kanten oder Hindernisse, fährt er die Wischwalze aus. Dadurch macht er auch in Ecken sauber. Komfortabel ist auch der Freo-Modus, in dem die KI entscheidet, wie oft und stark gereinigt werden soll. Mittlerweile lässt auch Narwal hier auch justieren, wie viele Wischvorgänge maximal stattfinden sollen, damit der Wassertank nicht leergesaugt wird, bevor alles sauber ist.

Was dagegen fehlt: eine gezielte Flüssigkeitenerkennung, die Liquide separat ausspart beziehungsweise gesondert nachwischt. Der Freo 20 unterscheidet hier offenbar nicht, sondern fuhr im Test in einem Aufwasch drüber.

Zu Beginn meines Tests wischte er die Milch nur zur Hälfte auf. Im späteren Testverlauf, vermutlich durch ein Firmware-Update, hat sich das Verhalten verbessert. Milch wurde zuverlässig erkannt und sauber aufgewischt, wenn auch etwas langsamer als sonst. Auch Haare nimmt der Wischmopp zuverlässig mit.

Milchflecken erkennt der Freo 20 nicht gezielt, wischt sie aber dennoch mit der neuesten Firmware restlos weg. Milchflecken erkennt der Freo 20 nicht gezielt, wischt sie aber dennoch mit der neuesten Firmware restlos weg.

Saugleistung, Ecken und Teppiche

Der Freo 20 besitzt nur eine Seitenbürste, die sich ausklappen, aber nicht ausfahren lässt. Dadurch kommt der Roboter nicht an jede Stelle heran. Die Kantenreinigung ist zwar sehr gut, doch in Ecken bleibt er merklich schwächer, obschon er kurz verharrt und ordentlich wedelt.

In Ecken bleibt der Freo 20 kurz stehen, um alles aufzunehmen – das klappt jedoch bei grobem Schmutz nur selten. In Ecken bleibt der Freo 20 kurz stehen, um alles aufzunehmen – das klappt jedoch bei grobem Schmutz nur selten.

Dabei übertreibt er es aber leider auch – er neigt zum Schleudern. Bei grobem Schmutz wie Katzenstreu oder Haferflocken wird das zum echten Problem, denn statt ihn aufzunehmen, verteilt die Seitenbürste ihn teilweise im Raum, wodurch bereits saubere Stellen wieder dreckig werden. Bei normalem Staub fällt das jedoch weniger ins Gewicht.

Katzenhaare nimmt der Freo 20 dagegen zuverlässig und restlos auf, sowohl auf Fliesen als auch auf Teppich. Bei Teppichen insgesamt bleibt die Saugleistung aber nicht ganz auf Topniveau – gröbere Rückstände wie Haferflocken oder Katzenstreu blieben selbst auf niedrigen Vorlegern liegen.

Vorher Nachher Vorher Nachher

Haare und Schmutz nimmt der Freo 20 gut auf, doch Haferflocken und Katzenstreu wurden nicht restlos aufgesaugt.

Bei hochflorigen Teppichen sieht es ähnlich aus. Haare nimmt der Freo 20 gut auf, doch trotz 31.000 Pa Saugkraft schafft es der Roboter nicht, jeglichen Schmutz aus den Fasern zu ziehen – was bei dieser Preisklasse aber auch erwartbar war und selbst für die besten Saugroboter eine Herausforderung darstellt.

App, Zusatzfunktionen und Akku

Bei den Einstellungsmöglichkeiten in der App ist der Freo 20 im Vergleich zu Premiummodellen etwas schlanker aufgestellt, doch ihr findet alles, was ihr für den Alltag braucht, darunter Zeitpläne, Einstellungen für Station und Reinigungsmodi sowie auch einen Baby- und Haustiermodus.

Letzterer sorgt unter anderem für eine niedrigere Lautstärke und einen größeren Abstand, sobald ein Haustier erkannt wird.

Die Akkukaufzeit scheint mir ebenfalls ausreichend. Nach 35 Minuten kombiniertem Saugen und Wischen zeigte der Akku noch 83 Prozent Restladung an, was auf eine ordentliche Gesamtlaufzeit hindeutet.

Wie schlägt sich der Freo 20 gegen die Konkurrenz?

Mit 31.000 Pa Saugkraft liegt der Freo 20 unter dem Dreame X60 Pro Ultra (42.000 Pa) und dem Roborock Saros 20 (36.000 Pa), und im Gegensatz zu beiden sowie zum aktuellen Testsieger Ecovacs X12 OmniCyclone verzichtet er komplett auf LiDAR.

Preislich sieht die Sache anders aus: Der Roborock Saros 20 hat eine UVP von 1.489 Euro, der Ecovacs X12 OmniCyclone kostet offiziell 1.399 Euro. Beide liegen damit 40 bis 50 Prozent über dem Freo-20-Neupreis von 999 Euro.

Dazu sei jedoch gesagt, dass der Preisverfall in diesem Markt brutal ist. Die Preise der jeweiligen Vorjahres-Flaggschiffe fallen oft rasant, sodass sie schnell in der Preisregion der aktuellen Mittelklasse landen. Der Ecovacs X12 mit UVP 1.399 Euro ist im Handel aktuell schon für rund 900 bis 935 Euro zu finden, praktisch auf Augenhöhe mit dem Freo-20-Neupreis. Wer also nicht sofort zuschlägt, sondern den Markt beobachtet, bekommt für ähnliches Geld möglicherweise ein Gerät mit LiDAR und stärkerer Saugkraft.

Eine naheliegende Alternative bleibt auch innerhalb der eigenen Modellfamilie: Den Narwal Flow 2 habe ich ausführlich getestet. Für rund 300 Euro mehr bekommt ihr dort echte LiDAR-Navigation, eine tatsächlich ausklappbare Seitenbürste und automatisch dosierte Reinigungslösung, kurz: die Dinge, die dem Freo 20 fehlen.

Was dem Freo 20 pbrigens auch fehlt, ist ein Greifarm, wie ihn dieses spezielle Modell im Video bietet:

Video starten 21:39 Roborock Saros Z70: Das kann der Hightech-Saugroboter

Mein Fazit

Der Freo 20 zeigt, dass sich Narwals aufwendige Wischtechnik aus der teureren Flow-Reihe auch deutlich günstiger umsetzen lässt, und liefert dabei genau das ab, was er verspricht: streifenfreies, zuverlässiges Wischen, auch wenn er auf eine gezielte Flüssigkeitenerkennung verzichtet.

Bei Navigation, Teppichen und Ecken merkt man dagegen, wo Narwal den Rotstift angesetzt hat, auch wenn ihr davon im Alltag nicht immer etwas merken werdet.

Für wen lohnt sich der Narwal Freo 20?

Für alle, die vor allem Wert auf gute Wischleistung legen und mit einer soliden, aber nicht spitzenmäßigen Hinderniserkennung leben können. Auch wer Baby- oder Haustiermodus zu schätzen weiß, bekommt hier tolle Extras.

Lest unbedingt: Die besten Saugroboter 2026

Für wen nicht?

Wer viele hochflorige Teppiche hat oder öfter groben Schmutz wie Katzenstreu aufsaugen muss, sollte genauer hinschauen. Und wer auf eine ausfahrbare Seitenbürste für die letzte Ecke hofft, wird enttäuscht.

Der Freo 20 bringt Flaggschiff-Technik zum Mittelklasse-Preis, das stimmt beim Wischen tatsächlich. Bei der Eckenreinigung zeigt die feste Seitenbürste aber ihre Grenzen, und das trübt ein ansonsten überzeugendes Gesamtbild.


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