Warum Ihr euer Handy (wirklich) oft aus- und wieder einschalten solltet

Die NSA empfehlt, euer Handy einmal in der Woche neu zu starten – diesen und weitere Tipps findet ihr in einem Infoblatt des US-Geheimdienstes.

Sowohl die NSA als auch die französische Cybersicherheitsbehörde sind sich einig: Ihr solltet euer Handy regelmäßig komplett herunterfahren und neu starten. (Bild: Ton Photographer4289 - stock.adobe.com) Sowohl die NSA als auch die französische Cybersicherheitsbehörde sind sich einig: Ihr solltet euer Handy regelmäßig komplett herunterfahren und neu starten. (Bild: Ton Photographer4289 - stock.adobe.com)

In der heutigen Zeit ist das eigentlich kaum noch notwendig, das Handy komplett abzuschalten. Immerhin verbrauchen die Standby-Modi nur sehr wenig Energie und man erspart sich den potenziell langen Startvorgang. 

Wir haben in der GameStar-Redaktion herumgefragt und stellen fest: auch bei uns schalten nur wenige das Handy regelmäßig aus – einige sogar nie. Meistens kommt es nur nach einem Update zum Neustart oder wenn das Handy Probleme macht, wie zum Beispiel, wenn es sich aufhängt.

Ein Grund, der laut NSA und einer französischen Behörde für einen regelmäßigen Neustart spricht, haben viele von uns gar nicht auf dem Schirm: Cybersicherheit.

Frankreich empfehlt: regelmäßig neu starten – aber manuell!

Die französische nationale Agentur für Cybersicherheit (ANSSI) hat am 26. November 2025 ein Dokument veröffentlicht, in dem zahlreiche Schwachpunkte von aktuellen Smartphones aufgelistet werden und nennt mögliche Lösungen.

ANSSI betont, dass in den letzten drei Jahren deutlich mehr gegen Personen vorgegangen werden musste, deren Handys wegen Spionagezwecken kompromittiert waren.

Um nicht selbst zum Opfer zu werden, wird empfohlen, das Handy regelmäßig komplett herunterzufahren und neu zu starten.

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Durch einen sauberen Neustart werden alle unsichtbaren Hintergrundprozesse geschlossen und der Arbeitsspeicher geleert. Dadurch wird auch laufende Spyware beendet. Laut ANSSI werden solche Programme beim Start außerdem nicht automatisch ausgeführt.

Nicht die Neustart-Funktion nutzen: Die französische Behörde rät zudem dazu, das Handy manuell herunterzufahren und nicht die Neustart-Funktion zu nutzen, da es Schadsoftware gibt, die einen Neustart vortäuschen können.

Tipps der NSA für mehr Sicherheit auf dem Handy

Der amerikanische Geheimdienst hat 2020 ein Infoblatt veröffentlicht, das aufzeigt, was die empfohlene Vorgehensweise für mehr Cybersicherheit auf eurem Handy ist. 

Einer der aufgelisteten Maßnahmen ist ebenfalls: Schaltet euer Handy einmal in der Woche aus. 

Laut Neal Ziring, der Technical Director des Capabilities Directorate der NSA, kann das Ein- und Ausschalten des Handys viele moderne Cyberangriffe stoppen, weil diese oft eine Kette an Sicherheitslücken ausnutzen. 

  • Durch das Herunterfahren vom Handy kann diese Kette zurückgesetzt werden, was potenzielle Angreifer dazu zwingt, von vorne anzufangen. 
  • Laut Ziring gibt es allerdings auch besonders ausgeklügelte Angriffsmethoden, die damit nicht unterbunden werden können. 
  • Darüber hinaus kann ein wöchentlicher Neustart helfen, wenn euer Handy sich progressiv langsamer anfühlt oder ab und zu aufhängt. 

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Weitere Tipps der NSA
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  • Bluetooth: Schaltet es aus, wenn ihr es nicht verwendet. Achtet darauf, dass der Flugmodus Bluetooth nicht immer deaktiviert. 
  • Wi-Fi: Vermeidet öffentliche Wi-Fi-Netzwerke, schaltet euer Handy-WLAN aus, wenn ihr es nicht verwendet und löscht ungenutzte Wifi-Netzwerke. 
  • Kontrolle: Achtet darauf, dass ihr stets physische Kontrolle über euer Gerät habt. Vermeidet es, unbekannte Geräte an euer Handy zu verbinden. 
  • Hülle: Verwendet eine Hülle, die das Mikrofon blockiert und bedeckt die Kamera, wenn ihr sie nicht verwendet. 
  • Konversationen: Vermeidet es in der Nähe von Handys über vertrauliche Informationen zu sprechen. 
  • Passwörter und Pins: Verwendet einen starkes Passwort für euer Handy. Ein sechsstelliger PIN ist ebenfalls sicher, wenn das Gerät nach 10 erfolgreichen Versuchen gespeicherte Daten löscht. Euer Handy sollte sich nach maximal fünf Minuten Inaktivität sperren. 
  • Apps: Installiert nur die nötigsten Apps und nur von offiziellen Quellen. Achtet darauf, welche persönlichen Informationen ihr mit den Apps teilt und schließt sie, sobald ihr sie nicht mehr verwendet. 
  • Software-Updates: Haltet euer Gerät und eure Apps stets auf dem neuesten Stand. 
  • Biometrik: Daten, die zwar auch geschützt werden sollen, aber weniger sensibel sind, könnt ihr auch mit Fingerabdrucksensoren oder Face ID schützen. 
  • Textnachrichten: Redet nicht über sensible Themen in Textnachrichtenform. 
  • Anhänge und Links: Öffnet nicht die Anhänge oder Links von unbekannten Absendern. 
  • Vertrauenswürdiges Zubehör: Verwendet nur originales Zubehör wie Ladegeräte und Kabel vom Hersteller. Vermeidet öffentliche USB-Aufladestationen. Verbindet euer Gerät niemals mit einem Computer der Regierung. 
  • Ortungsdienste: Deaktiviert sie, wenn ihr sie nicht verwendet. Bringt euer Gerät nicht mit zu Orten mit sensiblem Standort.
  • Modifikation: Führt mit eurem Handy keinen Jailbreak oder Root-Vorgang durch. 
  • Pop-Ups: Wenn unerwartete Pop-Up-Meldungen auf eurem Handy auftauchen, solltet ihr sie nicht antippen und am besten alle Applikationen schließen. 

Das Infoblatt der NSA. (Quelle: NSA) Das Infoblatt der NSA. (Quelle: NSA)

Die NSA teilt hiermit einige nützliche Tipps, wie zum Beispiel das Deaktivieren von Funktionen, wenn man sie gerade nicht verwendet. Es gibt allerdings auch einige, die doch recht realitätsfern sind. 

Zum Beispiel ist es sehr schwierig, Gespräche in der Nähe von Handys zu vermeiden. Auch ein Handy so zu konfigurieren, dass es nach 10 falschen PIN-Eingaben gelöscht wird, könnte dazu führen, dass ihr wichtige Daten verliert, wenn zum Beispiel ein Kind mit eurem gesperrten Handy spielt. 

Letztendlich müsst ihr für euch selbst einschätzen, wie wichtig die Sicherheit auf eurem Handy ist und welche Sicherheitsmaßnahmen dafür für euch infrage kommen. Jemand, der das Rezept von Coca-Cola auf dem Handy hat, wird wohl andere Maßnahmen ergreifen, als jemand, der »nur« ein peinliches Foto von der 8. Klasse schützen will. 

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