Ja, ich nutze die sozialen Medien – aber zähneknirschend. Für meine Arbeit als Journalist sind sie aus Recherchezwecken unabdingbar. Privat bin ich als Autor unterwegs, um Leserinnen- und Leserfragen zu beantworten und meine Bücher bewerben.
Mein Feed – sowohl auf Instagram als auch Threads – ist normalerweise geschmückt mit:
- Themen aus der Autorinnen-, Autoren- und Buchbubble
- Nationale und internationale Politik
- Ein klein wenig Gaming-, Manga- und Anime-Content
Stundenlanges Doomscrolling habe ich mir inzwischen zwar glücklicherweise abgewöhnt, aber auch mir passiert es immer wieder, dass ich weiter scrolle als ich möchte. Da merke ich schnell wieder, wie das negative Dauerfeuer mir aktiv schadet.
Doch der negative Beschuss hat seit Dienstag, 10. März, ein Ende. Da erschien die zweite Staffel der One Piece-Realserie auf Netflix und hat mich und meinen Feed in eine völlig neue Richtung geweht.
Ein Feed voller positiver Vibes
Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt – und das ist kein Geheimwissen: In den sozialen Medien zu schimpfen generiert mehr Reichweite, als sich über etwas zu freuen – und das schadet unserer mentalen Gesundheit, so die American Psychological Assosiation.
Mit dem Release der One Piece-Serie wurde dieses Verständnis für mich aber vollkommen auf den Kopf gestellt – und ich liebe es! Die Serie öffnet mir die Augen dafür, wie herrlich utopisch das Internet sein kann.
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One Piece: Im finalen Trailer zu Staffel 2 reiten Ruffy und Co. dank Tony Chopper wie der Weihnachtsmann durch die Nacht
In meiner Timeline feiern seit Dienstag sämtliche Leute die Serie – und das obwohl ich vorher nicht einmal explizit mit One Piece-Posts interagiert habe, von dem einen oder anderen Like abgesehen.
- Auf Threads wird der Auftritt von Brook gefeiert, wie er dem Wal Laboon ein Ständchen gibt (und ich hab jedes Mal wieder feuchte Augen).
- In einem anderen Thread erfreuen sich Leute am knuffigen Aussehen von Rentier Chopper (die Episode mit seiner Rückblende ist bestbewertetste Folge der gesamte Serie mit absurden 9,6 von 10 auf IDMB).
- Und an ganz anderer Stelle sehe ich den oberkörperfreien Mackenyu als Zoro. Das muss der
Plot
sein, weswegen die Leute One Piece schauen. - Ach ja, da drüben, da begeistern sich einige über einen Statisten mit einem Kleiderbügel aus Haaren. Ja, richtig gelesen, den hab ich auf X/Twitter gesehen.
Jeder findet etwas, worüber er oder sie sich freut. Das ist schön zu sehen, dafür bin ich gerne in den sozialen Medien unterwegs!
Zu verdanken habe ich die Partymeile und wohligen Gefühle vorrangig zwei Dingen.
1. Der Algorithmus macht seinen Job
Die meisten von uns wissen, dass Algorithmen auf sozialen Plattformen bestimmen, was wir sehen. Das hat Vor- und Nachteile, aber der größte Effekt, der sich dabei beobachten lässt, sind die so genannten Echokammern.
Echokammern in sozialen Medien sind Blasen, in denen Menschen überwiegend Inhalte sehen, die ihre bereits bestehenden Meinungen bestätigen (via National Library of Medicine). Was vorher Buch- oder Politik-Content war, sind jetzt eben fiktionale Piraten.
Je mehr Leute One Piece feiern, desto mehr Leuten, die One Piece feiern, werden diese Posts ausgespielt. Es potenziert sich – wie das Echo in einer Kammer. Für mich ist das diesmal etwas Gutes. Ich sehe mehr One Piece und Leute, die es auch lieben. Das macht mich glücklich.
2. Marketing, das wirkt
Die Marketingabteilung von Netflix ist schlau. Sie weiß genau, was wir Fans sehen wollen und hat verstanden, dass wir keine Adaption suchen, die in einem Silo stattfindet, sondern dass alle zu der großen Party dazugehören – die Fans und die Menschen, die daran beteiligt sind.
Deshalb sieht man immer wieder Videos wie dieses Reel auf Instagram, bei dem Netflix die Schauspielerinnen und Schauspieler mit den japanischen Originalstimmen der Strohhüte zusammengebracht haben. Wenn die Menschen hinter der Kunst feiern, was sie machen, geht mir das Herz auf und das überträgt sich wiederum auf alle anderen.
Was die sozialen Medien bewirken können
Ich weiß aber auch, dass Menschen gemeinsam viel mächtiger sind, als jeder Einzelne glaubt. Ja, Probleme verschwinden nicht, wenn man einfach wegschaut. Sie verschwinden aber auch nicht, indem man immer wieder Videos, Bilder und Posts darüber konsumiert. Damit macht man sich am Ende nur selbst kaputt.
Was gerade bei One Piece passiert, zeigt mir: Wir können Social Media auch als Refugium vom Alltag nutzen, als einen Platz, an dem wir als Gemeinschaft zusammenkommen, um zu feiern, was uns Spaß macht. Uns eint viel mehr, als uns trennt.
Zu sehen, wie viele Menschen gemeinsam Spaß an One Piece haben, ist Balsam für meine Seele. Damit schafft die Geschichte rund um den sagenumwobenen Schatz nämlich einmal mehr den Schritt in unsere Realität. Die Message der Geschichte ist nämlich, frei zu sein. Frei zu sein, dass jeder mit jedem gemeinsam feiern kann.
Das One Piece ist echt. Das ist der Beweis.







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