Pinguine produzieren mehr als 2.300 Tonnen Kot pro Jahr und der hilft gegen den Klimawandel – Wirklich!

Eine Studie hat herausgefunden, dass die Hinterlassenschaften einer Pinguinkolonie die Antarktis abkühlen – und das funktioniert ganz anders, als ihr vermutlich denkt.

Diese drolligen Adeliepinguine sind echte Klimaretter, das zeigt eine neue Studie. (Bildquelle: Shaun, Adobe Stock) Diese drolligen Adeliepinguine sind echte Klimaretter, das zeigt eine neue Studie. (Bildquelle: Shaun, Adobe Stock)

Während Kühe durch ihre Ausscheidungen gemeinhin als Klimakiller zählen, gilt für Pinguine das genaue Gegenteil.

Nun zeigt eine Studie, wie Pinguinkot maßgeblich zur Kühlung der Antarktis und damit auch der Bekämpfung des menschengemachten Klimawandels dient.

Pinguin-Kot hilft, die Antarktis zu kühlen

Die Communications Earth & Environment hat eine Studie zum Einfluss von Pinguinkot (auch Guano) auf die Chemie der Atmosphäre und die Bildung von Aerosolpartikeln und Wolken in der Küstenantarktis beschäftigt.

Die Forscher um Matthew Boyer haben auf der Antarktischen Halbinsel in der Nähe einer großen Adeliepinguin-Kolonie (ca. 60.000 Tiere) eine Messstation aufgebaut. Eine ältere Studie zu mikrobakteriellen Zusammensetzung von Guano solcher Pinguine schätzt, dass eine Population der Größe etwa 6,4 Tonnen Trockenguano produziert.

In der Nähe der Pinguin-Kolonie führten die Forscher dann über etwa 70 Tage detaillierte atmosphärische Messungen durch:

  • Sie analysierten die Konzentration verschiedener Spurengase in der Luft, besonders von Ammoniak (NH₃) und Dimethylamin (DMA), da die aus Pinguinkot stammen. Ebenso Gase wie Schwefeldioxid (SO₂) gemessen, das aus dem Ozean kommt.
  • Sie verfolgten die Bildung neuer Aerosolpartikel in der Luft. Das sind winzige feste oder flüssige Partikel, die in der Luft schweben.
  • Dabei berücksichtigen sie besonders die Windrichtung. Sie verglichen die Situation, wenn die Luft aus Richtung der Pinguin-Kolonie zur Messstation strömte, mit Situationen, wenn der Wind aus einer anderen Richtung kam.
  • Sie beobachteten die Emissionen des gedüngten Bodens auch noch Wochen, nachdem die Pinguine abgewandert waren.

In der Nähe der Marambio-Basis auf der Seymour-Insel untersuchten die Forscher in Luft nahe der Pinguine. (Bildquelle: Google Maps) In der Nähe der Marambio-Basis auf der Seymour-Insel untersuchten die Forscher in Luft nahe der Pinguine. (Bildquelle: Google Maps)

Das fanden die Forscher heraus:

  • Die Gase aus dem Pinguinkot fördern massiv die Wolkenbildun. Sie sind eine Art Booster für die Bildung von Aerosolpartikeln in der Luft und beschleunigen den Prozess um das 10.000-fache. Das führt zu mehr Wolken und Nebel, die einen kühlenden Effekt haben.
  • Der so gedüngte (ornithogene) Boden emittiert noch wochenlang die klimarelevanten Gase. Die Emission von Ammoniak und Dimethylamin durch die Pinguine ist lokal bedeutend größer als durch das umliegende Meer.

Die Forscher haben also einen direkten, Kausalzusammenhang zwischen dem Pinguinkot und einem kühlenden Effekt auf das antarktische Klima nachgewiesen.

Allerdings sind viele Pinguinarten bedroht, Forscher Matthew Boyer sagt dazu

Es ist bereits bekannt, dass der weit verbreitete Verlust der Meereisausdehnung den Lebensraum, die Nahrungsquellen und das Brutverhalten der meisten Pinguinarten, die die Antarktis bewohnen, bedroht. Infolgedessen gehen einige antarktische Pinguinpopulationen bereits zurück, und einige Arten könnten bis zum Ende des 21. Jahrhunderts fast ausgestorben sein.

Eine sinkende Pinguinpopulation könnte also Rückkopplungseffekte haben, im Sinne von: je weniger Pinguine durch den Verlust des Eises, desto weniger Wolken, desto höher wiederum die Eisschmelze.

Lebewesen sind manchmal die beste Technik

Es gibt einige Geo-Engineering-Ansätze, die die folgen des menschengemachten Klimawandels. Dazu gehört laut BR-Alpha auch das Solar Radiation Management (SRM). Hierbei werden Schwefelpartikel in die Stratosphäre gesprüht, um ähnlich wie mit den Pinguingasen einen kühlenden Effekt zu erzielen.

Doch um den zu erzielen, müssten solche Partikel regelmäßig mit Flugzeugen dorthin gebracht werden – ein großer organisatorischer und energieintensiver Aufwand.

Das erinnert ein wenig an die RoboBee, die an der Harvard-Universität entwickelt wird. Die Roboter-Biene kann mittlerweile bruchsicher landen – eine Errungenschaft, die eine echte Honigbiene von Haus aus mitbringt.

Die Natur beherrscht eben manchmal die höchste Ingenieurskunst, was sie noch schützenswerter macht. Und ein Ergebnis davon sind auch die Pinguine – und ihre Hinterlassenschaften.

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