Erinnert ihr euch noch an das KI-Video von Will Smith, der Spaghetti isst? Das ist bereits zwei Jahre her und wurde damals als gruselig von der Community aufgenommen, weil Nudeln und Besteck mit dem Gesicht des Schauspielers verschmolzen sind.
Vergangenes Wochenende ging ein neues KI-Video viral. Darin zu sehen sind Tom Cruise und Brad Pitt, die sich gegenseitig ordentlich auf die Nase geben – allerdings im Stil eines Hollywoodfilms.
Link zum Twitter-Inhalt
Der Urheber des Videos gibt an, es mit der Software Seedance 2.0 erstellt haben zu lassen. Darüber hinaus hat er laut eigener Aussage nur einen Prompt von gerade einmal zwei Sätzen Länge verwendet.
Reaktionen sind zweigeteilt
Je nachdem, wo man schaut, fallen die Meinungen zum oben gezeigten Video ganz unterschiedlich aus. Unter dem X-Post mit dem Video kommentiert ein Benutzer: »Also, wenn du dir keine Mühe mit dem Prompt gegeben hast, bedeutet das, dass du ersetzbar bist«, was der Urheber des Videos bestätigte.
Im Subreddit AITrailblazers etwa freut man sich, dass GenKI mittlerweile soweit gediehen ist. Dort schreibt der Kommentator thelonghauls:
Abgesehen davon gibt mir das Hoffnung für Menschen, die fantastische Geschichten geschrieben haben oder gerade schreiben oder vielleicht ein gutes Drehbuch, während das Studiosystem uns immer wieder mit denselben Formeln und Gesichtern konfrontiert, und es kann uns etwas Sehenswertes bieten, für dessen Realisierung keine 100 Millionen Dollar nötig waren. Die Technologie ist noch nicht perfekt, aber in ein oder zwei Jahren?
Andere zählen Hollywood an. Ein Kommentator schreibt »In 5 Jahren ist Hollywood erledigt«.
1:53:19
Der KI-Hype frisst sich selbst – Tech-Jahresrückblick 2025
Wo die einen staunen und die Möglichkeit sehen, ihre Träume zu verwirklichen, geben andere Gegenwind. »Slop« (also »Grütze«) liest man unter dem Originalpost immer wieder. Genau so äußern sich Menschen kritisch zum Urheberrecht auf und stellen die Frage in den Raum, ob Menschen dafür überhaupt ein Kinoticket lösen würden.
Im Reddit-Thread Futurology ist die Stimmung ebenfalls gedämpft. Der Top-Kommentar stammt wohl von einem VFX-Artist, also einem Künstler für visuelle Effekte. Er schreibt:
Ich glaube nicht, dass vollständig KI-generierte Filme in naher Zukunft die Oberhand gewinnen werden, aber als VFX-Künstler mit rund dreißig Jahren Erfahrung bin ich einfach nur froh, dass ich mich dem Ruhestand nähere. Wenn ich gerade erst anfangen würde, wäre ich ziemlich deprimiert.
Vielen Kommentatoren ist die menschliche Komponente wichtig. So schreibt pnwbraids:
Als Filmfan habe ich einfach kein Interesse daran, einen generierten Film anzuschauen. Es ist mir egal, wie gut er eine Vorgabe in Bilder und Dialoge umsetzen kann. Kunst hat einen Wert, weil Menschen sie geschaffen haben. Diese Besessenheit, jegliche Kreativität abzuwerten, nur weil es einfacher und billiger ist, sie mit einem Computer zu erschaffen, ist zutiefst menschenverachtend, und ich weigere mich, mich daran zu beteiligen.
Update: ByteDance reagiert auf die Vorwürfe des virtuellen Raubzugs
Nachdem das Video am Wochenende viral gegangen war, sah sich der TikTok-Mutterkonzern ByteDance nun gezwungen, offiziell Stellung zu beziehen. In einem Statement erklärte ein Sprecher des Unternehmens gegenüber der BBC, dass ByteDance die geistigen Eigentumsrechte respektiere und die Bedenken bezüglich Seedance 2.0 gehört
habe.
Wir unternehmen Schritte, um die aktuellen Schutzvorkehrungen zu verstärken, während wir daran arbeiten, die unbefugte Nutzung von geistigem Eigentum und dem Ebenbild [von Personen] durch Nutzer zu verhindern.
Auslöser für das schnelle Einlenken war laut JoBlo eine regelrechte Lawine an Unterlassungserklärungen aus Hollywood – Disney warf ByteDance etwa einen virtuellen Raubzug (im Original: smash-and-grab
) auf ihre urheberrechtlich geschützten Marken vor.
ByteDance hat bereits erste technische Grenzen gezogen: Der Upload von Bildern realer Personen wurde in der Software vorerst gestoppt, um Fake-Videos wie den Cruise-Pitt-Kampf zu erschweren.
Branchenexperten spekulieren indes, ob ByteDance den Weg von OpenAI einschlagen wird: Erst im Dezember 2025 hatte Disney nach anfänglichen Streitigkeiten einen 1-Milliarde-Dollar-Deal mit den ChatGPT-Machern geschlossen. Seither können Nutzer des Konkurrenz-Tools Sora 2 legal mit lizenzierten Charakteren aus dem Star-Wars- oder Marvel-Universum experimentieren.
Ob jedoch ByteDance zu ähnlichen Zugeständnissen bereit ist, bleibt abzuwarten.
Was haltet ihr von dem Video? Seid ihr der Meinung, Kunst braucht eine menschliche Komponente? Oder seht ihr den Vorteil darin, dass potenziell jeder alles kreieren kann?
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.