Bis ins Jahr 2006 gab es offiziell neun Planeten in unserem Sonnensystem. Als neunter und äußerster Planet galt bis dahin Pluto.
Doch am 24. August 2006 wurde Pluto, der nach dem römischen Gott der Unterwelt benannt ist, dieser Status von der Internationalen Astronomischen Union aberkannt. Er zählt seither nur noch zu den Zwergplaneten.
Seit einiger Zeit vermuten Forscher jedoch, dass es dennoch einen neunten, echten Planeten im Sonnensystem geben könnte. Denn einige sogenannte transneptunische Objekte (Objekte jenseits der Umlaufbahn des Neptun) weisen seltsame Umlaufbahnen auf, die mit der Anwesenheit der Masse eines Planeten erklärt werden könnten.
Bislang fehlen für diese Theorie allerdings Beweise in Form von Fotos des zusätzlichen Planeten.
Warum die so schwer zu knipsen sind? Weil es im äußeren Sonnensystem stockdunkel ist. Aber womöglich auch deshalb, weil es diesen mysteriösen Felsbrocken mit der potentiell vielfachen Masse der Erde schlicht gar nicht gibt.
An dieser Stelle kommen Daten aus tausenden neuen Simulationen ins Spiel. Die zwei Studien (veröffentlicht in Nature Astronomy und The Astrophysical Journal Letters) stammen aus Deutschland und legen nahe, dass Planet 9
etwas ganz anderes sein könnte als ein Planet.
Ist Planet 9 ein Stern?
Konkret hat ein Forschungsteam aus Jülich ein Szenario entwickelt, bei dem ein wandernder Stern vor Milliarden von Jahren an unserem Heimatsystem vorbeigezogen sein könnte. In dessen Folge seien tausende kleinerer Himmelskörper auf stark geneigte Bahnen geraten.
Über 3.000 Simulationen hat das dreiköpfige Team um Susanne Pfalzner durchgeführt (via Forschungszentrum Jülich).
Die beste Übereinstimmung für das heutige äußere Sonnensystem, die wir mit unseren Simulationen gefunden haben, ist ein Stern, der etwas leichter als unsere Sonne war – etwa 0,8 Sonnenmassen.
Dieser Stern ist in einer Entfernung von etwa 16,5 Milliarden Kilometern an unserer Sonne vorbeigeflogen. Das ist etwa 110-mal der Abstand zwischen Erde und Sonne, etwas weniger als das Vierfache der Entfernung des äußersten Planeten Neptun.
Amith Govind von der Universität LeidenEin wandernder Stern könnte noch mehr erklären
Die Theorie eines wandernden Sterns erklärt aber auch noch ein weiteres Phänomen. Denn bei den Simulationen wurde ein Teil der transneptunischen Objekte ins Sonnensystem hineingeschleudert.
Einige dieser Objekte könnten von den Riesenplaneten als Monde eingefangen worden sein. Das würde erklären, warum die äußeren Planeten unseres Sonnensystems zwei verschiedene Arten von Monden haben.
Simon Portegies Zwart von der Universität LeidenSoll heißen: Reguläre Monde umrunden ihren Planeten relativ nahe und kreisförmig, während irreguläre Monde in größeren Abständen auf geneigten, länglichen Bahnen ihrer Wege ziehen. Für dieses Phänomen gab es bislang keine Erklärung.
Ein Stern, der relativ nahe an einem anderen vorbeizieht, ist dabei im Übrigen keine Seltenheit. Laut den Forschern haben in der Milchstraße bereits 140 Millionen Sonnensysteme respektive ihre Sterne eine ähnliche Erfahrung gemacht.

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