Wenn Sony keine Disks mehr herstellt, werden Spiele dann günstiger? Ich glaub' nicht dran

Der PlayStation Store als Konkurrenz zu Steam? Klingt absurd – und das ist es meiner Meinung nach auch.

Wenn Spiele nicht mehr auf Disk gepresst werden, fallen Kosten weg. Doch zahlt sich das für uns Spielerinnen und Spieler auch aus? (Bildquellen: Joeri - adobe.stock.com, Maxe S., GameStar) Wenn Spiele nicht mehr auf Disk gepresst werden, fallen Kosten weg. Doch zahlt sich das für uns Spielerinnen und Spieler auch aus? (Bildquellen: Joeri - adobe.stock.com, Maxe S., GameStar)

Anfang Juli gab es einen Paukenschlag: Sony schickt physische Disks 2028 in den Ruhestand; PlayStation-Spiele gibt es dann nur noch digital.

Das hat für einen Aufschrei gesorgt. Eine Petition wurde gestartet, generell rührt dieser Umstand die Videospiel-Community auf – auch mich.

Durch Digitaltrends wurde ich auf einen Post von Jacob Navok, ehemaliger Leiter der Geschäftsentwicklung bei Square Enix, aufmerksam. Darin argumentiert der Branchenkenner, dass durch das Ausbleiben der Herstellungs- und Distributionskosten digitale Spiele günstiger werden könnten. 

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Mehr noch: Das würde angeblich für mehr Konkurrenz unter Publishern sorgen, was wiederum Spielepreise drücken könnte. Er spricht von einer »Steam-ähnlichen« Situation, die uns ins Haus stehen würde.

Klingt toll, nicht wahr? Der PlayStation Store wird im Grunde zu Steam und wir alle bekommen günstigere Spiele.

Ich glaube nicht daran und erläutere euch, wieso.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Konsolen und Handhelds sind Maxes Leidenschaft, seit er seinen ersten Game Boy in Händen hielt. Große Titel kauft er immer noch als Disk, entweder, um sie zu besitzen, oder sie gebraucht weiterverkaufen zu können. Vom Einstellen der physischen Disk hält er nichts.

Publisher Ersparnisse sind nicht unsere Ersparnisse

Mein erster Gedanke war sicherlich auch eurer: Wenn wir eines von Unternehmen gelernt haben, dann, dass sie Ersparnisse in den seltensten Fällen weitergeben. Mir sind direkt der Tankrabatt (via Tagesschau) und die geringere Mehrwertsteuer für Restaurants (auch via Tagesschau) in den Kopf geschossen, beides wurde nur zum Teil an Konsumenten weitergegeben.

Freilich, Benzin und Essen sind ja nun keine Spiele – und da sieht die Sachlage noch prekärer aus.

Navok hat schon recht, wenn er sagt, dass eine Disk nicht hergestellt, verpackt, verschifft und ins Händlerregal gestellt werden muss. All das sorgt für zusätzliche Kosten – und trotzdem kosten digitale Versionen neuer Titel nicht weniger als physische. Nehmen wir als Beispiel Marvel’s Wolverine, das am 15. September 2026 erscheinen wird.

Wenn viele Top-Titel in beiden Versionen denselben Preis aufrufen, wieso sollte sich das 2028 mit Einstellen der Disk ändern?

Video starten 1:50 Marvel's Wolverine zeigt im neuen Story-Trailer, dass bei Insomniac ein paar ziemlich krasse Nerds arbeiten

Natürlich könnten Publisher die Ersparnis weitergeben – oder stattdessen ihre Marge vergrößern. Sie sind verpflichtet, Gewinn zu erwirtschaften. Aus reiner Herzensgüte gibt’s keine Preissenkung, schon gar nicht zum Release eines heiß erwarteten Spiels.

PlayStation ist nicht Steam

So attraktiv die Aussage von Novak auch erscheint, sie hinkt leider.

Steam existiert nicht in einem Vakuum, im Gegensatz zum PlayStation Store. Wenn ich ein digitales Spiel für den PC kaufen möchte, kann ich das auch über den Epic Games Store machen. Oder GOG. Oder den Microsoft Store. Oder irgendeinen anderen legalen Shop.

Kurz und gut: Erscheint mir ein Titel auf einer Plattform zu teuer, kann ich mich bei anderen umschauen, ob ich ihn da günstiger bekomme.

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Auf meiner PlayStation habe ich diese Freiheit nicht; dort gibt es keinen Drittanbieter digitaler Spiele. Wenn ich Marvel’s Wolverine nicht-physisch kaufen möchte, geht das nur über Sonys eigenen Shop. Ja, der Wettbewerb zwischen Publishern kann den Preis aus unserer Sicht positiv beeinflussen. Einen Wettbewerb unter Online-Shops gibt es auf der PlayStation jedoch nicht.

Physische Spiele können etwas, das mit digitalen nicht geht

Bleiben wir doch noch kurz bei den Händlern. Angenommen, Marvel’s Wolverine bleibt wie Blei im Regal eines Händlers sitzen, dann würde den besagten Händler bares Geld kosten. Physischer Platz ist teuer und wenn sich ein Titel nicht verkauft, verursacht er Kosten.

In so einem Fall könnte ein Händler das Spiel rabattieren und günstiger anbieten. Im Sony Store passiert das nicht, weil digitale Titel keinen Platz wegnehmen. Sie bleiben im Schaufenster stehen, ob sie sich nun wie geschnitten Brot verkaufen oder nicht, der Preis ist unabhängig davon.

Und dann sind da natürlich die Vorteile der Disk, die ihr alle kennt:

  • Ich kann sie wieder verkaufen.
  • Ich kann sie gebraucht kaufen.
  • Ich kann sie Freunden ausleihen.
  • Ich kann sie eintauschen.
  • Ich kann im Elektronikfachhandel ein Schnäppchen machen.

Video starten 1:05:36 Das Ende der Konsolen? | mit Rick von Space Frogs

Werden Spiele günstiger – oder sogar teurer?

Ich habe euch jetzt drei Argumente geliefert, wieso ich nicht glaube, dass Spiele 2028 günstiger werden könnten. Am Ende hängt das von Sony ab – und da habe ich leider schlechte Neuigkeiten.

Die niederländische Verbraucherschutzorganisation Stichting Massaschade & Consument ist der Meinung, dass die alleinige Kontrolle von Sony über seinen PlayStation Store dazu geführt hat, dass Verbraucherinnen und Verbraucher bis zu 47 Prozent mehr für digitale Spiele und DLCs gezahlt haben als bei ihren physischen Pendants.

Ähnliche Vorwürfe muss sich Sony unter anderem in Großbritannien (via Competition Appeal Tribunal), Portugal (via Competition Policy International) und den USA (via PSN Digital Games Settlement) gefallen lassen.

Ein wichtiger Hinweis: Derzeit stehen Urteile hinsichtlich oben genannter Verfahren noch aus; das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen.

Es kommt noch hinzu, dass Sony laut Digitaltrends wohl dynamische Preise in seinem PlayStation Store testet. Das bedeutet, dass zwei unterschiedliche Spielerinnen oder Spieler für denselben Titel unterschiedliche Preise angeboten bekommen könnten – einer zahlt mehr als der andere.

All diese Beispiele bedeuten vor allem eins: Wenn Sony Spiele nur noch über seinen Shop anbietet, besitzen sie deutlich mehr Kontrolle über den Preis. Die Disk in Rente zu schicken bedeutet also nicht nur, dass günstigere Spiele möglich wären, sondern dass Preisgestaltung erheblich undurchsichtiger werden könnte.

Fazit

Maxe Schwind
@milian_ventus_autor

Ich könnte das Fass hier noch viel weiter aufmachen, bleibe aber vorerst bei meinen genannten Argumenten, um den Fokus zu behalten. Ich glaube, auf physische Spiele zu verzichten, wird sie nicht automatisch günstiger machen.

  • Einenteils fallen zwar Kosten wie Herstellung, Logistik und Lagerung weg.
  • Andernteils wird Sony deswegen seine Spiele nicht wie ein barmherziger Samariter unter den Leuten verteilen.

Ich bin der Meinung, dass digital-only das Preisgeschehen für uns Konsumentinnen und Konsumenten undurchsichtiger machen wird, als es ohnehin schon ist. Ich vermute, dass Sony – falls überhaupt – seine Marge auf digitale Spiele erhöhen wird, anstatt uns einen Preisnachlass zu gewähren. Das passiert ja jetzt schon nicht mit digitalen Spielen.

Eine echte Konkurrenz gibt es für den PSN gibt es auf PlayStation-Konsolen nicht, weswegen ich nicht glaube, dass wir auf der vermeintlichen PlayStation 6 über grüne Wiesen hüpfen und an Blumen schnuppern werden (um uns dann das Preiswerteste auszusuchen).

Obwohl, einen Konkurrent hat Sony dann doch: Microsoft. Die kehren physischen Disks wohl auch den Rücken, haben aber Project Helix in der Pipeline. Damit sollen sich kompatible Scheiben in digitale Nutzungsrechte umwandeln lassen. »Verkauft oder verleiht man die physische Disk an jemanden, wandert dieses digitale Recht automatisch mit«, schrieben wir in obigem Artikel.

Das wird den rollenden Stein nicht zum Anhalten bringen, aber zumindest hat Microsoft im Vergleich zu Sony ein Zuckerbrot im Gepäck. Wie der Spielemarkt 2030 aussieht, kann ich natürlich nicht orakeln, aber bei einem bin ich mir relativ sicher: günstiger wird unser Hobby nicht werden.

Wie seht ihr das Thema? Glaubt ihr, Spiele nur noch digital anzubieten ist der richtige Weg? Oder wollt ihr lieber bei physischen Kopien bleiben? Schreibt es gerne in die Kommentare.


Kommentare(2)
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