Er spannte über 70 Handys an sein Fahrrad – die Geschichte vom Pokémon-Opa

Dieser Herr hat das Motto von Pokémon »Gotta catch ‘em all« besonders ernst genommen. Wir blicken zurück auf den Mann, der einst über 70 Handys auf sein Fahrrad gespannt hat.

Der Fahrradlenker von Chen San-yuan ähnelte dem aufgestellten Gefieder eines Pfaus – aber mit Smartphones. (Bildquelle: South Morning China PostYouTube) Der Fahrradlenker von Chen San-yuan ähnelte dem aufgestellten Gefieder eines Pfaus – aber mit Smartphones. (Bildquelle: South Morning China Post/YouTube)

Im Jahr 2018 erlangte ein älterer Herr aus Taiwan weltweite Berühmtheit in sozialen Medien und internationalen Nachrichtendiensten. Die Netzgemeinde verlieh Chen San-yuan liebevoll den Namen »Pokémon-Go-Opa«. 

Er erhielt diesen Namen jedoch nicht nur, weil er das Handyspiel so gern spielte, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie er es spielte – mit über 70 Handys an seinem Fahrrad.

Der Anfang: Ein Spaziergang mit dem Enkel

Chen San-yuan wurde im Jahr 1949 geboren und lebt im Bezirk Tucheng der Stadt Neu-Taipeh in Taiwan. Beruflich ist er keineswegs im Technologiesektor beheimatet, sondern praktiziert seit Jahrzehnten als Meister des Taoismus, Wahrsager und Experte für Feng-Shui. 

Seine Transformation zu einem der wohl bekanntesten Pokémon-Trainer der Welt begann im Jahr 2018. Davor wusste er noch nicht einmal, wie man ein Smartphone bedient. 

Eines Tages besuchte ihn sein Enkel, um ihn mit zu einem Spaziergang im Park zu nehmen; er suchte nach einem »PokéStop«. Dabei handelt es sich um Orte im Spiel, bei denen man unter anderem kostenlose Items, wie Pokébälle und Tränke erhalten kann.

Es war dieser Spaziergang, der die Neugier von Chen San-yuan in dem Handyspiel entfachte. Bei seinem Enkel sah er, wie unkompliziert das Fangen von Pokémon ist, so wollte er es selbst ausprobieren.

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Zu seinem Geburtstag erhielt er von ihm schließlich sein erstes Smartphone. Damals hat der junge Enkel sicher nicht vermutet, was für eine Kettenreaktion damit ausgelöst wird.

Im Laufe der Zeit kaufte sich Chen-San-yuan immer mehr Handys, um auf ihnen gleichzeitig Pokémon Go zu spielen. Später wurde er sogar von Asus gesponsert; der Hardware-Riese stellte ihm noch mehr Handys zur Verfügung. So entstanden nach und nach die heute bekannten viralen Fotos aus den sozialen Medien. 

Sein erstes Fahrradgespann bot Platz für sechs Smartphones. Später ähnelte sein Fahrradlenker dem aufgestellten Gefieder eines männlichen Pfaus – mit über 70 Smartphones.

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Gefahr im Straßenverkehr

Mit Dutzenden Smartphones war Chens Fahrrad im Straßenverkehr kaum zu übersehen – warf jedoch deutliche Sicherheitsfragen auf. Das imposante Gestell wog samt mehrerer riesiger Powerbanks über 20 Kilogramm und verdeckte die freie Sicht nach vorn erheblich. 

Chen selbst sah darin auf ruhigen Nebenstraßen kein Problem. Wenn er allerdings auf dicht befahrenen Hauptstraßen unterwegs war, nahm er eigenhändig einige Mobiltelefone ab, um die Fahrbahn und den Verkehr besser im Blick zu behalten.

Es kam zum Glück nie zu einem Unfall, jedoch war seine Methode Pokémon zu fangen unbestreitbar gefährlich für ihn und andere Teilnehmer des Straßenverkehrs.

Auf diesem Bild seht ihr, dass er zwei Handys entfernt hat, um die Straße besser zu sehen. (Bildquelle: South China Morning PostYouTube) Auf diesem Bild seht ihr, dass er zwei Handys entfernt hat, um die Straße besser zu sehen. (Bildquelle: South China Morning Post/YouTube)

Geistige Fitness, Gemeinschaft und soziales Fairplay

Für Chen war das exzessive Jagen keineswegs reine Zeitverschwendung. Er sah in Pokémon GO ein wirksames Mittel, um körperlich und geistig aktiv zu bleiben, Kontakte zu knüpfen und der Alzheimer-Krankheit vorzubeugen. Dass er mit so vielen Accounts gleichzeitig spielte, diente vor allem dem Zweck, seltene Pokémon effizienter zu fangen, schneller im Level aufzusteigen und Raid-Kämpfe eigenständig zu bestreiten.

Das Spielen und Fahrradfahren half ihm sich geistig und körperlich fit zu halten. (Bildquelle: South Morning China PostYouTube) Das Spielen und Fahrradfahren half ihm sich geistig und körperlich fit zu halten. (Bildquelle: South Morning China Post/YouTube)

Auf Arena-Kämpfe gegen andere Spieler verzichtete er hingegen bewusst. Er wollte niemanden verärgern oder die Spielfreude nehmen. Stattdessen kaufte er lieber Lockmodule für PokéStops, von denen auch alle anderen Trainer im Park profitierten.


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Was macht der Pokémon-Go-Opa heute?

Anfang 2022 erlitt Chen San-yuan im Alter von 73 Jahren einen Schlaganfall, der dazu führte, dass er zeitweise nicht mehr sprechen und gehen konnte. Nach monatelanger Rehabilitation und Physiotherapie kämpfte er sich jedoch erfolgreich zurück.

Aus Rücksicht auf seine Gesundheit und auf Wunsch seiner Familie musste er sein gigantisches Setup drastisch verkleinern. Statt der ursprünglichen 72 Geräte ist er nach seiner Genesung mit deutlich reduzierten 15 bis 25 Smartphones unterwegs. 

Auch wenn der beeindruckende Handyturm schrumpfen musste, bleibt Chen San-yuan eine lebende Legende der weltweiten Pokémon-Community.


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