Prüderie oder Jugendschutz? Die Webseite Pornhub ist in Frankreich nicht mehr abrufbar.
Wie der Rückzug vonstatten ging und was das für uns bedeuten könnte, erfahrt ihr hier.
Pornhub zieht Konsequenzen aus französischem Gesetz
Aylo, das Unternehmen, dem Porno-Websites wie Pornhub, YouPorn und RedTube gehören, hat seinen Dienst gestern, am 4. Juni 2025, in Frankreich aus Protest gegen ein Dekret eingestellt.
Das Dekret vom Mai 2024 fordert Anbieter pornografischer Inhalte dazu auf, für ihre Nutzer eine Altersverifikation mittels Kreditkarte oder amtlichem Lichtbildausweis sicherzustellen. Die Frist hierfür läuft eigentlich erst am 7. Juni aus, Aylo sperrt französischen Nutzern aber bereits seit gestern den Zugang.
Franzosen, die eine der Seiten nun aufrufen, sehen statt der Inhalte nun folgendes Banner:
Link zum Reddit-Inhalt
Darauf zu sehen ist eine Abwandlung des berühmten Bildes Die Freiheit führt das Volk
von Delacroix, mit dem Titel: Die Freiheit hat keinen Ausschalt-Knopf.
Darunter wenden sich die Betreiber der Seite an ihre erwachsenen französischen Nutzer
.
Datenschutz gegen Jugendschutz
Aylo argumentiert, dass eine Altersverifikation über Drittanbieter ein potenzielles Risiko für Leaks und Hackerangriffe biete. Solomon Friedman, ein Sprecher der Private-Equity-Firma Ethical Capital Partners
, zu denen Aylo gehört, nannte das Gesetz laut Politico gefährlich
, möglicherweise datenschutzgefährdend
und inneffektiv
.
Laut Gizmondo zieht Aylo eine Altersverifikation auf Geräteebene etwa durch Google und Microsoft vor.
Clara Chappaz, Staatssekretärin für Digitales in Frankreich, bezweifelt auf X eine Gefährdung der Privatsphäre durch eine Altersverifikation durch Drittanbieter und schreibt weiter:
Erwachsene dürfen Pornos konsumieren, aber nicht auf Kosten des Schutzes unserer Kinder.
Pornografische Websites aufzufordern, das Alter ihrer Nutzer zu überprüfen, ist keine Stigmatisierung von Erwachsenen, sondern dient vielmehr dem Schutz unserer Kinder.
Andere haben das bereits getan. Wenn Aylo es vorzieht, Frankreich zu verlassen, anstatt unser Gesetz anzuwenden, dann ist das ihre Entscheidung.
Was das für uns bedeuten könnte
Der zumindest vorläufige Rückzug aus Frankreich betrifft ein nationales Dekret, das mit uns in der DACH-Region zuerst einmal nichts zu tun hat.
Allerdings leitete die EU-Kommission am 27. Mai 2025 laut einer offiziellen Pressemitteilung eine formelle Untersuchung gegen Pornhub und andere Webseiten unter dem Digital Service Act (DSA) ein.
Der Fokus ist hier ebenfalls auf den Risiken für Minderjährige. Konkret stellt die Kommission vorläufig fest, dass folgende Maßnahmen nicht umgesetzt werden:
- Angemessene Schutzmaßnahmen für Minderjährige: Dazu gehören Altersverifizierungstools, um Minderjährige vor Inhalten für Erwachsene zu schützen.
- Risikobewertung und Minderungsmaßnahmen: Fehlende Bewertung negativer Auswirkungen auf die Rechte von Kindern und deren Wohlbefinden sowie das Verhindern des Zugangs von Minderjährigen zu Erwachseneninhalten.
Die EU-Kommission führt hierzu eingehende Untersuchungen durch und sammelt weitere Beweise. Weiterhin kündigt sie unter anderem folgende Schritte an:
- Es kann zu weiteren Durchsetzungsmaßnahmen kommen.
- Die EU-Länder koordinieren weitere Maßnahmen gegen kleinere Porno-Plattformen.
- Die Kommission entwickelt außerdem eine White-Label-Altersverifizierungs-App, die bis Sommer 2025 verfügbar sein soll, um Altersüberprüfungen datenschutzfreundlich zu ermöglichen.
Obwohl sich der direkte Rückzug Pornhubs aus Frankreich zunächst nur auf französische Nutzer auswirkt, sollten Nutzer aus anderen EU-Ländern die Entwicklung im Auge behalten. Denn die französischen Jugendschutzmaßnahmen sind Teil eines breiteren europäischen Anliegens, und Pornhub steht auch auf EU-Ebene unter Beobachtung im Rahmen des DSA.
Das könnte zukünftig Auswirkungen auf den Zugang oder die Nutzung in anderen EU-Staaten haben.
Allerdings ist es auch fraglich, wie lange Pornhub seinen Protest durchhält. Franzosen gehörten laut einer Statistik der Pornoseite von 2024 nach US-Amerikanern zu den zweitmeisten Nutzern der Plattform. Mit Deutschland und Italien listet die Seite zwei weitere EU-Staaten in seiner Top-Ten.
Was meint ihr dazu? Ist das Dekret in Frankreich übertrieben? Oder sollte so etwas auch bei uns gelten? Was wiegt im Konflikt eurer Meinung nach schwerer: Die Jugendschutz- oder Datenschutzbedenken? Schreibt eure Meinung in die Kommentare!







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