Nachdem ein Programmierer gleich 12 betrügerische USB-Sticks über Amazon gekauft hat, entwickelte er ein Gratis-Tool gegen den Scam

Es ist ein altbekanntes Problem: Speichermedien, die viel weniger Platz bieten, als sie euch vorgaukeln. Ein kleines Tool hilft dabei, den Betrug zu entdecken.

Ist ein USB-Stick ungewöhnlich günstig, handelt es sich vermutlich um Betrug. (Bild: Steve Gibson, grc.com) Ist ein USB-Stick ungewöhnlich günstig, handelt es sich vermutlich um Betrug. (Bild: Steve Gibson, grc.com)

Der beste Weg, sich vor Betrug zu schützen, ist bedachtes Vorgehen. So verlockend ein besonders günstiger und großer USB-Stick bei Amazon also auch sein mag, so empfehlenswert ist es, vor dem Kauf zu überprüfen, ob der Preis mit rechten Dingen zugehen kann.

Generell gilt: Liegt ein Angebot weiter unter den üblichen Preisen von bekannten Herstellern und Shops, ist Vorsicht geboten. Außerdem sind im Falle von Amazon Produkte, die von Amazon selbst verkauft und versendet werden eher eine sichere Bank als Käufe über den Amazon Marketplace.

Wer aber nach einem Kauf unabhängig von der Plattform ganz sichergehen will, auch den gewünschten Speicherplatz bekommen zu haben, der kann das kleine und kostenlose Tool ValiDrive nutzen.


Mit Sicherheit kein Betrug beim Speicherplatz: Die magnetische SSD von MSI

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Die Geschichte hinter dem Tool

Das Programm hat nichts mit unserem Autor Valentin Vali Aschenbrenner zu tun. Es stammt stattdessen von den Programmierern der kostenpflichtigen Software SpinRite.

  • Die große Schwester von ValiDrive dient unter anderem dazu, Festplatten und SSDs intensiv auf ihre tadellose Funktionsfähigkeit zu überprüfen und Daten wiederherzustellen.
  • Bei Vorabtests mit einer neuen SpinRite-Version hat einer der Tester einen USB-Stick benutzt, den das Programm als unbrauchbar kennzeichnete. Der Grund: Der größte Teil seines Speicherplatzes wurde dem Betriebssystem nur vorgegaukelt und war nicht wirklich vorhanden.
  • Das Problem dabei: Man erkennt zunächst nicht, dass viel weniger Speicherplatz da ist, als von Windows angegeben, weil der Datenträger sich dem Betriebssystem gegenüber so verhält, als sei die gewünschte Menge da und alles damit in Ordnung.
  • Daraufhin haben die Macher von SpinRite zwölf No-Name-Speichermedien von Amazon gekauft, um zu überprüfen, wie weit verbreitet das Problem ist. Alle zwölf Stück haben auf die gleiche, gerade beschriebene Betrugsmasche gesetzt.

Der Kauf erfolgte im September 2023. Die gute Nachricht lautet, dass mittlerweile keines der Produkte mehr bei Amazon zu kaufen ist. Auf so einen Betrug kann man aber dennoch weiterhin stoßen, wo das besagte Tool ValiDrive ins Spiel kommt.


Auch interessant: Worauf ihr beim Kauf eines neuen USB-Sticks meiner Empfehlung nach achten solltet


Wie ValiDrive funktioniert

  • Das Programm führt eine Daten-schonende Stichprobe in 576 verschiedenen Bereichen verteilt über den angegebenen Speicherplatz von USB-Datenträgern durch. Interne Speichermedien mit einer anderen Verbindung zum PC wie SATA oder PCI Express können nicht getestet werden.
  • Bei dem Testvorgang wird überprüft, ob Daten erfolgreich gelesen und geschrieben werden können, um sicherzustellen, dass der angegebene Speicherplatz auch wirklich vorhanden ist.
  • Wenn ihr ein Speichermedium damit testen wollt, müsst ihr nach dem Start des Tools nur auf Check USB Drive klicken, das gewünschte Medium per USB mit dem Rechner verbinden und nach Erkennung des Geräts Validate THIS Drive auswählen. Das folgende Video zeigt den Vorgang kurz:

Video starten 0:29 Betrug bei USB-Sticks und -Festplatten aufdecken: So leicht gelingt es mit ValiDrive

Seht ihr nach der Analyse viele rote Punkte statt lauter grüner, dann stimmt etwas nicht.

Ein anderes bekanntes Tool mit einem ähnlichen Zweck, das es schon länger gibt, ist übrigens H2testw von Heise.

Der beste Weg, um einen Fehlkauf zu verhindern

Ich empfehle euch, vor dem Kauf von auffällig günstigen Produkten eher unbekannter Hersteller einen Preisvergleich durchzuführen.

Geht es beispielsweise um USB-Sticks mit einer Kapazität von 1,0 Terabyte, ruft ihr die entsprechende Seite in einem Portal wie Geizhals.de auf, wo es meis passende Filter gibt.

Hier sieht man etwa, dass so ein USB-Stick aktuell ab ungefähr 60 Euro zu haben ist. Kostet ein Modell mit dieser Größe stattdessen nur die Hälfte oder gar weniger, ohne ein gekennzeichnetes Sonderangebot zu sein, spricht viel dafür, dass es sich um Betrug handelt.

Verdächtige Listungen in dieser Art findet ihr weiterhin bei Amazon, wenn auch meinem Eindruck nach eher selten. Ich bestelle mir mal das ein oder andere Modell und überprüfe es mit ValiDrive. Sobald das passiert ist, erfahrt ihr auf GameStar.de von meinen Testergebnissen.

Lasst mich gerne in den Kommentaren wissen, ob ihr jemanden kennt, der mal von so einem Betrug erwischt wurde und welche Tools zum Überprüfen von Datenträgern ihr empfehlen könnt!

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