Beim Thema Jugendschutz ist in den vergangenen Jahren in vielen Ländern die Idee eines Social-Media-Verbots für Kinder diskutiert worden. In Großbritannien sollen soziale Medien zukünftig etwa erst ab 16 Jahren zugänglich sein.
Australien ist schon einen Schritt weiter und hat ein solches Mindestalter bereits eingeführt. Ein US-amerikanischer Psychologe, der schon lange zur Entwicklung von Kindern forscht, äußert daran nun harsche Kritik.
Social-Media-Verbot der falsche Weg?
Das Narrativ rund um solche Verbote folgt oft einer ähnlichen Argumentation: Kinder verbringen zu viel Zeit online, was sich negativ auf ihre physische und psychische Gesundheit auswirken kann. Außerdem können Kinder online Gefahren durch Missbrauch ausgesetzt sein.
Ein Verbot soll Kindern wieder eine »einfachere« Kindheit ermöglichen. Sie sollen mehr Zeit draußen verbringen und weniger Zeit damit, TikTok & Co. zu konsumieren. So in etwa wird es auch im Bestseller »Generation Angst« von Jonathan Haidt beschrieben.
Haidt ist Psychologe und hat lange Zeit mit Peter Gray, einem weiteren Psychologen, zusammengearbeitet. Gray gilt als Experte auf dem Gebiet der Entwicklungspsychologie. Er vertritt dabei die Meinung, dass freies, unbeaufsichtigtes Spielen mit am wichtigsten für Kinder ist.
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Lange waren sich Haidt und Gray in vielen Punkten einig, ihr Blick auf Social Media und mögliche Verbote unterscheidet sich aber stark. In einem langen Kommentar kritisierte er »Generation Angst« deutlich. Keine der dort gezogenen Schlüsse sei wissenschaftlich belegbar.
Im Gespräch mit The Atlantic geht Gray sogar noch weiter und bezeichnet Social-Media-Verbote als »Verletzung der Menschenrechte«. Private Online-Kommunikation sei für viele Kinder heute eine der letzten verbliebenen Freiheiten.
Zudem würden solche Verbote Kinder von einem wichtigen Teil der Welt ausschließen und sie auch nicht ausreichend darauf vorbereiten. Ein besserer Ansatz sei, Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Medien und technischen Geräten beizubringen und vor allem vorzuleben.
Der Psychologe vertritt generell die Meinung, dass Kinder deutlich weniger »wie rohe Eier« behandelt werden sollten. Einen von früh bis spät durchgetakteten Tagesplan und Leistungsdruck von klein auf sieht er sehr kritisch.
Kinder sollten seiner Meinung nach so oft wie möglich die Gelegenheit bekommen, ihre Umwelt spielerisch zu erkunden und zu erfahren. Und das gilt laut Gray eben auch für soziale Medien.
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