Ein Schreibtisch ohne Docking-Station ist für mich mittlerweile undenkbar. Im Idealfall kann der mobile Rechner mit nur einem einzigen Kabel mit allen Peripheriegeräten, Displays und dem Soundsystem verbunden werden, das schafft Ordnung und ist praktisch, wenn das Notebook mal schnell mitnehmen möchte.
Ein gutes Dock kann über das gleiche Kabel das Notebook auch gleich noch mit Strom versorgen. So lässt sich euer Rechner schnell vom stationären Setup trennen und mit auf Reisen nehmen. Ein praktischer zusätzlicher Effekt ist ein aufgeräumter Schreibtisch ohne Kabelsalat.
Wenn ihr euch umschaut, werdet ihr feststellen, dass solche Docks bereits ab rund 20 Euro erhältlich sind. Tja, und dann gibt es da noch das Thunderbolt 5 Dock von Razer, für das der Hersteller aktuell rund 450 Euro haben möchte. In diversen Preisvergleichen findet ihr das gute Stück ab 385 Euro.
Warum ist das Teil so verdammt teuer?
Die Antwort auf diese Frage trägt das Razer Dock bereits im Namen: Thunderbolt 5. Alles, was eine Thunderbolt-Schnittstelle hat, ist teuer. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um eine externe SSD oder eben um eine Dockingstation handelt.
Aber was bekommt ihr denn nun für diesen fürstlichen Preis? In der Schachtel steckt neben dem Dock selbst noch ein Thunderbolt 5 Kabel und ein riesiges 250-Watt-Netzteil, das fast so groß wie die Dockingstation selbst ist. Im Jahr 2026 hätte es gerade auch in Anbetracht des hohen Preises ein kompakteres Netzteil sein dürfen.
Die Verarbeitung ist herausragend
Das Dock selbst besteht aus Alu und passt optisch perfekt zu Razers Blade Gaming-Laptops. Es ist massiv wie ein Ziegelstein, irgendwelche Spalte kann man nur an der Unterseite erkennen. Die Verarbeitung ist schlicht perfekt.
An Front und Oberseite gibt es außer viel Metall nichts zu sehen. An beiden Seiten könnt ihr ein kleines Lüftungsgitter erkennen. Beim Einschalten macht auch ein eingebauter Lüfter kurz auf sich aufmerksam. An der von vorn gesehen rechten Seite befindet sich zudem noch ein Kartenleser.
Eine Besonderheit findet sich dagegen am Boden. Hier gibt es eine kleine Klappe, unter der ihr eine M.2-SSD installieren könnt. So wird die Dockingstation gleichzeitig auch zu einer externen Festplatte. Sehr schön ist dabei, dass die SSD Kontakt zum Alu-Gehäuse hat, ein Wärmeleitpad ist bereits aufgebracht. So kann die massive Hülle aus Aluminium gleichzeitig auch als Kühlkörper fungieren.
Thunderbolt 5 im Vergleich mit anderen Schnittstellen
| Thunderbolt 3 | Thunderbolt 4 | USB4 | Thunderbolt 5 | |
|---|---|---|---|---|
| Max. Bandbreite | 40 Gbit/s | 40 Gbit/s | 40 Gbit/s / 80 Gbit/s | 80 Gbit/s |
| Min. Bandbreite | 40 Gbit/s | 40 Gbit/s | 20 Gbit/s | 80 Gbit/s |
| PCIe-Durchsatz | 16 Gbit/s | 32 Gbit/s | Optional | 64 Gbit/s |
| Monitore | 1x 4K | 2x 4K / 1x 8K | Min. 1x 4K | 3x 4K / 2x 8K |
| Strom (Laden) | Bis 100W | 100W (Pflicht) | Bis 240W (7,5W Pflicht) | Bis 240W |
| Daisy-Chaining | Ja | Ja | Optional | Ja |
Vorteile von Thunderbolt 5
Thunderbolt 5 bietet mit bis zu 120 Gbit/s (via Bandwidth Boost) eine massive Leistungssteigerung, die eine flüssige Darstellung auf bis zu zwei 8K-Displays oder Gaming-Monitoren mit bis zu 540 Hz ermöglicht. Wie ihr den Specs des Razer Docks entnehmen könnt, wird offiziell allerdings nur ein 8K-Display unterstützt.
Dank der Verdoppelung des PCIe-Durchsatzes auf 64 Gbit/s (PCIe Gen 4) werden externe Grafikkarten und SSDs durch Thunderbolt 5 drastisch beschleunigt, sodass sie nun fast die Performance interner Komponenten erreichen.
Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die Integration von bis zu 240 Watt Power Delivery, wodurch selbst leistungsstarke Workstations und Gaming-Laptops über ein einziges Kabel geladen werden können.
Im Gegensatz zum flexiblen USB4-Standard garantiert die strenge Thunderbolt-Zertifizierung dabei stets die volle Funktionsvielfalt, was maximale Zuverlässigkeit und Kompatibilität für professionelle Setups sicherstellt.
Das Wichtigste sind die Anschlüsse
Sämtliche Anschlüsse packt Razer auf die Rückseite. Vorhanden sind:
- 1x Thunderbolt 5 Upstream
- 3x Thunderbolt 5 Downstream
- 1x USB-C 3.2
- 2x USB-A 3.2
- 1x 3,5-mm-Audio
- 1x RJ45-Gigabit-Ethernet
Dass sich die Anschlüsse alle an der Rückseite befinden, sorgt natürlich für ein sehr aufgeräumtes Bild auf dem Schreibtisch. Um schnell mal einen USB-Stick anschließen zu können, wäre allerdings zumindest ein an der Front angebrachter USB-Port praktisch gewesen.
Dank der drei Thunderbolt 5 Downstream-Ports könnt ihr ohne Probleme auch mehrere hochauflösende Displays an das Dock anschließen. Razer nennt als Maximum drei 4K-Monitore mit einer maximalen Bildwiederholfrequenz von jeweils 144 Hertz oder ein 8K-Display mit 60 Hertz.
Eine HDMI- oder DisplayPort-Schnittstelle findet man leider nicht vor. Ihr benötigt also einen Adapter auf USB-C, wenn ihr einen entsprechenden Anschluss verwendet. Die Stromversorgung erfolgt über einen fetten runden Hohlstecker.
Das Razer Dock ist gleichzeitig auch ein SSD-Gehäuse
An der Unterseite des Dock befindet sich eine Klappe, die ihr ohne Werkzeug öffnen könnt, darunter ist Platz für eine M.2-SSD. Ein passendes Laufwerk steckt ihr einfach in den Slot und dreht mit dem Fingernagel eine kleine Plastiknase, welche die SSD fixiert.
Die SSD kann ohne Werkzeug eingebaut werden.
Ich habe es mir nicht nehmen lassen, auch einmal die Übertragungsgeschwindigkeit zu testen. Verwendet habe ich dafür eine Seagate FireCuda 530R mit einer Kapazität von 1 TB. Diese schafft laut Hersteller im sequenziellen Lesen eine Geschwindigkeit von 7.400 MB/s und im sequenziellen Lesen 6.800 MB/s.
Für den Test habe ich ein Asus ROG Strix G18 und das im Lieferumfang des Razer Docks befindliche Thunderbolt 5 Kabel verwendet. Während der Tests war kein anderes Gerät am Dock angesteckt.
Im CrystalDiskMark konnte ich im sequenziellen Lesen 5.809 MB/s ermitteln. Das ist ok, wenn auch nicht überragend, es gibt Thunderbolt 5 SSDs, die deutlich über 6.000 MB/s erreichen.
Negativ überrascht war ich dann von der sequenziellen Geschwindigkeit beim Schreiben. Hier spuckt mir der CrystalDiskMark lediglich 1.932 MB/s aus, ich hätte hier erheblich mehr erwartet. Ich habe den Test mehrfach wiederholt und auch mit einer anderen SSD getestet.
Im AS SSD Benchmark zeigt sich ein ganz ähnliches Bild, beim Lesen werden 5.010 MB/s erzielt, während es beim Schreiben nur 1.716 MB/s sind. Zum Vergleich, mit der gleichen SSD erreiche ich über das deutlich langsamere USB4 bereits 1.884 MB/s.
Diese praktischen Erfahrungen habe ich während des Tests gemacht
Ich hatte das Razer Thunderbolt 5 Dock jetzt knapp vier Wochen im Test. Während dieses Zeitraums funktionierte das Gerät zuverlässig. Ich konnte problemlos zwei Displays anschließen. Genervt hat mich dabei, dass es weder einen HDMI- noch einen DisplayPort-Anschluss gibt, ich musste auf entsprechende Adapter zurückgreifen.
Das Razer Dock beherrscht Thunderbolt Share, auch diese Funktion verrichtete im Test zuverlässig ihren Dienst. Was mir nicht gefallen hat, war der eingebaute Lüfter, den man sehr deutlich hört. Für eine ruhige Arbeitsumgebung disqualifiziert sich das Dock damit.
Mögliche Alternativen
Anker Prime TB: Das Dock von Anker bietet ebenfalls ein Gehäuse aus Aluminium. Es gibt zwar nur zwei Thunderbolt 5 Anschlüsse (Downstream), dafür aber jeweils eine HDMI- und Display-Schnittstelle. Praktisch ist, dass Anker auch drei USB-Ports und eine 3,5-mm-Audio-Buchse an der Vorderseite platziert. Der Preis ist mit 380 Euro allerdings auch nicht viel niedriger als beim Modell von Razer.
Ugreen Revodok Max: Auch dieses Dock ist mit einem Preis von 300 Euro nicht wirklich billig. Dem hohen Preis angemessen ist das gut verarbeitete Gehäuse aus Aluminium. Insgesamt bekommt ihr wie beim Razer Dock drei Thunderbolt 5 Downstream-Ports. HDMI und/oder DisplayPort gibt es allerdings auch beim Revodok Max nicht.
Anker Prime Dockingstation: Bei diesem Modell gibt es nur USB 3.0, dafür allerdings auch eine Vielzahl praktischer Anschlüsse. Wenn ihr nicht explizit die hohe Geschwindigkeit von Thunderbolt 5 benötigt, könnt ihr hier viel Geld sparen. Das formschöne Gerät bekommt ihr bereits ab rund 160 Euro.
Baseus Nomos Air 12: Dieses kleine Dock wird ebenfalls über USB 3.0 mit eurem Rechner verbunden und kostet bei Amazon gerade nur 68 Euro. Auch dieses Gerät bietet alle nötigen Anschlüsse, um den Kabelsalat auf eurem Schreibtisch zu bändigen. Sogar zwei HDMI-Ports sind mit dabei. Mehr Dock als das Nomos Air 12 werden die meisten vermutlich niemals brauchen und ich schließe mich da selbst nicht aus.
Fazit
Ehrlich gesagt bin ich von Razers Thunderbolt 5 enttäuscht. Auf der einen Seite steht die absolut makellose Verarbeitung, das Teil sieht absolut hochwertig aus und fühlt sich auch so an.
Der eingebaute SSD-Steckplatz ist ein nettes Gimmick, die Transferraten haben mich aber zumindest beim Schreiben nicht wirklich überzeugen können. Da hätte ich bei einem Preis von über 400 Euro schon mehr erwartet. Dazu kommt der nervige Lüfter, der nicht nur für empfindliche Ohren deutlich zu laut ist.
Dann wären wir auch schon beim größten Kritikpunkt: dem Preis. Eigentlich lohnt sich dieses Dock nur dann, wenn ihr wirklich drei 4K-Monitore daran anschließt oder zwingend die hohe Geschwindigkeit von Thunderbolt 5 benötigt. Für alles andere tut es eigentlich auch ein gutes USB-3.0-Dock für unter 50 Euro.






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