Heute blicken wir auf eine schöne Geschichte der Tech-Welt zurück, in der ein Lehrer echte Hingabe und Kreativität für seine Berufung unter Beweis stellte.
Richard Appiah-Akotos Schüler und Schülerinnen mussten für eine wichtige Prüfung Computerkenntnisse beweisen, jedoch gab es da ein großes Problem: Seine Schule hatte keine Computer.
Aufgeben stand nicht auf dem Lehrplan, weshalb er auf eine kreative Lösung kam: Er zeichnete die gesamte Benutzeroberfläche von Microsoft Word auf seine Tafel.
Die Geschichte hinter dem viralen Foto – ein Screenshot aus Kreide
Richard Appiah-Akoto ist ein Lehrer an der Betanese M/A Junior High School in Ghana. 2018 stand er vor einem Dilemma: Wie bereite ich meine Schüler auf die IT-Fragen der nationalen Prüfung vor, ohne Zugriff auf Computer?
Das Bestehen dieser Prüfung war sehr wichtig, da sie eine Voraussetzung für die weiterführende High-School war.
Der damals 33-Jährige unterrichtete das Fach »Information and Communications Technology« (ICT), im Grunde also Informatik.
- Da seine Schule schon seit 2011, also etwa sieben Jahre vor dem Entstehen des viralen Fotos, keinen Computer zur Verfügung hatte, hat er dieses Fach schon immer mit Kreide und Tafel unterrichtet.
- Seien es Monitore, Mäuse, Software-Werkzeugleisten und mehr: Alles hat er stets an der Tafel skizziert und so seinen Schülern und Schülerinnen erklärt.
- Dass er für Microsoft Word die gesamte Benutzeroberfläche des Text-Bearbeitungs-Programms an die Tafel zeichnete, war für seine Klasse nicht außergewöhnlich – aber nicht weniger bewundernswert.
Sein Foto ging um die Welt – mit positiven Folgen.
Das Foto mit Akoto und seiner Tafel ging viral und positive Reaktionen ließen nicht auf sich warten; seine Geschichte berührte die Herzen vieler.
So kam es dazu, dass mehrere Organisationen und Menschen daraufhin seiner Schule Laptops spendeten, die die Schüler für den Unterricht verwenden konnten.
Am Ende wurde auch Microsoft auf seine Geschichte aufmerksam, die den hingebungsvollen Lehrer schließlich ins Microsoft-Certified-Educator-Programm (MCE) aufnahm und der Schule 26 weitere Laptops und Software zur Verfügung stellte.
Vom Kreidestaub zum Hightech-Zentrum: Was sich an der Schule verändert hat
Die anfängliche Spendenwelle war jedoch erst der Anfang einer großen Transformation. Aus der Schule, die jahrelang ohne Technologie auskommen musste, wurde ein echtes Vorzeigeprojekt.
Durch die Zusammenarbeit verschiedener Organisationen, darunter die Helping Africa Foundation und TECHAiDE, wurde an der Betenase Junior High School ein hochmodernes IT-Zentrum mit 44 Sitzplätzen sowie ein »Maker Space« mit Robotik-Ausrüstung errichtet.
Die positiven Auswirkungen reichten schon bald weit über Akotos eigenes Klassenzimmer hinaus: Das neue IT-Zentrum wird heute von Schülerinnen und Schülern aus zahlreichen umliegenden Schulen (bis zu 17 Schulen in der Region) genutzt.
Aus einer improvisierten Lösung an der Kreidetafel ist ein digitaler Knotenpunkt für eine ganze Region entstanden.
Weitere Geschichten von Menschen aus der Tech-Welt:
- Seit 13 Jahren arbeitet er für die Feuerwehr und jetzt hat er seinem Team eines der coolsten Eigenbau-Projekte geschenkt: zwei Retro-Arcade-Maschinen für insgesamt 8 Spieler
- Seit 25 Jahren veranstalten 4 Freunde jährlich eine mehrtägige Outdoor-LAN-Party und selbst ein fettes Gewitter kann sie nicht aufhalten
Was macht Richard Appiah Akoto heute?
Auch für den engagierten Lehrer persönlich hat sich durch seinen unermüdlichen Einsatz vieles verändert. Das Schönste an seiner Geschichte ist, dass er trotz des weltweiten Ruhms seiner Berufung und seiner Heimat treu geblieben ist:
- Immer noch Lehrer aus Leidenschaft: Akoto arbeitet bis heute als Lehrkraft für den Ghana Education Service (den staatlichen Bildungsdienst in Ghana), bei dem er bereits seit 2012 unter Vertrag steht. Die Bodenhaftung und die Liebe zur Arbeit mit den Kindern hat er nie verloren.
- Ein Masterstudium auf internationalem Niveau: Um seine pädagogischen Fähigkeiten weiter zu professionalisieren, absolvierte er mithilfe eines Vollstipendiums ein Masterstudium im Bildungsbereich (Master’s in Education).
- Aufstieg zum internationalen Bildungsdirektor: Seine globale Bekanntheit öffnete ihm Türen weit über die Grenzen Ghanas hinaus. Seit Oktober 2023 ist er zusätzlich in Teilzeit als Director of Education für die US-amerikanische Grow Forward Group, LLC tätig, wo er Bildungsprojekte strategisch begleitet.
Er steht heute also nicht mehr nur vor der heimischen Kreidetafel, sondern nutzt seine globale Stimme und seine Plattform, um auf internationalen Konferenzen über die Hürden des IT-Unterrichts in Afrika zu sprechen und ländlichen Schulen weltweit Gehör zu verschaffen.
Doch so positiv sein Beispiel auch ist, so schwierig bleibt die Situation in Entwicklungsländern weiterhin in vielfacher Hinsicht.
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