Als im Januar erste Tests zur Geforce RTX 5090 erschienen, fiel Beobachtern etwas auf: Der Hotspot-Wert, also die punktuelle Höchsttemperatur auf dem Chip, tauchte in Tools wie GPU-Z auf einmal nicht mehr auf. GPU-Z-Macher W1zzard erklärte gegenüber Videocardz den Grund: Nvidia habe diesen Messpunkt aus der öffentlich zugänglichen Schnittstelle gestrichen.
Anfangs sprangen Monitoring-Programme dabei noch auf einen offensichtlich falschen Wert von 255 Grad Celsius, bis GPU-Z das Feld irgendwann komplett ausblendete. Bei der Vorgängergeneration RTX 40 funktioniert die Anzeige bis heute problemlos.
Reparaturtechniker zeigen: Nvidia sah den Wert die ganze Zeit
Dass der Sensor selbst nie abgeschaltet war, zeigten die brasilianischen Reparaturtechniker Paulo Gomes und Sidnelson mithilfe von MODS – Nvidias eigener Diagnose-Suite, die eigentlich Werkstätten und der eigenen Fertigung vorbehalten ist und offiziell gar nicht zum Download bereitsteht.
Kopien kursieren dennoch in Reparaturkreisen; die beiden Techniker griffen für ihren Test sogar per Fernzugriff auf eine entsprechend eingerichtete Testumgebung zu.
- Ihr Beispiel: eine Gigabyte Geforce RTX 5070 Ti, die in regulären Windows-Tools unauffällige 67 bis 68 Grad Celsius Durchschnittstemperatur anzeigte. Ein Blick durch MODS offenbarte jedoch ein völlig anderes Bild – dort kletterte der Hotspot mehrfach bis auf 107 Grad Celsius (exakt Nvidias eigene Drosselgrenze).
- Die Karte reduzierte daraufhin automatisch ihren Takt. Beim Öffnen der Karte fanden die Techniker die Erklärung: eingetrocknete Wärmeleitpaste, die den Kontakt zwischen Chip und Kühlkörper beeinträchtigte. Nach dem Austausch pendelte sich der Spitzenwert bei rund 100 Grad Celsius ein.
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Ihr Fazit gegenüber Videocardz lässt sich so zusammenfassen: Wer sich allein auf die durchschnittliche GPU-Temperatur verlässt, bemerkt ein schleichendes Kühlproblem möglicherweise gar nicht – mit dem Risiko, dass die Karte dadurch über Jahre hinweg Schaden nimmt.
Erste Warnung vom Board-Partner
Am 14. Juli brachte CPUID mit HWMonitor 1.65 erstmals wieder ein reguläres Windows-Tool auf den Markt, das die Hotspot-Werte ausliest – ganz ohne Spezialsoftware oder Linux-Umgebung. Binnen weniger Tage zogen HWiNFO, AIDA64 und ein inoffizielles Plugin für MSI Afterburner nach; Afterburner selbst darf die Funktion laut Entwickler Alexey »Unwinder« Nicolaychuk aus lizenzrechtlichen Gründen als Nvidia-Partnersoftware nicht offiziell einbauen.
MSI Afterburner: Wie ihr eure Grafikkarte mit nur zwei Klicks viel besser machen könnt
Fast zeitgleich meldete sich bei Videocardz der erste Praxisfall: Ein Nutzer maß an seiner Colorful iGame Geforce RTX 5080 Vulcan einen Hotspot von rund 98 bis 100 Grad Celsius, während die Durchschnittstemperatur bei unauffälligen 69 Grad Celsius lag.
- Er wandte sich daraufhin an Colorfuls chinesischen Kundenservice. Von dort kam eine gestaffelte Einschätzung zurück: Werte zwischen 50 und 90 Grad Celsius gelten demnach als unbedenklich, ab 95 Grad Celsius über zehn Minuten unter Last spricht der Hersteller von Überhitzung.
- Als ersten Schritt riet der Support zur Kontrolle von Gehäuselüftung und Staubablagerungen; bleibt die Temperatur trotzdem hoch, folgt die Empfehlung, das Gerät zur Prüfung einzuschicken.
Es ist der bislang erste bekannte Fall, in dem ein Hersteller wegen der neu sichtbaren Hotspot-Werte aktiv eine Inspektion nahelegt.

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