Die klassische Tastatur ist seit Anbeginn der PC-Ära kaum wegzudenken – doch wenn es nach Christian Klein, dem CEO des Softwareriesen SAP geht, naht das Ende dieser Ägide. Gegenüber dem Fortune-Magazin erklärte Klein lapidar, dass die »Zeit der Tastatur abläuft«.
Die Fortschritte in der Spracherkennung durch große Sprachmodelle hätten eine bemerkenswerte Effektivität erreicht. Die zentrale Herausforderung bestehe nun darin, gesprochene Sprache in Geschäftsterminologie und Daten umzuwandeln.
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Sprachsteuerung für SAP-Systeme
Nach Angaben von Klein arbeitet SAP intensiv an der Weiterentwicklung der Fähigkeiten seines KI-Copiloten Joule.
- SAP Joule ist der im September 2023 eingeführte KI-Assistent des Unternehmens, der auf generativer KI basiert und direkt in SAP-Lösungen für geschäftsrelevante Prozesse wie HR, Finanzen, Lieferkette, Beschaffung und Vertrieb integriert ist.
- Die Plattform nutzt Unternehmensangaben zufolge natürliche Sprache, lernt aus vorhandenen Daten und ermöglicht schnellere Entscheidungsfindung bei gleichzeitiger Wahrung des Datenschutzes. Joule ist über die SAP »Business Technology Platform« (BTP) mit SAP-Kernanwendungen sowie Drittanbieterlösungen verbunden.
In naher Zukunft werde dank Joule niemand mehr Daten durch Tippen in ein SAP-System eingeben, so der CEO. Stattdessen sollen Nutzer analytische Anfragen per Sprache stellen, operative Workflows initiieren und Daten wie Leistungsbeurteilungen oder Pipeline-Updates über Sprachbefehle eingeben können.
Das technologische Potenzial existiert – es geht jetzt um die Umsetzung.
Vision der sprachgesteuerten Arbeit: »Es gab kein Training«
Klein skizziert eine konkrete Vision der zukünftigen Arbeitsweise: »Ein Mitarbeiter könnte sagen: ›Hey, greife auf meine PowerPoint-Präsentationen zu‹«, erläutert der CEO.
- Die (in diesem Fall fiktiven) Angestellten könnten einem KI-Modell eine Vielzahl von Finanzanalysepräsentationen zur Verfügung stellen. Zuvor müsse sichergestellt werden, dass die KI die Geschäftsdaten verstehe und die Analyse sofort durchführen könne.
- Der Mitarbeiter könne dann fragen: »Aus der umfangreichen Menge an Dokumenten, die von der Finanzabteilung erstellt wurden – welche Maßnahmen sollten wir ergreifen, um die Herausforderungen anzugehen, mit denen wir bei unserer Finanzleistung konfrontiert sind?«
Die Idee klingt nicht allzu weit entfernt von der Microsoft-Vision, bei der das Windows der Zukunft zur »Leinwand für KI« werden soll – allerdings wart ihr damals in den Kommentaren nicht sonderlich überzeugt davon.
Kleins Prognose stellt in seinen Augen indes die Zukunft unserer Arbeitsweise am PC dar. Idealerweise erhalte der Mitarbeiter ein gut organisiertes Paket, komplett mit Grafiken, Einblicken und empfohlenen Aktionen, das er seinen Vorgesetzten präsentieren könne.
Diese würden »mit Erstaunen auf diese neue Methode der Unternehmensführung reagieren und fragen, welche Schulung durchlaufen wurde. Und die Antwort des Mitarbeiters könnte lauten, dass es gar kein Training gab«.
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