Der Gedanke ist auf den ersten Blick naheliegend, aber dennoch inzwischen längst Geschichte: Um die Gaming-Leistung eines PCs zu maximieren, baut man nicht nur eine, sondern zwei oder gar bis zu vier Grafikkarten in einen Rechner.
Bei AMD kannte man das unter der Bezeichnung Crossfire
, Nvidias Pendant nannte sich SLI
. Doch seit Jahren unterstützen das sowohl Radeon-GPUs als auch Geforce-Modelle nicht mehr.
Dass das aus gutem Grund der Fall ist, hat der große Tech-YouTuber Linus Tech Tips in einem Video aus dem Jahr 2024 angedeutet, über das wir jüngst gestolpert sind:
Link zum YouTube-Inhalt
Was steckt in dem damals sündhaft teuren PC?
Der Rechner, der laut Linus Tech Tips (LTT) damals etwa 7.500 Dollar gekostet hat (entspricht unter Berücksichtigung der Inflation etwa 10.000 Dollar), setzt nicht nur auf ungewöhnlich viele (beziehungsweise vier) Grafikkarten. Auch das Mainboard und der Prozessor sind speziell.
Es handelt sich um zwei Server-CPUs und eine Hauptplatine mit stolzen sieben PCI-Express-Slots (Version 2.0 x16). Außerdem kommt das veraltete Windows 7 zum Einsatz.
Folgenden Komponenten wurden genutzt:
- Grafikkarten: 4 x EVGA Geforce GTX 980 Ti
- Prozessoren: 2 x Intel Xeon X5960 (jeweils 6 Kerne/12 Threads)
- Mainboard: EVGA Classified SR-2
- Arbeitsspeicher: 24 GByte DDR3 (kein ECC-Server-RAM)
- SSD: Samsung SSD 850 Evo 2 TByte
- Netzteil: EVGA Supernova T2 1.600 Watt
- Gehäuse: EVGA DG-86
Schon auf dem Desktop stellt LTT einen Stromverbrauch von 400 bis 500 Watt fest. Gute Effizienz sucht man hier also vergeblich. Doch wie schlägt sich der PC in Spielen, insbesondere in Sachen Performance?
0:51
»Die erste echte GPU der Welt«: Nvidia feiert 25 Jahre Geforce 256
Größtenteils enttäuschend
Grundsätzlich steigen die FPS durch den Einsatz der zusätzlichen Grafikkarten durchaus in den Tests mit SLI-kompatiblen Spielen wie Crysis 2 und Bioshock Infinite. Doch dabei gibt es zwei Hauptprobleme:
- Der Performance-Gewinn ist nicht nur oft sehr überschaubar und meilenweit von einer Vervierfachung der FPS entfernt (was zu erwarten war). Die vergleichsweise geringe Auslastung der GPUs zeigt gleichzeitig, dass ähnliche Ergebnisse wohl auch bereits mit nur zwei statt vier Grafikkarten erreichbar gewesen wären (was ebenfalls zu erwarten war).
- Selbst wenn die FPS steigen oder die Performance in der Theorie ausreichend hoch liegt, fühlen sich die Spiele oft nicht flüssig an, weil es durch die zwingend nötige Kommunikation zwischen den Karten immer wieder zu Rucklern beziehungsweise ungleichmäßigen Frametimes kommt (auch als Mikroruckler bekannt).
Ebenfalls erwähnenswert: Der Videospeicher der Grafikkarten vervierfacht sich nicht, sondern bleibt bei den 8 GByte einer GTX 980 Ti, da jeder GPU im VRAM die gleichen Informationen vorliegen müssen.
Kein Optimal-Fall
Man muss zwar dazu sagen, dass LTT mangels Kompatibilität bei den verwendeten GTX-900-GPUs nicht die schnellste SLI-Verbindung für die Grafikkarten nutzt, die es gibt.
Außerdem kann auch die ungewöhnliche Konstellation mit zwei CPUs auf einem Mainboard zu Performance-Problemen führen, und das Windows-7-Betriebssystem ist veraltet.
Sprich: Mit modernerer Hardware und einem modernen Betriebssystem dürfte SLI ein gutes Stück besser da stehen, als im LTT-Video zu sehen.
Das ändert aber nichts daran, dass die Technik aus unserer Sicht aus gutem Grund nicht mehr von Nvidia und AMD unterstützt wird. Für eine gute Skalierung zu sorgen, ist wohl schlicht zu viel Aufwand für die Programmierer und Treiber-Entwickler und das Potenzial für Performance-Probleme zu groß.
Der Gegentest mit einer RTX 4090
Dass die von LTT genutzten CPUs (und wahrscheinlich auch der langsame DDR3-RAM) Schwierigkeiten verursachen können, zeigt zu guter Letzt ein Gegentest von LTT mit einer wesentlich moderneren RTX 3090 Ti statt der vier GTX 980 Ti.
Die Spiele laufen zwar teilweise klar besser, aber nicht so viel besser, wie man erwarten würde. Außerdem kommt es gerne immer noch zu störenden kleinen Rucklern.
Damit ist am Ende klar, wovon bereits im Vorfeld auszugehen war: Ein alter High-End-Gaming-PC kann selbst dann nur bedingt zukunftssicher
sein, wenn er damals sehr viel Geld gekostet hat.
Wir haben noch ein altes Crossfire-System in der Redaktion, genauer gesagt Tech-Autor Alex. Lasst uns gerne in den Kommentaren wissen, ob ihr euch aktuelle Benchmarks damit wünschen würdet.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.