Im Mittelalter war es üblich, in hölzernen Kleiderschränken zu schlafen. Die große Frage ist, warum wir damit aufgehört haben

Heute ist es im Schlafzimmer undenkbar, sein Bett in einen Kasten zu stecken. Warum das im Mittelalter üblich war, hat mit dem Klima zu tun.

Ein solches Kasten- oder Schrankbett steht im Volksmusuem Dietenheim in Südtirol. (Bildquelle: Wolfgang SauberWikicommons) Ein solches Kasten- oder Schrankbett steht im Volksmusuem Dietenheim in Südtirol. (Bildquelle: Wolfgang Sauber/Wikicommons)

Der Gedanke, sich zum Schlafen in einen Schrank einzuschließen, klingt klaustrophobisch – und trotzdem war das im Mittelalter weitverbreitet. Heute nutzen wir Schränke meist für unsere Kleider; unsere Betten stehen einfach im Raum.

Damals wurde das als »Schrankbett« bezeichnet, im Englischen auch als »Box Bed« (nicht zu verwechseln mit einem Boxspringbett) und wurde laut BBC bis ins frühe 20. Jahrhundert genutzt.

In einem Museum in Wick, Schottland, lässt sich ein solches Ausstellungsstück aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bewundern.

  • Von außen wirkt das Schrankbett wie ein gewöhnlicher Kleiderschrank.
  • Davor platziert ist ein Tisch; unter dem Bett steht ein Nachttopf.
  • Auf dem Schrankbett finden Koffer Platz.

Hierbei handelt es sich allerdings um ein luxuriöses Modell. Nicht selten wirken die Schrankbetten mehr wie Truhen, die ein bisschen anmuten wie altertümliche Kapselhotels.

  • Rechteckig, dass man sie übereinanderstapeln konnte.
  • Verschließbar mit eigenen Türen.
  • Nicht selten teilten sich Familienmitglieder oder Arbeitskollegen ein Schrankbett.

Kapselhotels wie dieses in Tokio sind vor allem Geschäftsreisende gedacht. (Bildquelle: Pawel Pajor - adobe.stock.com) Kapselhotels wie dieses in Tokio sind vor allem Geschäftsreisende gedacht. (Bildquelle: Pawel Pajor - adobe.stock.com)

Doch warum haben sich die Menschen damals wortwörtlich zum Schlafen eingesargt?

Der Grund für Box-Beds: eine kleine Eiszeit

Heutzutage haben wir zwei Dinge, welche die Menschen vor hunderten von Jahren nicht besaßen:

  • Schnelle Wärme, wenn wir sie brauchen, etwa durch eine Heizung.
  • Isolierte Häuser

Dementsprechend konnten Winternächte klirrend kalt sein. Daher stammen übrigens auch Schlafmützen, sodass nur noch das Gesicht unbedeckt blieb.

BBC zitiert Roger Ekirch, Geschichtsprofessor an der Virginia Tech Universität. Er gibt zu Protokoll, dass Europa und Teile Nordamerikas zwischen 14. und 19. Jahrhundert eine kleine Eiszeit erlebt haben.

Entsprechend attraktiv waren Schrankbetten. Wärme hat sich darin gehalten, besonders, wenn man mindestens zu zweit war. Dann konnte der Raum drumherum so kalt sein, wie er mochte.

Dank des Klimawandels müssen wir in unseren Breitengraden wohl nicht so bald zu Schrankbetten zurückgreifen. Aus der Mode sind die aber aus einem anderen Grund gekommen.

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Mit der Zeit kamen die Schrankbetten aus der Mode, weil sie mit Armut und dem Leben auf dem Land in Verbindung gebracht wurden. Gerade bei Bauern mit großen Familien war es nicht selten, dass solche Betten in Tierställen standen, wo Menschen schliefen.

Heutzutage finden sich höchstens noch Betten mit Zelten darüber, um ein wenig Privatsphäre zu suggerieren. Sich zum Schlafen in einen Schrank einzuschließen, wirkt heute undenkbar.

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