Schlecht erklärte neue Technologien sorgen oft für Ängste, das gilt auch für Smart Meter. Was ist schlecht an den alten Ferraris-Drehzählern? Warum sollen wir uns überwachen lassen? Die Regierung schaltet uns den Strom ab, wann immer sie wollen!
Wie immer bei Verschwörungserzählungen ist ein kleiner Kern an Wahrheit enthalten, nur ohne das Drama drumherum. Richtig eingesetzt kann euch ein Smart Meter sogar helfen, bares Geld zu sparen. Das klappt aber nicht automatisch.
Was ist ein Smart Meter überhaupt?
Hinter dem Begriff Smart Meter verbirgt sich eine Kombination aus einem digitalen Stromzähler in Form eines intelligenten Messystems (iMSys) und einem Smart Meter Gateway. Das iMSys ist ein moderner Stromzähler, der als Ersatz für ältere Zähler wie die genannten Drehscheibensysteme eingesetzt wird. Trotzdem ist nicht jeder Zähler mit Digitalanzeige auch intelligent genug, um als Smart Meter genutzt zu werden.
So wie ein Smartphone zwar ein tolles Stück Technik ist, ohne Kommunikationsschnittstellen aber irgendwie einen großen Teil seines Funktionsumfangs und seiner Nützlichkeit verliert, ist ein iMSys ohne Smart Meter Gateway auch nur ein fancy Stromzähler mit Highend Infrarot-Auslesekopf, der per Taschenlampe programmiert wird. Lacht nicht, ist wirklich so (via spektrum.de).
Das Smart Meter Gateway ist im Stromverteilerkasten eures Hauses mit dem iMSys verbunden und sendet euren Stromverbrauch (oder auch die Erzeugung, wenn ihr PV verbaut habt) in regelmäßigen Abständen an den Betreiber eures Stromnetzes und den Stromanbieter.
So sind dann auch dynamische Stromtarife möglich, die seit 01. Oktober 2025 sogar im Viertelstundentakt die Erzeugungspreise aktualisiert berechnen können.
Dynamische Stromtarife können Geld sparen
Der Strompreis setzt sich aus drei Hauptbestandteilen zusammen:
- Grundgebühr des Stromanbieters (zwischen 5 und 15 Euro monatlich)
- Erzeugungskosten des Stromes
- Stromnebenkosten wie Mehrwertsteuer, Netzgebühr, Abgaben, Stromsteuer
Der größte Posten sind dabei die Stromnebenkosten, die sich trotz gegenteiliger Versprechen der Regierung eher erhöhen werden als zu sinken. Sehr schwankend hingegen sind die reinen Stromerzeugungskosten.
Diese berechnen sich aus Nachfrage und Angebot sowie den Kosten der Erzeugung. Ist viel erneuerbarer Strom aus Sonne und Wind im Netz, sinken die Preise üblicherweise in den niedrigen Centbereich.
Morgens und Abends hingegen steigen die Preise wieder durch geringere EE-Stromerzeugung und höheren Verbrauch. Gas- und Kohlekraftwerke müssen einspringen und sorgen für höhere Preise.
Bei einem klassischen Stromvertrag bildet der Anbieter aus all diesen Werten einen Mittelwert, dynamische Tarife berechnen im Detail die angefallenen Erzeugungskosten auf Basis der Preise der europäischen Strombörse, gemessen durch das Smart Meter.
Um damit zu sparen, braucht es aber auch entsprechend großen Stromverbrauch zu den günstigen Zeiten. Und die sind im Sommer meist in der klassischen Arbeitszeit um Mittag und Nachmittag. Im Winter sorgt nächtlicher Wind dann oft in der Nacht für niedrige Preise, auch ungünstig.
Moderne Akkusysteme wie von Zendure, Ecoflow oder Anker helfen hier, laden günstigen Strom und speisen ihn, mitunter KI-gesteuert, sinnvoller aber per Smart Meter und Messeinrichtung zu teuren Zeiten bedarfsgerecht wieder ein.
Größere Vorteile mit Wallbox und Wärmepumpe
Wer sich bei Wärme und Mobilität vom Verbrennen fossiler Rohstoffe in Richtung Strom bewegt und Wärmepumpe oder E-Auto in die Familie aufnimmt, kann stärker profitieren. Hier lassen sich größere Lasten in günstige (Viertel-)Stunden schieben.
Elektroautos mit ihren großen Akkus können in Zukunft auch netzdienlich eingesetzt werden, indem sie bei Netz- oder Erzeugungsengpässen das Stromnetz per Einspeisung stützen und in größeren Mengen auch dafür sorgen, dass weniger Gas- und Kohlekraftwerke einspringen müssen.
Damit die Autos nicht ausgerechnet dann geladen werden, wenn der Strom teuer und fossil erzeugt wird, bieten Smart Meter die Möglichkeit, kompatible Wallboxen und Wärmepumpen bei Bedarf zu drosseln. In einigen Social Media Aufregergruppen wurde daraus die Sorge, die Regierung würde ungeliebten Bürgern den Strom sperren können. Das stimmt so nicht.
Selbst das angesprochene Drosseln der Maximalleistung für die genannten Großverbraucher ist nur dann möglich, wenn ihr die Option bewusst und gegen Gewährung niedrigerer Stromkosten akzeptiert. Naja, oder wenn ihr vergesst, die Stromrechnung zu bezahlen. Dann kann auch jetzt schon jeder Stromanbieter eure Leitung deaktivieren, ganz ohne Smart Meter.
Günstiger Strom in der Nacht kann tagsüber wieder eingespeist werden
Etwas geringere finanzielle Vorteile als bei dieser Lösung, aber auch mit mehr Preissicherheit als bei klassischen dynamischen Stromtarifen, bietet beispielsweise ein Stromtarif mit durchgehend niedrigen Preisen in der Nacht und etwas höheren am Tag.
So lassen sich E-Auto und Balkonsolarakku günstig laden, die gut 10 Cent Preisunterschied pro kWh zwischen Nacht- und Tagstrom machen auch späteres Einspeisen trotz der Wandlungsverluste im Akku noch finanziell tragbar.
Smart Meter können Geld sparen - wenn ihr wollt
Bislang sind nur gut 2 % der deutschen Haushalte mit einem Smart Meter ausgestattet. Bis Ende 2025 sollen es 30 % sein, so die politische Forderung. Das wird wohl eher nicht klappen, auch weil Netzanbieter den Ausbau aufgrund mangelnder Kapazitäten und mitunter wohl auch Vorurteilen verzögern.
Dazu kommen trotz politischer Regelungen teils erstaunliche Preise, die einzelne Netzanbieter für den Einbau verlangen - mehr als 100 Euro sollten es nicht sein, bis zu fast 1.000 Euro werden teilweise gefordert.
Und einfach nur ein Smart Meter im Schrank bringt auch nichts, werdet ihr aber selbst aktiv und schaut nach kreativen Optionen bei Stromverträgen, Balkonsolar und Akkus, könnt ihr tatsächlich bares Geld sparen. Ich selbst habe beispielsweise den durchschnittlichen kWh-Preis von 32 Cent auf 24 Cent drücken können.
Hier laden in den günstigen Nachtstunden Akkus und bei Bedarf das Auto, tagsüber sorgt ein IR-Lesekopf am digitalen Stromzähler für eine Nulleinspeisung der Energie. Das spart nicht nur Geld, sondern ist auch netzdienlich, da mein Haushalt genau dann keinen Strom benötigt, wenn dieser im Netz knapp ist.
Würden das genug Haushalte ebenso machen, würde diese Maßnahme bereits die Stromnebenkosten für alle sinken lassen können. Ich würde mich daher eher über Förderungen für Hausakkus als über staatlich minimal zusatzsubventionierte Stromnebenkosten freuen.
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