Zeit, es offen und ehrlich in die Welt zu rufen: Beim aktiven Stromsparen bin ich eine Niete. Das liegt zum einen am Beruf. Teil davon ist es eben, viel Technik zu verwenden und auszuprobieren, auch dort, wo der Nutzwert nicht immer gleich ersichtlich ist. Aber nicht alles kann ich mit dem Beruf rechtfertigen.
So bin ich zum Beispiel auch einfach schlecht darin, Mehrfachstecker abends auszuschalten oder Stromgeräte vom Stecker zu trennen. Wenn mir das dann im Bett doch noch einfällt, ist es mir da oft schon zu gemütlich, um noch einmal aufzustehen und in der ganzen Wohnung Schalter umzulegen.
Zum Glück gibt es ja aber eine ganze Menge Hersteller, die die Lösung für mein Problem sein möchten und smarte Steckdosen anbieten. Mit denen soll man ja schließlich auch Strom einsparen können. Aber wann lohnt sich das wirklich?
Smarte Steckdosen: Meine Einsparungen berechnet
Bevor es losgeht, muss ich ein paar Annahmen treffen: Ich schlafe täglich acht Stunden, in dieser Zeit sind die Schalter aus. Genauso gehen die Schalter aus, wenn ich das Haus verlasse. Hier habe ich überschlagen und mit vier Stunden pro Tag gerechnet. Macht summa summarum 12 Stunden, in denen ich jetzt konsequent Strom spare.
Die smarten Stecker von Eve habe ich an sieben Steckdosen und Steckdosenleisten in meiner Wohnung platziert, an denen permanent Stromfresser hängen. Diese sind nach Leerlauf-Leistung sortiert wie folgt:
| PC-Steckdose #1 | 17 Watt |
| Konsolen-Steckdose | 16 Watt |
| TV-Steckdose | 14 Watt |
| Saugroboter-Steckdose | 9 Watt |
| PC-Steckdose #2 | 6 Watt |
| Badezimmer-Steckdose | 3 Watt |
| Küchen-Steckdose | 2 Watt |
Macht in Summe einen Leerlauf von 67 Watt.
Bei einer Ausschaltzeit von 12 Stunden ergibt sich dadurch ein Tageswert von: 67 Watt x 12 Stunden = 804 Wattstunden, also etwa 0,8 kWh.
Übrigens: Die im Bild sichtbare LED verbraucht wenig genug Strom, dass mein Wattmeter beim Test einen Wert von 0 Watt anzeigt.
Smarte Steckdosen: Wann lohnt sich das für mich?
Das Statistische Bundesamt gibt aktuell einen durchschnittlichen Strompreis von 42,29 Cent pro kWh aus.
Das bedeutet für mich: Pro Tag spare ich durch konsequentes Ausschalten der Steckdosen etwa 42,29 Cent/kWh x 0,804 kWh = 34 Cent.
Nun muss man allerdings beachten, dass die Steckdosen von Eve nicht geschenkt waren. Für jede der sieben Steckdosen habe ich 35 Euro bezahlt, was in Summe 245 Euro ergibt.
Um diesen Wert zu erreichen, benötigt es beim aktuellen Strompreis 245 Euro / 0,34 Euro pro Tag = 721 Tage, bis sich die smarten Steckdosen bezahlt gemacht haben.
Danach spare ich pro Jahr etwa weitere 124 Euro ein.
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Warum ich es mir mit dieser Rechnung zu einfach mache
Der reine Geldwert ist schön und gut, bildet aber nicht die gesamte Lage ab. Es ist nämlich auf gleich drei Arten komplizierter:
Zum einen könnte ich natürlich auch einfach selbst daran denken, die Stromgeräte konsequent vom Netz zu nehmen, wenn ich sie nicht brauche. Dadurch bekomme ich die Einsparungen, ohne vorher einen dreistelligen Betrag in die Hand zu nehmen. Fraglich ist allerdings, wie konsequent ich dabei wirklich wäre.
Zum anderen stimmt die Rechnung zwar aus rein finanzieller Sicht, aber dem Klima tue ich damit vermutlich nichts Gutes. Immerhin fallen bei der Produktion, Verpackung, Lieferung und späteren Entsorgung der Geräte sowohl Strom und Ressourcen als auch Treibhausgase an, die ich nur durch die Stromeinsparung zu Hause wohl eher nicht wettmachen werde.
Auf der Habenseite steht jedoch auch, weshalb ich mich in erster Linie überhaupt für die smarten Steckdosen entschieden habe: der Komfortgewinn. Die Schalter gehen automatisch aus, wenn ich sie nicht brauche - und wieder an, wenn sich das ändert. Geräte lassen sich darüber hinaus auch aus der Ferne per Smartphone steuern, zum Beispiel von der Couch oder der Küche aus.
Fazit: Smarte Steckdosen - ja oder nein?
Wie der Text verrät, kann ich euch das nicht abnehmen. Denn die Antwort hängt von euren Prioritäten ab.
- Wollt ihr in erster Linie dem Klima etwas Gutes tun? Dann verwendet weiterhin, was ihr habt. Das ist so gut wie immer besser, als etwas Neues zu kaufen - so auch in diesem Fall.
- Wollt ihr in erster Linie mehr Komfort? Dann können smarte Steckdosen einen echten Mehrwert darstellen. Vor allem, wenn ihr viele Geräte habt und die Steckdosen oft nur schwer zu erreichen sind.
- Wollt ihr Geld sparen? Dann versucht erst einmal, ob ihr nicht selbst konsequenter Geräte abstecken könnt. Fällt euch das schwer, können smarte Steckdosen aber eine Lösung sein, deren Investment sich je nach Person und Strompreis nach einer Handvoll Jahre rentiert haben dürfte.


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