Ich habe bei Social Media eine harte Grenze von 30 Minuten gezogen und bin überrascht, welchen Unterschied das macht

Statt vollkommen auf Social Media zu verzichten, habe ich meine App-Nutzung auf 30 Minuten am Tag begrenzt. Das war die beste Entscheidung mit überraschenden Erkenntnissen.

Ich habe meine Social-Media-Zeit auf 30 Minuten am Tag begrenzt – und das war eine gute Entscheidung. (Bildquelle: Aaron Hofmann GameStar Tech; Julian Unsplash) Ich habe meine Social-Media-Zeit auf 30 Minuten am Tag begrenzt – und das war eine gute Entscheidung. (Bildquelle: Aaron Hofmann / GameStar Tech; Julian / Unsplash)

Wenn ich euch sage, dass es ein gutes Gefühl ist, ab und zu mal das Handy wegzulegen, verrate ich euch wahrscheinlich nichts Neues.

Schließlich gibt es immer wieder Selbstexperimente rund ums Digitaldetoxing und es wird immer wieder davon erzählt, wie sich manche Menschen nach einer Pause von negativen Nachrichten auf X, Reddit, Instagram und Co. sehnen.

Eigentlich würde ich sagen, dass ich eher weniger auf Social Media unterwegs bin. Meine durchschnittliche Bildschirmzeit von vier Stunden am Tag sagt da was anderes.

Natürlich sind dabei nicht nur Social-Media-Plattformen, sondern auch die Anwendungen, die ich im Alltag zum Chatten, Musik hören, Navigieren und für alle anderen Aktivitäten nutze.

Video starten 0:55 So erstellt ihr einen Sticker auf WhatsApp in unter 60 Sekunden

Um nicht völlig von der digitalen Welt abgeschnitten zu sein, aber meine Screentime dennoch etwas zu reduzieren, habe ich mich deshalb nun auch mal in ein Selbstexperiment gewagt und eine feste Appsperre nach 30 Minuten eingestellt.

Und ganz ehrlich: Ich bin beeindruckt, was das schon nach einer Woche für einen gewaltigen Unterschied gemacht hat.

Weg vom Doomscrolling und endlosen Surfen

Der Grund für meine hohe Screentime ist neben klassischen Messengern und der ein oder anderen Recherche im Internet die Art und Weise, wie ich Reddit benutze. Hier hat sich nämlich eine unbewusste Routine eingeschlichen, dass ich eine Mischung aus Subreddits als Hauptnachrichtenquelle verwende. 

Um hier also eine gezielte Sperre einzusetzen, habe ich ein nützliches Werkzeug von Android verwendet. Dieses heißt digitales Wohlbefinden, auf manchen Geräten auch »Digital Wellbeing«, und ermöglicht es mir, meine Handyzeit einzuschränken.

Die Funktion ist auf so gut wie allen modernen Android-Smartphones und Tablets standardmäßig integriert und hilft euch dabei, eure Handyzeit im Blick zu behalten. Und eben auch Apps-Timer einzurichten.

Die Einrichtung einer App-Begrenzung ist mit der Digital-Wellbeing-Funktion von Android kinderleicht. (Bildquelle: Aaron Hofmann GameStar Tech) Die Einrichtung einer App-Begrenzung ist mit der Digital-Wellbeing-Funktion von Android kinderleicht. (Bildquelle: Aaron Hofmann / GameStar Tech)

Schritt-für-Schritt: App-Timer auf Android einrichten

  1. Öffnet die Einstellungen eures Android-Geräts.
  2. Scrollt zum Punkt »Digitales Wohlbefinden und Kindersicherung« und öffnet diesen.
  3. Klickt auf »App-Timer«.
  4. Tippt auf das Plus-Symbol und wählt »Apps und App-Kategorien«.
  5. Hakt die Anwendungen an, die ihr begrenzen wollt.
  6. Gebt eurem Timer einen Namen, legt die Zeit fest und speichert ihn.

Wichtiger Tipp: Wählt eure Apps unbedingt manuell aus und nutzt nicht die vorgefertigten Kategorien. Begrenzt ihr die komplette Kategorie »Sozial«, werden euch eventuell auch Messenger wie WhatsApp oder Signal blockiert.

Für meinen Versuch habe ich alle klassischen Social-Media-Apps auf meinem Handy auf insgesamt 30 Minuten am Tag begrenzt. WhatsApp und Discord habe ich dabei bewusst ausgenommen, da ich beide ausschließlich als Messenger nutze.

Sobald mein Timer abläuft, schließen sich alle offenen Social-Media-Anwendungen und lassen sich für den restlichen Tag nicht mehr öffnen. Kurz vor dem Ablauf bietet Digital Wellbeing zwar noch eine kleine Verlängerung an, ganz nach dem Motto »Noch eine Runde«, aber grundsätzlich gilt: Vorbei ist vorbei.

Frust und Erkenntnisse in den ersten Tagen

Ich habe von Anfang an mit spürbaren Veränderungen gerechnet, aber nicht, dass sie mich am ersten Tag direkt hart treffen. Ich kann euch nun nämlich sagen: Eine halbe Stunde ist schneller vorbei, als man denkt.

Als ich am ersten Tag meines Experiments in der Mittagspause auf Instagram wollte, habe ich gesehen, dass mein Limit von 30 Minuten bereits komplett aufgebraucht war. Der Grund: ein kurzer Blick in Reddit beim Frühstück und ein interessanter Instagram-Post aus einer Push-Benachrichtigung.

Fairphone 6
Niederlande
Fairphone 6
Gigaset GS6
Deutschland
Gigaset GS6
Punkt MC02
Schweiz
Punkt MC02
Nothing Phone (3)
England
Nothing Phone (3)
Crosscall Stellar M6
Frankreich
Crosscall Stellar M6

In den folgenden Tagen habe ich zudem gemerkt, dass ich einige Angewohnheiten habe, die mir vorher gar nicht so bewusst waren:

  • Zum einen nutze ich Reddit als eine Art Suchmaschine. Gerade bei technischen Fragen greife ich lieber auf die Foren-Plattform zurück als auf Google. 
  • Zum anderen verwende ich Reddit, um Kommentare und Meinungen zu aktuellen Nachrichten zu lesen. Denn spätestens mit der Umbenennung von Twitter zu X bin ich zu Reddit als meiner Kern-Social-Plattform gewechselt.

Wie oft ich das am Tag mache, wurde mir erst klar, als ich vor der App-Sperre stand und keinen Zugriff mehr auf die Plattform hatte. Und um vollkommen ehrlich zu sein, hat mich das gerade am Anfang schon sehr genervt. Nicht nur, weil mir ein Zeitvertreib gefehlt hat, sondern weil eine Informationsquelle weggebrochen ist.

Der Umschwung zur App-Priorisierung

Um nicht schon mittags im »Blackout« zu landen, musste ich mein Zeitbudget besser einteilen. In den vergangenen Tagen habe ich mein Social-Media-Kontingent bewusst auf Morgens, Mittags und Abends verteilt. 

So konnte ich lieber immer wieder kurz auf Social Media gehen, statt endloses Doomscrolling zu betreiben. Reddit stand dabei an erster Stelle, gefolgt von Instagram, das mich immer wieder durch Push-Benachrichtigungen und anschließend sogar E-Mails darauf aufmerksam gemacht hat, was ich alles »verpasse« – so bezeichnet es Meta zumindest.

TikTok hingegen fiel komplett hintenüber. Klar gab es auch hier mal eine Situation, in der ich mir gerne ein Meme von einem Kumpel angesehen hätte, aber trotz des fesselnden Algorithmus hat mir die Kurzvideoseite wenig gefehlt.

Sobald der App-Timer abgelaufen ist, heißt es »Auf Wiedersehen« und ich kann erst am Folgetag wieder auf Social Media. (Bildquelle: Aaron Hofmann GameStar Tech) Sobald der App-Timer abgelaufen ist, heißt es »Auf Wiedersehen« und ich kann erst am Folgetag wieder auf Social Media. (Bildquelle: Aaron Hofmann / GameStar Tech)

Der größte Effekt zeigte sich am Abend. Normalerweise habe ich vor dem Schlafengehen lange im Bett gelegen und durch Feeds gescrollt. Mit der App-Sperre ging das nicht mehr und entgegen meiner Vermutung, die neu gewonnene Zeit mit Videos zu füllen, habe ich meine Zeit mit Lesen verbracht.

Vielleicht lag es an der durch das Detoxing einhergehenden Motivation, aber ich habe endlich mal zu meinem seit Monaten angefangenen Buch gegriffen und weitergelesen. Zwar auch nicht jeden Abend und auf einem E-Reader – also streng genommen immer noch mit Bildschirmzeit – was jedoch eine sinnvollere Beschäftigung ist als langes Doomscrolling.

Das überraschende Ende der ersten Woche

In den vergangenen Tagen ist mir dann etwas passiert, mit dem ich wohl am wenigsten gerechnet hätte. Weil ich die Begrenzung ständig im Hinterkopf hatte, entstand ein psychologischer Puffer. 

Mit diesem wollte ich meine wertvolle Social-Media-Zeit nicht für kurze Einblicke in die verschiedenen Apps verbrauchen, sondern bewusste Pausen einlegen. 

Das Ergebnis: An Tag sechs und sieben bin ich gar nicht mehr auf die 30 Minuten gekommen.

Die Begrenzung im Hinterkopf hat scheinbar gereicht, um den Impuls, zwischendurch immer mal wieder in Apps zu scrollen, gestoppt. Etwas, das mich sehr motiviert hat, auch weiterhin die Social-Media-Sperre laufen zu lassen.



Eine Woche ist ein kurzer Zeitraum, aber die Zahlen und das eigene Gefühl sprechen für sich. Meine Gesamtschildschirmzeit hat sich während des Tests um durchschnittlich zwei Stunden am Tag reduziert. Ich bin weniger auf TikTok unterwegs und habe mich von Doomscrolling im Bett verabschiedet.

Ich werde die Sperre definitiv beibehalten. Einzig bei Reddit bin ich noch unentschlossen, wie ich mit der Suchmaschinen-Funktion umgehe. Gerade für nischige Fragen ist die Plattform unschlagbar, wenn man nicht direkt eine KI bemühen möchte.

Für mich hat das Experiment bereits gezeigt, was für einen großen Unterschied 30 Minuten am Tag machen können. Wie ich in der Zukunft darüber denke, werde ich euch in einem Update mitteilen.


Kommentare(0)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.