Ein gutes Argument für die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen war in der Vergangenheit die vom Staat für 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung auf den erzeugten Strom. Über 50 Cent pro Kilowattstunde gab es in der Anfangszeit der Photovoltaik (PV) noch garantiert und die, wie erwähnt, auf 20 Jahre gesichert. Einige Bestandsanlagen speisen noch bis 2028 für die 2008 zugesicherten 46,75 Cent pro Kilowattstunde ein.
Inzwischen ist diese Summe aber drastisch gesunken, auf aktuell nur noch 8,03 Cent. Ab Februar sinkt die Vergütung sogar auf nur noch 7,94 Cent pro Kilowattstunde. Ende Februar allerdings ist bereits die vorgezogene Bundestagswahl und die Aussagen aller Parteien mit der Chance auf Regierungsbeteiligung sind recht eindeutig: Die Einspeisevergütung wird zumindest teilweise wegfallen.
Ist das jetzt ein Grund, noch schnell eine PV-Anlage aufs Dach bauen zu lassen oder wenigstens ein Balkonkraftwerk zu installieren? Wir glauben: Nein, eher nicht, zumindest nicht im Panikmodus. Auch wenn es generell schon eine gute Idee ist.
0:23
Wolkenkratzer als 1.000 Meter hoher Energiespeicher
Was bedeutet der Wegfall der Einspeisevergütung für euch?
Wenn ihr bis hier gelesen habt, weil ihr Sorge um die Wirtschaftlichkeit eures Balkonkraftwerkes habt: Lest gerne noch bis zum Ende und diskutiert in den Kommentaren mit. Euch betrifft die Einspeisevergütung allerdings wahrscheinlich gar nicht.
Zwar gibt es einige wenige Netzbetreiber, die auch eingespeisten Balkonsolarstrom vergüten, die Regel ist das aber nicht. Und die zu erzielenden Summen sind aufgrund der geringen Strommenge der Kleinstkraftwerke zu vernachlässigen. Der Selbstverbrauch ist immer sinnvoller – schließlich spart ihr je nach Strompreis gut 25-35 Cent pro Kilowattstunde, während die Einspeisung nur knapp 8 Cent bringt. Und selbst wenn ihr euch über zur sonnenreichen Arbeitszeit verschenkten Strom ärgert: Viel mehr als den Gegenwert einer Lieferdienstpizza bekommt ihr im Jahr dafür nicht.
Besitzer einer großen PV-Anlage hingegen haben eventuell mit der Vergütung kalkuliert, mit denen sind schließlich mehrere hundert Euro jährlich möglich. Dennoch gilt auch hier: Den Eigenverbrauch zu optimieren ist wirtschaftlicher, selbst wenn dabei Akkus zum Einsatz kommen müssen. Vor allem in Verbindung mit einem dynamischen Stromtarif: Wenn der Strom dank Dunkelflaute gerade 90 Cent/kWh kostet, erscheinen 8 Cent Einspeisevergütung fast schon niedlich.
So schnell und einfach werden sich Dach-Solaranlagen aber ohne Vergütung nicht mehr amortisieren, was den privaten Ausbau verlangsamen dürfte.
- Balkonkraftwerke fallen nur in seltenen Fällen unter die Einspeisevergütung. Und wenn eingespeister Strom vergütet wird, dann entstehen eher vernachlässigbare Summen.
- Größere PV-Anlagen amortisieren sich mit dem Wegfall langsamer, was sicherlich abschreckend wirken wird.
Warum soll die Einspeisevergütung überhaupt wegfallen?
Die Stromerzeugung in Deutschland setzt immer mehr auf Wind und Sonne statt auf klimaschädliche fossile Kraftwerke. Damit einher geht aber auch eine Überproduktion erneuerbarer Energien zu bestimmten Zeiten: Wenn besonders viel Wind- und Solarenergie erzeugt werden kann.
In den sonnigen Jahreszeiten gibt es daher mitunter ein Überangebot an Solarenergie, kommerzielle Solarparks werden dann bereits heruntergeregelt, um das Netz nicht zu überlasten – hier stockte in der Vergangenheit der Ausbau.
Aber genau dann produzieren private PV-Anlagen ebenfalls viel Strom. Die meist eher kleinen Akkus der Haus-PV sind bis zum Mittag oft schon voll geladen, der Überschuss geht ins Stromnetz. Und wird, trotz teils negativer Börsenstrompreise für den Strom, pauschal vergütet.
In Zukunft soll daher die Vergütung (je nach Partei) entweder ganz wegfallen oder zumindest in Stunden negativer Börsenstrompreise ausgesetzt werden. Das sorgt für Anreize, den Strom bevorzugt selbst zu verbrauchen, statt ihn einzuspeisen. Beispielsweise über größere Akkuspeicher oder in Zukunft den Akku des Elektroautos via Vehicle-to-Home. Und entlastet die Staatskasse spürbar.
Ist das jetzt das Ende von privaten Solaranlagen?
Nein, eine PV-Anlage rechnet sich auf die Lebenszeit gerechnet in den meisten Fällen auch ohne Einspeisevergütung. Da es aus Gründen der Netzstabilität und auch der Strompreise sinnvoll ist, den selbst erzeugten Strom auch selbst zu verbrauchen, kann ein Wegfall der Vergütung auch den positiven Effekt haben, dass der Eigenverbrauch optimiert wird, damit sich die Anlage schneller amortisiert.
Panikkäufe neuer PV-Anlagen, damit ihr sie schnell noch mit Einspeisevergütung anmelden könnt, sind daher nicht nötig. Eine Anschaffung mit dem Kauf eines größer dimensionierten Akkus, einem dynamischen Stromtarif und einer automatischen Steuerung nach Strompreis wäre die sinnvollere Lösung. Das sind alles Optionen, die zum Zeitpunkt der Einführung der Einspeisevergütung noch nicht zur Verfügung standen.
Was denkt ihr zu dem Thema? Plant ihr euch eine PV-Anlage zu installieren oder habt vielleicht schon eine? Und profitiert ihr von der Einspeisevergütung? Schreibt es uns in die Kommentare!







Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.