Der Damm hat gehalten. Der massive Stromausfall, der Millionen Europäer betraf, endete nicht in einer Katastrophe für den Kontinent – das Potenzial besaß er. Als am 28. April 2025 um 12:33 Uhr eine Welle dazu ansetzte, durch das gesamte europäische Stromnetz zu rollen, schritt die Technik ein. Der Blackout setzte nur Spanien, Teile Frankreichs, Portugals sowie Marokkos lahm. Es war ein Triumph, auf den wir stolz sein können, denn er zeigt: Europa ist auf dem richtigen Weg.
In der Erfolgsgeschichte, die von deutsch-französischer Partnerschaft, blitzschnellen Schaltern und spanischer Hingabe zu nachhaltiger Energie handelt, haben zwei Akteure Gastauftritte: eine Leitung in der Nordsee sowie ein störrisches Gaskraftwerk.
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Das ist am 28. April (wahrscheinlich) passiert
Selbst Tage später ist die exakte Ursache für den flächendeckenden, stundenlangen Stromausfall am 28. April auf und um die iberische Halbinsel nicht gänzlich geklärt. Aber wir können ein halbwegs stichfestes Szenario zeichnen – und das belegt, die Qualität des europäischen Stromnetzes.
Nach Angaben aus einer Konferenz spanischer Behörden und Energieversorgern, die uns der Journalist Javier Blas als Zeuge auf X (früher Twitter) mitteilt, ereignete sich in Spanien Folgendes:
- Um 12:33 Uhr kam es im Südwesten Spaniens zu einem Verlust an erzeugter Leistung (Quelle nicht genannt).
- Davon erholte sich das Netz noch.
- 1,5 Sekunden danach kam es aber zu einem erneuten Abfall der Leistung (Quelle nicht genannt).
- 3,5 Sekunden später brach die Stromverbindung zwischen Spanien und Frankreich wegen Instabilität zusammen.
- Direkt danach fielen (explizit genannt) regenerative Energiequellen im großen Ausmaß weg.
- Das spanische Stromnetz kollabierte dadurch fast vollständig und riss Teile Marokkos sowie Portugals mit.
Durch die automatische Abschaltung aller Verbindungen zwischen Spanien und Frankreich wurde aber frühzeitig Schlimmeres verhindert. Der Ausfall der Stromquellen auf der iberischen Halbinsel könnte laut eines Experten auf einen Fehler bei einer Hochspannungsleitung zurückzuführen sein – ein Hackerangriff wird ausgeschlossen.
Allerdings müsse laut einhelliger Meinung der Experten eine Kombination mehrerer Probleme zusammenkommen, wie auch das obige Protokoll andeutet. Es fehlten nach letzter Datenlage rund 15 Gigawatt (Strom von etwa 12 bis 15 Kernreaktoren) – etwa das Fünffache des eingebauten Spielraumes des europäischen Netzes (via Heise und MDR).
Das Nervensystem Europas
Die Zeiten, in denen die Länder unabhängig voneinander Stromnetze unterhalten, sind längst vergangen. Europa durchzieht ein dichtes Netz an Leitungen, das extreme Mengen an Strom von Spanien bis in die Ukraine oder von Nordafrika bis zur Nordspitze Finnlands transportiert. Auf dieser Karte könnt ihr interaktiv alltäglich gelebte europäische Infrastruktur erkunden. Dazwischengeschaltet sind diverse Sicherungen, die bei Schwankungen automatisch abschalten.
Nur einige Stunden zuvor kam es in England unabhängig fast zu einer ähnlichen Krise (via Spiegel):
- Es trat ein großer Mehrbedarf an Strom auf.
- Ein zum Anspringen geplantes Gaskraftwerk fiel aber aus noch ungeklärten Gründen aus.
- Fast zeitgleich versiegte die Stromzufuhr über eine wichtige Leitung von Dänemark auf die Britischen Inseln.
Stromausfälle blieben hier dank zusätzlicher Reserven aus. Der britische Betreiber konnte so gegensteuern, obwohl eine der Ausgleichsverbindung zum Festland wegfiel. Die Ursachen für beide Parallelausfälle unterliegen Untersuchungen.
Bei der zwischen Spanien und Frankreich gestoppten Ausfallswelle sorgte der Betreiberverbund für eine Stabilisierung. Als in Frankreich Stromknappheit durch den Wegfall der Zulieferung von der iberischen Halbinsel (etwa 3 Gigawatt an Leistung zu dem Augenblick) drohte, sprang Deutschland ein: Wir füllten die entstandene Lücke.
Grund zum Feiern, aber noch viel zu tun
Dass wir glimpflich davongekommen sind, zeigt die Richtigkeit des europäischen Weges. Allerdings deuten die Probleme in Spanien sowie in Großbritannien auch auf eine noch bestehende Schwäche der Außenbereiche des Systems hin.
Deutschland wird dank seiner zentralen Lage buchstäblich von allen Seiten durch eine Vielzahl an Leitungen sowie Stromquellen abgesichert. Spanien und England sind aufgrund ihrer Randlage deutlich dünner angeschlossen – vor allem UK.
Regenerative Energiequellen verteilen sich dezentral über große Flächen, was umfassende Stromleitungsnetze sowie Regulatorstationen erfordert. Spanien hat in den vergangenen Jahrzehnten drastisch umgebaut, um grünen Strom für ganz Europa bereitzustellen. Deshalb ist ihr Netz laut Experten auch mitunter enormen Stress ausgesetzt.
Es brauche deshalb allen voran mehr Stromspeicher und Mikronetze, die als Teileinheiten rasch abgeklemmt werden können, um das europäische Gesamtnetz noch früher und schneller als heute zu schützen. Aber insgesamt habe der Verbund der Infrastruktur so funktioniert wie geplant – aber mehr Verbindungen werden zukünftig dringend gebraucht.
Hochspannungsleitungen bilden das Rückgrat des europäischen Stromnetzes und neue sind fortlaufend in Planung sowie im Bau – wie die fast 1.000 Kilometer einer neuen in der Nordsee. Allerdings könnten auch 30-Meter-große Betonkugeln auf dem Grund der Meere entscheidend helfen, Netzstabilität sowie nachhaltige Energieversorgung abzusichern.
Meinung aus der Redaktion
Gerald Weßel
Vorfälle, wie der auf der iberischen Halbinsel sind tragisch und müssen die absolute Ausnahme bleiben – zu drastisch kann die Vielfalt an Folgen ausfallen. Aber gleichzeitig haben die Ereignisse ja gezeigt, dass sie selten sowie effektiv eindämmbar sind.
Die Sicherungsmaßnahmen der Strominfrastruktur haben gegriffen und noch Schlimmeres verhindert. Wenn hier gemeinsam angesetzt, das grüne Leitungsnetz dichter gewebt und die Zusammenarbeit intensiviert wird, lernen wir exakt das Richtige aus dem Spanien-Blackout.
Es gibt keine ernsthafte Alternative zum Ausbau regenerative Energiequellen aller Art und zugehöriger Stromspeicher. Fusionskraftwerke sind ein Puzzlestück für das Netz von übermorgen. Wichtig bleibt, was heute schon verlässlich funktioniert: Solar, Wind und Co. und vor allem der europäische Schulterschluss bei Infrastruktur.
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