Stalker 2 macht scheinbar alles richtig und das ist ein Problem

Die Grafik von Heart of Chernobyl ist der absolute Wahnsinn. Aber auch sonst erfreut der Tschernobyl-Shooter die Fan-Seele. Das könnte sich noch rächen.

von Peter Bathge,
15.06.2021 15:11 Uhr

Stalker 2: Heart of Chernobyl hat auf der E3 mit einem spektakulären Gameplay-Trailer für Aufsehen gesorgt. Redakteur Peter wirft einen Blick auf das Spiel hinter der Bombengrafik. Stalker 2: Heart of Chernobyl hat auf der E3 mit einem spektakulären Gameplay-Trailer für Aufsehen gesorgt. Redakteur Peter wirft einen Blick auf das Spiel hinter der Bombengrafik.

Stalker 2 und sein atmosphärischer E3-Trailer waren ohne Zweifel eines der Highlights der Microsoft-Show. Wow, sieht das gut aus! »Die fast fotorealistische Darstellung von Bäumen, Sträuchern und Felsen, die weichen Bewegungen der Spielerfiguren und die Größe des Levels lassen beinahe vergessen, dass da Szenen aus einem Spiel über den Schirm flimmern.« So lautete das Fazit der GameStar-Redaktion - und zwar zum ersten Stalker, als Petra Schmitz und Kollegen den Ego-Shooter Mitte 2002 zu sehen bekamen. Christian Schmidt schwärmte: »Grafisch ist das Projekt erste Sahne - die Wiesen und Ruinen wirken teilweise wie echt.«

Fast 20 Jahre später macht auch der Nachfolger durch seine famose Optik von sich reden. Doch die Parallelen enden noch lange nicht bei der Grafik - und das ist Absicht. Denn Entwickler GSC Game World weiß trotz neuer personeller Zusammensetzung offenbar weiterhin sehr genau, was die Serie ausmacht - und wie man die alten Fans begeistert.

Die E3-Präsentation von Stalker 2 war dann auch sorgfältig orchestriert. Aber ich finde: Sie war auch seltsam mutlos. Je länger ich über das Gezeigte nachdenke, umso mehr mache ich mir Sorgen darüber, was hinter der schönen Fassade steckt. Bei genauerer Betrachtung zeichnen sich nämlich bereits die ersten Risse im hübschen Tschernobyl-Spiele-Sarkophag ab.

Das muss noch nicht zwingend Grund zur Sorge sein, zeigt aber exemplarisch sehr gut, wie die Videospiel-Industrie insgesamt auf der Stelle tritt. Auch wenn wohl noch kein Spiel je so wunderschön an seinem bekannten Platz verharrt ist wie Stalker 2.

Der Autor
Peter Bathge hat Stalker damals als »Zivilist« gespielt; vor 14 Jahren war er noch kein echter Spieleredakteur, sondern nur News-Schreiberling. Im Rückblick erinnert er sich vor allem an die Berichte von Bugs zum Release und wie stark die ursprüngliche Stalker-Vision beschnitten werden musste (Fahrzeuge!), um das Spiel nach legendär langer Entwicklungszeit endlich fertig zu bekommen. Lustig: In der allerersten Stalker-Preview gab Petra den erwarteten Releasetermin noch mit Anfang 2003 an. Ha-ha. Ha.

Lagerfeuer, Gitarre, Gasmaske: Der E3-Trailer zu Stalker 2 ist purer Fan-Service, denn er liefert sehr genau das, was wir alle mit der Serie verbinden. Ich bin mir unsicher, ob das zwingend eine gute Sache ist. Lagerfeuer, Gitarre, Gasmaske: Der E3-Trailer zu Stalker 2 ist purer Fan-Service, denn er liefert sehr genau das, was wir alle mit der Serie verbinden. Ich bin mir unsicher, ob das zwingend eine gute Sache ist.

Stalker 2 sieht zu gut aus, um wahr zu sein

Ich habe es mit den Zitaten von 2002 ja schon angedeutet: Beim Durchwühlen des digitalen GameStar-Heftarchivs und der damaligen Previews zu Stalker: Oblivion Lost, wie es damals noch hieß, sind mir so einige Lobeshymnen über die Grafik des Ego-Shooters in Auge gestochen. Als das Spiel 2007 endlich erschien, war die Optik nur noch gut; drei Monate später kam Crysis und der Unterschied in Sachen Grafikqualität hätte nicht deutlicher sein können.

Ob Stalker 2 wieder so oft verschoben wird wie sein Vorgänger? Wer weiß! Aber selbst wenn alles mit dem Release zum 28. April 2022 klappt, stimmt mich der superschicke E3-Trailer nachdenklich bis skeptisch. Denn das sieht auf den ersten Blick alles eine Spur zu gut aus.

Dabei meine ich gar nicht so sehr die sehr detaillierten Nahaufnahmen der Gesichter. Die Technik dahinter ist beeindruckend, aber auch bewährt; die Entwickler haben sie bereits in einem früheren Video vorgestellt und die Unreal Engine ist eben sehr gut darin, lebensechte Computerfiguren zu generieren. Was bei mir eher zum argwöhnischen Lüpfen der Augenbraue führt, ist wie flüssig das Geschehen auf dem Bildschirm aussieht.