Die Steam Machine ist in aller Munde, aber ausgerechnet ihr neues Nischenprodukt halte ich für viel wegweisender

Meinung: Die Steam Frame könnte noch einflussreicher werden, als die Steam Machine. Es ist nämlich das erste SteamOS-Gerät mit ARM-Architektur.

Was bekommt man, wenn man die Hardware der neuen Steam Frame in ein Steam Deck steckt? Ich glaube, einen wegweisenden Schritt für die Zukunft von SteamOS. (Bildquelle: Valve) Was bekommt man, wenn man die Hardware der neuen Steam Frame in ein Steam Deck steckt? Ich glaube, einen wegweisenden Schritt für die Zukunft von SteamOS. (Bildquelle: Valve)

Die Steam Machine ist gerade eines der größten, wenn nicht sogar das größte Thema in der Gaming-Community. Warum ist nicht schwer zu erkennen. Zum ersten Mal in etwa zehn Jahren wagt Valve den Schritt zurück ins Wohnzimmer, das schon immer das Territorium der Konsolen war. 

Dennoch halte ich die Steam Frame, Valves neue Standalone-VR-Brille, für mindestens genauso wichtig. Ich glaube sogar, sie könnte einen noch größeren Einfluss auf die Zukunft von Steam und Valve haben – und das liegt an einem Grund:

Die Steam Frame ist der erste PC mit ARM-Architektur und SteamOS – und das ist wegweisend.

Video starten 6:16 Valve stellt drei neue Hardware-Produkte vor, darunter die Steam-Machine – einen winzigen Gaming-PC

Was bedeutet ARM-Architektur überhaupt?

ARM unterscheidet sich grundlegend von den klassischen PC-Chips auf x86-Basis. Während AMD und Intel seit Jahrzehnten auf maximale Leistung setzen, steht ARM für Effizienz. Die Architektur wurde ursprünglich für mobile Geräte entwickelt, etwa Smartphones, Tablets und inzwischen auch Laptops.

Apple hat mit seinen M-Chips eindrucksvoll gezeigt, was damit möglich ist: hohe Leistung bei gleichzeitig niedrigem Stromverbrauch. Dadurch entsteht auch weniger Abwärme, weshalb viele ARM-Geräte ohne aktive Lüfter gekühlt werden können – inklusive des MacBooks Air.

Genau diese Eigenschaften machen ARM auch für Handhelds und Streaming-Geräte interessant: lange Akkulaufzeit, wenig Abwärme, kompakte Bauweise.

Allerdings gibt es einen Haken: Die meisten PC-Spiele und Windows-Programme sind für x86-Prozessoren geschrieben. Auf ARM laufen sie nur über eine Emulationsschicht, was Leistungseinbußen oder Fehler zur Folge haben kann. 

Valve hat jedoch gezeigt, dass sie mit der Emulationsschicht Proton auf dem Steam Deck mit Linux-Basis eine exzellente Lösung gefunden haben – die meisten PC-Spiele sind problemlos unter SteamOS spielbar und zeigen oft sogar eine verbesserte Leistung als unter Windows.

Und genau hier wird es spannend: Wenn Valve ARM und SteamOS wirklich stabil zum Laufen bringt, dann reden wir nicht mehr nur über eine VR-Brille. Dann sprechen wir über ein Fundament, auf dem ein völlig neuer Handheld entstehen könnte.

Die Pforten für ein Steam Deck Lite sind offen

Bevor ein echtes Steam Deck 2 erscheint, könnte ich mir ein drittes Mitglied in der ersten Generation der Steam Decks vorstellen. 

Wenn ich von einem Steam Deck Lite rede, stelle ich mir nicht unbedingt einen kleineren Handheld vor, obwohl das mit der ARM-Architektur bestimmt möglich wäre, wie es Nintendo mit der Switch Lite gemacht hat.

Ich rede von einem Steam Frame, aber als Handheld. Eines der wichtigsten Features der Steam Frame ist die Möglichkeit, Steam-Spiele über eine dedizierte 6-GHz-Verbindung zum Headset zu streamen. Das verringert die Latenz und sollte für ein möglichst stabiles Spielerlebnis sorgen.

Die Steam Frame ist so ziemlich das Steam Deck Lite, wie ich es mir vorstelle, nur in einem anderen Gehäuse. (Bildquelle: Valve) Die Steam Frame ist so ziemlich das Steam Deck Lite, wie ich es mir vorstelle, nur in einem anderen Gehäuse. (Bildquelle: Valve)

Ein Steam Deck Lite müsste also keine Spiele mehr selbst berechnen, sondern streamt sie direkt von eurem PC oder der Steam Machine. Das spart auf dem Abspielgerät Strom, reduziert Hitze und könnte endlich die Akkulaufzeit bieten, die wir uns schon lange bei PC-Handhelds wünschen.

Allerdings mit einem begrenzten Einsatzbereich, schließlich benötigt ihr in diesem Szenario ein leistungsfähiges Gerät in der Nähe für das eigentliche Rendern der Spiele.

Sony hat gezeigt, wie es geht: Ich habe die PS Portal jetzt seit einigen Wochen sowohl für Cloud-Gaming (Erfahrungsbericht folgt) als auch für Remote-Play von der eigenen Konsole im Einsatz und bin positiv überrascht, wie gut das heute schon funktioniert.

Mit dem neuen dedizierten 6-GHz-Wi-Fi-Adapter der Steam Frame bin ich noch zuversichtlicher, dass Valve ebenso ein rundes Spielerlebnis bieten wird – wenn nicht sogar besser.

Und wenn wir schon bei der PS Portal sind: Valve könnte sich auch beim Preis und beim Design an dem Sony-Handheld orientieren.

Wenn so ein Handheld in erster Linie für Streaming gedacht ist, ist es nicht notwendig, besonders schnelle und vor allem teure Hardware-Komponenten zu verbauen. Sogar ein lüfterloses Design wäre möglich. Ein Preis von etwa 200 Euro wäre grandios. 

Ein neuer Weg für SteamOS: SteamOS ist jetzt mit ARM-Architektur kompatibel, was bedeutet, dass unter Umständen Android-Apps portiert werden können. Ein ARM-Handheld wäre dementsprechend auch mit Remote-Play- und Cloud-Gaming-Apps anderer Hersteller kompatibel.

Außerdem zeigen Apps wie Winlator und Gamehub schon heute, dass PC-Spiele auf Android per Kompatibilitätsschicht spielbar sind. Wir dürfen also gespannt sein, was Valve mit SteamOS auf ARM auf die Beine stellt. 

Damit das überhaupt funktioniert, hat Valve nämlich eine neue Übersetzungsschicht namens FEX entwickelt. Sie übersetzt den x86-Code von PC-Spielen in ARM-Befehle, ähnlich wie Proton Windows-Spiele unter Linux lauffähig macht. Das kostet zwar ein wenig Leistung, funktioniert laut Valve aber erstaunlich gut.

Vielleicht ist die Steam Machine das große Comeback ins Wohnzimmer, aber die wahre Revolution könnte uns erst noch bevorstehen.

Wie seht ihr das? Hättet ihr Interesse an einem günstigen Steam Deck mit ARM-Chip, der primär als Streaming-Handheld für PC und Steam Machine dienen soll? Schreibt es uns gern in die Kommentare! 

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