Sowohl die PlayStation 5 (Pro) als auch die Xbox Series X werden mit Fokus auf die 4K-Auflösung beworben, und dasselbe gilt für die neue Steam Machine.
Man kann gleichzeitig vortrefflich darüber streiten, ob der Mini-PC von Valve als Konkurrenz zu den etablierten Konsolen anzusehen ist oder nicht.
Fest steht aber: Valve selbst visiert auch den Haupteinsatzbereich von PS5 Pro & Co. explizit an, genauer gesagt das Wohnzimmer. Das lässt sich vor allem an zwei Punkten festmachen:
- Valve verkauft die Steam Machine prominent mit den Worten
Ihre Spiele auf großen Bildschirmen
und nennt als ersten Einsatzort dafür einen Platz unter dem Fernseher (auch der Schreibtisch sowie ein Versteck unter einer Banane werden genannt, letzteres natürlich scherzhaft und in Bezug auf die kompakte Größe). - In puncto Auflösung und Performance ist der Fokus klar:
FSR-unterstützte[s] 4K-Gaming mit 60 FPS dank eines modifizierten AMD-Prozessors und einer dedizierten Grafikkarte
.
Das Problem: Wirklichkeit und Anspruch klaffen im Hinblick auf die verwendete Hardware weit auseinander. Das gilt insbesondere, aber nicht nur aufgrund des knapp bemessenen VRAMs mit einer Größe von 8,0 GByte und trotz Berücksichtigung der Upscaling-Technik FSR (dazu später mehr).
6:16
Valve stellt drei neue Hardware-Produkte vor, darunter die Steam-Machine – einen winzigen Gaming-PC
Wie viel 4K-Fähigkeit wirklich jeweils in der Hardware steckt, kann man mit Blick auf die PS5 (Pro) und die Xbox Series X ebenfalls berechtigt fragen.
Warum diese Frage bei der neuen Steam Machine aber klar am drängendsten ist, verdeutlich der Vergleich mit den technischen Daten der aktuellen Konsolen, dem wir uns nun widmen.
Steam Machine vs. PS5 Pro und Xbox
Auf Wunsch in den Kommentaren und für die Vollständigkeit findet ihr auch die Switch 2 in der folgenden Tabelle.
Bedenkt aber, dass sie im Gegensatz zu den anderen Produkten auf Nvidia-/ARM-Hardware setzt statt auf AMD-/x86-Hardware, wodurch sie eine weniger gut vergleichbare Sonderstellung einnimmt.
| Steam Machine | PlayStation 5 Pro | PlayStation 5 | Xbox Series X | Switch 2 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Chip-Hersteller | AMD | AMD | AMD | AMD | Nvidia |
| CPU-Kerne/Threads | 6C/12T (4,8 GHz) | 8C/16T (3,8 GHz) | 8C/16T (3,6 GHz) | 8C/16T (3,6 GHz) | 8C (1,7 GHz) |
| CPU-Architektur | Zen 4 (x86) | Zen 2 (x86) | Zen 2 (x86) | Zen 2 (x86) | Tegra (ARM) |
| GPU | 8,8 Teraflops (max. 2,45 GHz) | 16,7 Teraflops (max. 2,35 GHz) | 10,3 Teraflops (max. 2,23 GHz) | 12,1 Teraflops (max. 1,85 GHz) | 4,3 Teraflops (max. 1,4 GHz) |
| GPU-Shader | 1.792 | 3.840 | 2.304 | 3.328 | 1.536 |
| GPU-Architektur | RDNA3 | RDNA3 + RDNA4 (Raytracing) | RDNA2 | RDNA2 | Ampere |
| RAM | 8 GB GDDR6 + 16 GB DDR5 | 16 GB GDDR6 + 2 GB DDR5 | 16 GB GDDR6 | 10 GB (560 GByte/s) + 6 GB (336 GByte/s) GDDR6 | 12 GB LPDDR5X |
| Interner Speicher | 512 GByte / 2 TByte | 2 TByte | 825 GByte | 1 TByte | 256 GByte |
| Preis | unbekannt | ca. 729 Euro | ca. 500 Euro | ca. 550 Euro | ca. 460 Euro |
Die Leistung der Steam Machine ist bereits in der Theorie beziehungsweise in Sachen Teraflops knapp unterhalb der PlayStation 5 und der Xbox Series X anzusiedeln (trotz aktuellerer RDNA3-Architektur). Sie besitzt mit 8,0 GByte GDDR6 außerdem deutlich weniger Videospeicher als die Konsolen.
Da die PlayStation 5 und die Xbox Series X im Gegensatz zu der Steam Machine nicht über zwei verschiedene Arten von Systemspeicher verfügen, stehen ihre 16,0 GByte zwar nicht komplett der GPU zur Verfügung.
Aber selbst wenn man etwa 2,0 bis 4,0 GByte davon abzieht, bleiben immer noch 12,0 bis 14,0 GByte übrig – und damit wesentlich mehr als im Falle der Steam Machine. Von der PS5 Pro mit ihrem zusätzlichen DDR5-Speicher für das System ganz zu schweigen.
Doch wie passt das alles mit Valves 4K-Versprechen zusammen und inwieweit können PS5 & Co. dem besser, aber immer noch längst nicht in vollem Umfang gerecht werden?
Eine Frage der Perspektive und des Spiels
Ehrlich gesagt passt es überhaupt nicht mit dem 4K-Versprechen von Valve zusammen. Die Leistung der Steam Machine im Bereich einer Radeon RX 7600 und ihre 8,0 GByte VRAM schreien hundertmal lauter Full HD
als 4K
.
Aber warum macht Valve das trotzdem?
- Einerseits, weil sie grundsätzlich nicht lügen: Die Steam Machine kann Bilder in 4K mit 60 FPS ausgeben, und in technisch weniger anspruchsvollen Titeln geht das auch in nativer Auflösung oder spätestens mithilfe von Upscaling via FSR.
- Andererseits, weil in Wohnzimmern wie bereits angesprochen nun mal Fernseher mit 4K-Auflösung seit Jahren etabliert sind und auch immer mehr PC-Spieler entsprechende Monitore besitzen.
Denkbar ist dabei, dass die aktuell bereits im Gang befindliche (und durchaus absehbare) Speicherkrise Valves Entscheidung für die Wahl der VRAM-Menge beeinflusst hat. Kritisch betrachten kann man sie aber dennoch.
Warum sich der 4K-Fokus auch bei den Konsolen bemängeln lässt
Wir haben unseren Konsolen-Experten Chris Werian von der GamePro um eine Einschätzung gebeten, wie viele Spiele auf der PS5 (Pro) und Xbox Series X in nativem 4K mit 60 FPS laufen. Seine Antwort:
- Etwa 30 bis 40 Prozent, wenn man davon ausgeht, dass den größten Teil Indie-Spiele ausmachen.
- Im Hinblick auf große AAA-Titel mit offenen Spielwelten und besonders guter Grafik geht die Anzahl laut Chris stattdessen sogar eher gegen Null.
Nun ist es grundsätzlich nicht wichtig, dass Spiele in nativer 4K-Auflösung und mit 60 FPS oder mehr laufen, so lange sie gut genug aussehen und der Spielspaß nicht durch Probleme bei der Darstellung oder andere Faktoren wie eine schlechte Performance getrübt wird.
Die Konsolen laufen aber deutlich weniger Gefahr, hier in Schwierigkeiten zu geraten als die Steam Machine. Das liegt nicht nur an der jeweiligen Hardware, sondern auch an der Software.
Die lässt sich wesentlich besser für ein geschlossenes System mit stets identischer Hardware optimieren (= die Konsolen) als für offene Plattformen mit vielen unterschiedlichen Hardware-Konstellationen (= Geräte mit Windows oder Linux wie im Falle der Steam Machine).
6:01
Unboxing und erster Eindruck: Ein neuer Steam-Controller, aber nicht von Valve
Eine falsche Erwartungshaltung
Wer sich die Steam Machine in der Hoffnung kauft, all seine Lieblingsspiele in 4K mit 60 FPS genießen zu können, der wird enttäuscht (zumindest, wenn er nicht gerade nur kleine Indie-Titel zockt).
In vielen Spielen wird es nicht nur nötig sein, aggressives Upscaling dafür zu verwenden, sondern auch die Grafikdetails müssten reduziert werden, und das teilweise stark.
Beides Faktoren, die sich in einer sichtbar schlechteren Bildqualität äußern, die man nicht auf einem 4K-Fernseher (oder Monitor) sehen will, egal ob PC- oder Konsolen-Spieler.
Mehr zur neuen Steam-Hardware: Mit dem Steam Frame könnte Valve denselben Weg wie beim Steam Deck gehen - und holt damit selbst mich als VR-Muffel ab
Warnsignale gibt es dafür, auch von Valve selbst. So haben sie gegenüber GamersNexus gesagt, dass die Steam Machine nicht zu einem Konsolenpreis erscheinen wird, sondern zu den Kosten für einen Einsteiger-PC (was auch immer das genau heißen mag).
Und Einsteiger-PCs sind nun mal keine Rechner, die sich wirklich für das Spielen in 4K eignen.
Ich hätte mir deshalb gewünscht, dass Valve die Steam Machine ehrlich als das bewirbt, was sie ist: Ein kompakter PC für das Spielen in Full HD.
Ein generelles Problem?
Auch bei den Konsolen sehe ich den 4K-Fokus kritisch. Wer sich nicht so gut auskennt, liest vermutlich aus Ausstattungsmerkmalen wie »4K-Display-fähiges Gaming« (Sony zur PS5), dass er stets in 4K zocken wird.
Wie bereits erwähnt ist das Spielen in nativer 4K-Auflösung nicht entscheidend, um viel Spaß haben zu können. Ich würde mir aber dennoch auch bei PS5 (Pro) und Xbox Series X eine ehrlichere beziehungsweise genauere Vermarktung im Hinblick auf die Auflösung wünschen.
Vielleicht hätte Valve dann auch weniger den Drang verspürt, in Bezug auf die Steam Machine von »FSR-unterstütztem 4K-Gaming mit 60 FPS« zu sprechen, obwohl sie dazu meiner Einschätzung nach in der Spielepraxis nur sehr eingeschränkt fähig sein wird.
Lasst mich gerne in den Kommentaren wissen, wie ihr die Steam Machine im Hinblick auf ihre 4K-Fähigkeit beurteilt und ob ihr euch generell überlegt, sie euch anzuschaffen!

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.