Project Songbird ist für mich so ein klassisches Wallpaper-Spiel. Ich knipse nämlich die gesamten sieben Spielstunden hindurch etwa 500 Screenshots pro Minute – also schätzungsweise.
Denn das Indie-Spiel sieht wunderschön aus, hüllt mich direkt in seine entspannte Atmosphäre ein und lässt mich von einem Wochenende in einer einsamen Hütte in einem dichten Wald abseits jeglicher Zivilisation träumen. Frische Luft, die leichte Windbrise in meinem Gesicht, das fröhliche Zwitschern von Vögeln, das Rascheln der Büsche, weil dort gerade etwas vorbeigelaufen ist ... äh, Moment, was?!
Je länger ich drüber nachdenke: Ich genieße diese Idylle lieber in der Sicherheit meiner eigenen vier Wände und mit einem 4K-Monitor als Schutzschild. Denn Project Songbird bleibt nicht immer so friedlich. Hinter der schönen Fassade verbirgt sich eine herzzerreißende und dunkle Geschichte – und eine derart unheimliche Knobelei, dass ich stellenweise Angst habe, weiterzuspielen. Genau deshalb muss ich euch Project Songbird unbedingt empfehlen!
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Neues Story-Horrorspiel entführt euch in die Appalachen – und da gibt es nur eine Regel: Habt ihr was gehört? Nein, habt ihr nicht!
Firewatch-Idylle trifft auf dunkle Abgründe
In Project Songbird schlüpfe ich in die Rolle von Dakota. Weil mein Produzent darauf drängt, dass ich mein nächstes Album so schnell wie möglich fertig stelle, lasse ich mich auf einen Deal ein: Ich fahre für einen Monat in den dichten Wald in den Appalachen, um mich von der Einsamkeit und der Natur inspirieren zu lassen.
Doch wenn der Alltagsstress um mich herum verstummt, werden die Stimmen im Kopf, all die unterdrückten Erinnerungen, Selbstzweifel und Schuldgefühle immer lauter. Entspannte Spaziergänge durch den Wald, zum Radioturm oder über wunderschöne Lichtungen – die mich sehr stark an die Atmosphäre und den Look von Firewatch erinnern – werden schnell zu Verfolgungsjagden.
Die angenehmen, freundschaftlichen Gespräche mit meinem Produzenten über das Walkie-Talkie werden zunehmend distanzierter und feindseliger. Denn natürlich erwachen die Monster in meinem Kopf zum Leben und locken mich immer tiefer in Dakotas ganz persönliche Abgründe.
Kostenlose Steam-Demo
Project Songbird ist ab dem 26. März 2026 auf Steam verfügbar und kostet gerade mal 15 Euro, bis zum 2. April gibt es sogar noch 10 Prozent Rabatt. Außerdem könnt ihr eine kostenlose Demo runterladen. Die Demo ist nicht Teil des fertigen Spiels, sondern eine Art Prequel, vermittelt aber schon einen guten Eindruck von Atmosphäre, Kampfsystem und anderen Gameplay-Mechaniken.
Übrigens: Das Spiel hat eine deutsche Übersetzung für Texte und UI, die (sehr gute) Vertonung gibt es aber nur auf Englisch.
Rätsel, die mir das Blut in den Adern gefrieren
Project Songbird ist ein klassischer Walking Simulator, der seinen Fokus auf seine Story und Rätsel setzt. Gerade die Puzzles sind es, die mich begeistern. Erwartet nicht, dass das Indie-Horrorspiel das Genre komplett auf den Kopf stellt und das Rad neu erfindet. Oft muss ich bestimmte Gegenstände zusammensuchen, um weiterzukommen. Oder ich platziere Gemälde an die richtigen Stellen, um geheime Durchgänge zu offenbaren. Klassische Walking-Sim-Rätsel eben.
Dann überrascht mich das Spiel aber immer wieder mit kleinen Knobeleien, die mich fast schon mit ihrer Atmosphäre erdrücken. An einer Stelle muss ich beispielsweise die richtigen Noten auf einem Keyboard spielen, während mir im Nacken ein Monster sitzt, das mit keuchendem Atem und polternden Schritten auf mich zu rennt. Da rutscht selbst einem eingefleischten Horror-Fan wie mir das Herz in die Pyjama-Hose, ich sag's euch!
An einer anderen Stelle vermischen sich all die Schreie, das Weinen und die erdrückende Stille in Dakotas Kopf zu einer lauten Kakophonie. Ich muss selbst herausfinden, wie ich meinen Weg hindurch finde.
Story und Rätsel gehen Hand in Hand. Mit jedem Hinweis, den ich finde, um im Alptraum voranzukommen, verstehe ich Dakotas Vergangenheit immer mehr. Obwohl ich schon nach nur wenigen Stunden weiß, wie das Spiel enden wird – ist der Abschluss dennoch ein Schlag in die Magengrube.
So, Conner, are you okay? Are you okay, Conner?
Falls ihr bereits die Demo zu Project Songbird gespielt habt, dann habt ihr wahrscheinlich gemerkt, dass der Entwickler Conner Rush eine Meta-Ebene eröffnet. Seine persönlichen Erfahrungen verweben sich mit den Themen, die auch Dakota beschäftigen.
An dieser Stelle deshalb eine kleine Triggerwarnung: Wenn ihr mit Themen wie Suizid, Depression, Alkoholismus oder Zukunftsängsten hadert, dann seid gewarnt – all das kommt im Spiel vor.
Auf der einen Seite durchsprengt Conner mit seinen Einschüben die vierte Wand, was einen spannenden neuen Aspekt ins Spiel bringt und die Ereignisse spätestens hier sehr nahbar macht. Auf der anderen Seite mache ich mir fast schon Sorgen um Conner, wenn er von seinen Selbstzweifeln erzählt und gesteht, wie sehr ihm negative Rezensionen zu seinen Spielen ans Herz gehen.
Conner, falls du das hier liest: Ich habe dir aus Versehen eine 1 als Bewertung für das Spiel hinterlassen. Das wollte ich nicht, ich habe die Steuerung nur nicht verstanden! Fettes Sorry dafür!!
Nicht jedes Spiel braucht Kämpfe
Mein größter Kritikpunkt: Um die ergreifende Story und die coolen Rätsel erleben zu können, muss ich mich durch ein aufgesetztes und klobiges Kampfsystem durchschlagen. Mit einer Axt, einem Revolver und einem Gewehr kann ich mich gegen Monster verteidigen. Ich sammle Munition und Heiltabletten und muss mich an vielen Stellen an Gegnern vorbeizwängen oder auf direkte Konfrontation gehen.
Entwickler Conner gibt selbst zu, dass er das Kampfsystem nur eingebaut hat, weil ihm dazu geraten wurde. Schließlich würden Spiele, in denen wir uns wehren können, mehr Leute ansprechen.
Ich halte mal wieder die Fahne für Walking Simulatoren hoch: Wenn ein Spiel von seiner Atmosphäre, seinem Setting und seiner Geschichte getragen werden kann, dann braucht es nicht auf Biegen und Brechen auch ein Kampfsystem. In Project Songbird zerstört es das Spiel nicht, aber seid gewarnt, dass es hier und da etwas friemelig werden könnte.
Wer aber über die Schwächen des Spiels hinwegsehen kann und mal wieder Bock auf einen atmosphärischen Walking Simulator hat, dem kann ich Project Songbird nur ans Herz legen. Für knapp 15 Euro bekommt ihr hier sieben Stunden voller Augen- und Ohrenschmaus, garniert mit fantastischen Rätseln und einem Setting, das ich am liebsten gar nicht mehr verlassen hätte.
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