Es gibt eine Frage, die mich als Kind fast so sehr beschäftigt hat, wie das Rätsel, wohin eigentlich immer die zweite Socke eines Paares verschwindet: »Wie zur Hölle mache ich diesen coolen Move, bei dem Ryu einen blauen Energie-Ball aus den Händen schießt?«
Mittlerweile weiß ich die Tastenkombination für den Hadouken natürlich, aber ich habe damals wirklich stundenlang vor dem Super Nintendo gesessen und wie wild auf den Knöpfen herumgedrückt. Wenn ich dann aus Versehen die richtige Abfolge erwischt habe, war ich stolz wie Oskar.
All diese Erinnerungen rollen wie eine Welle über mich hinweg, als ich mir den neuen Street Fighter anschaue. Die kleine Franzi sitzt im Kino und staunt über die gut choreographierten Kampfszenen und die Spezialmanöver, die sie damals selbst kaum ausführen konnte.
Street Fighter hat zwar auch seine Schwächen, aber die werden bei dem Fokus, den der Film setzt, ganz schnell nebensächlich.
Hadouken für die Leinwand
Die Story schwimmt genau auf dieser Nostalgie-Welle: In einer Zeit, in der MTV noch das absolute Nonplusultra ist, treffen die einstigen Rivalen Ryu (Andrew Koji) und Ken Masters (Noah Centineo) nach Jahren wieder aufeinander.
Beide sollen an dem berüchtigten World Warrior Tournament teilnehmen, das Oberschurke M. Bison (David Dastmalchian) nur ausrichtet, um insgeheim seine eigenen finsteren Pläne zu verfolgen. Um ihn aufzuhalten, müssen Ryu und Ken aber erst einmal ihr eigenes Beziehungsdrama aus der Welt schaffen – irgendwo muss die Motivation für die fröhlichen Prügeleien ja herkommen.
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Der neue Kino-Trailer zu Street Fighter feuert einen ikonischen Kampf-Move nach dem nächsten ab
Ganz ehrlich, die Story ist hier nur Mittel zum Zweck. Die eigentliche Stärke von Street Fighter liegt darin, das völlig überdrehte Setting und die teils absurde Lore in einen Film zu verwandeln.
Genau wie in den Spielen mutiert hier nahezu jeder beliebige Ort zur Arena – selbst eine nebelige Sauna. Ja, die berühmte Stage von Sumo-Ringer E. Honda (Hirooki Goto) aus Street Fighter 2 hat es auch in den Film geschafft. Hier geht es jedoch nicht um exzessives Button-Smashing – die kleine Franzi wäre enttäuscht – sondern darum, mit Taktik und Geschick den Move des Gegners vorauszusehen und zu kontern.
Jeder Tritt und jeder Feuerball sitzt. Sobald ich den Spinning Bird Kick von Chun-Li (Callina Liang) oder den Sonic Boom von Guile (Cody Rhodes) sehe, sitze ich sofort aufrecht in meinem Kinosessel. Hier sticht vor allem Dhalsim-Darsteller Vidyut Jammwal hervor, der genau dieselben wabbeligen und enorm beweglichen Schultern hat wie sein Videospiel-Zwilling mit den verlängerbaren Gliedmaßen. Im Ernst: Hat der Typ überhaupt Knochen?
Es ist, als hätte man Dhalsim einfach aus dem Fernseher rausgezogen und in die Arena gestellt, was im Übrigen auch für die anderen Figuren gilt. Egal, ob Guiles (Cody Rhodes) bizarre Frisur (die sogar zu einem Popcorn-Eimer geworden ist) oder Blanka (Jason Momoa) als grüner menschlicher Mutant mit orangen Haaren – der Film umarmt die Absurdität und die bunte Lore der Reihe, überspitzt sie und nimmt sich dabei natürlich nicht allzu ernst.
Selbst der steife Oberschurke M. Bison (David Dastmalchian) sucht weiterhin nach der Optimierung seiner Psycho Power, was für Außenstehende wohl eher nach einer ausgedachten Superkraft aus einem Kinder-Cartoon klingt. Mittlerweile hat der Begriff einfach einen wunderbar albernen Beigeschmack.
Kreative 2D-Animation trifft auf überschaubare Story
Zwischen all den wilden Prügeleien und den bunten Lichtern von Mexiko-City werden hier und da animierte Szenen eingestreut. Dabei unterbrechen die 2D-Animationen zu keinem Zeitpunkt den Fluss der Story, sondern fügen sich eher wie ein fehlendes Puzzleteil ein – ganz so wie die Anime-Intros in Street Fighter 4.
Die Sequenzen werden häufig dafür genutzt, die Hintergrundgeschichten der Figuren kurz und knapp zu erläutern. So werde ich als Zuschauerin nicht damit gelangweilt, dass Ken mir in einer Märchenstunde erst einmal erzählt, was mit seinem alten Mentor Gouken passiert ist.
So viel Spaß diese animierten Passagen auch machen: Die Handlung des Films an sich ist nicht wirklich komplex und an manchen Stellen löchriger als ein Schweizer Käse. Aber ich erwarte von einer Filmadaption eines Fighting Game keine bahnbrechende Geschichte à la Inception, die mich Nächte lang wach hält.
Ich bin für die Action und die Figuren da, die mich durch meine Kindheit begleitet haben und mir ein kleines Stück der Unbeschwertheit von früher zurückbringen. Und dessen ist sich der Film nur allzu bewusst.
Primär spricht Street Fighter natürlich Hardcore-Fans an, die das Kino mit einer langen Liste von Easter Eggs wieder verlassen. Dennoch schafft es der Film – dank der Animationen – auch Zuschauer und Zuschauerinnen abzuholen, die vielleicht nur gelegentlich in die Videospiel-Reihe eintauchen und nicht allzu tief in der Lore drin sind.
Ich hatte mit Street Fighter jedenfalls meinen Spaß und werde ihn mir auf jeden Fall erneut anschauen, wenn er im Streaming landet. Die coolen Spezialattacken muss ich wirklich noch einmal genauer unter die Lupe nehmen! Street Fighter könnt ihr euch hierzulande ab dem 15. Oktober 2026 auf der großen Leinwand ansehen. Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr schon einen Termin für euren Kinobesuch? Schreibt es uns gerne in die Kommentare.
Ich MUSS euch noch einen kleinen Fun-Fact mitgeben: Vega wird in Street Fighter vom südafrikanischen Country-Sänger Orville Peck gespielt, der sein Gesicht in der Öffentlichkeit immer hinter einer Maske mit langen Fransen verbirgt. Auch seine Figur trägt eine Maske, um sein Antlitz im Kampf vor Kratzern und Verletzungen zu schützen. So wissen Fans weder im Film, wie Vega wirklich aussieht, noch in der Realität.
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