Wer denkt, dass Solaranlagen Feldflächen zerstören, liegt falsch: Es stellt sich heraus, dass Vögel und Insekten viel besser unter ihnen leben

Eine britische Studie zeigt, dass Solarparks gut für die Artenvielfalt sein können.

Solaranlagen können einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten. (Bildquelle: Michael Förtsch on Unsplash) Solaranlagen können einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten. (Bildquelle: Michael Förtsch on Unsplash)

Steht die Menschheit sich oft selbst mit der Angst um die Natur im Weg? Wer bisher geglaubt hat, dass große Solarparks auf Freiflächen wertvollen Lebensraum zerstören, muss jetzt zumindest teilweise umdenken.

Eine aktuelle Studie der britischen Vogelschutzorganisation RSPB (Royal Society for the Protection of Birds) in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Cambridge belegt nämlich das Gegenteil: Wenn Solaranlagen naturverträglich bewirtschaftet werden, entpuppen sie sich als unerwartete Oasen für die Tierwelt.

Die Forscher fanden heraus, dass sich zwischen und unter den Modulen fast dreimal so viele Vögel tummeln, wie auf benachbarten, konventionell genutzten Äckern.

Statt in Konkurrenz zur Natur zu treten, können Solaranlagen nicht nur das Klima schützen, sondern auch die Artenvielfalt erhalten, so die Forscher.

Video starten 0:31 Solarenergie, Windkraft – und Wellenenergie: Wie ein Startup riesigen »Stromkugeln« für das Meer entwickelt hat, um eine dritte Quelle erneuerbarer Energie zu nutzen

Das Erfolgsrezept: Wilde Natur statt englischer Rasen

Für die Studie, die im Fachmagazin Bird Study veröffentlicht wurde, untersuchten Forscher der RSPB und der Universität Cambridge verschiedene Solarparks in der ostenglischen Agrarregion East Anglia.

Dabei verglichen sie zwei Typen von Anlagen: Die einen wurden intensiv bewirtschaftet, besaßen keine Hecken und das Gras wurde von Schafen kurzgehalten. Die anderen verfügten über Hecken an den Rändern und verzichteten auf die Beweidung durch Schafe und regelmäßiges Mähen.

Der Unterschied war groß: Wo die Natur zwischen den Modulen aufblühen durfte, entstand eine enorme Vielfalt an Wildpflanzen. Und diese boten die perfekte Nahrungsgrundlage und Nistmöglichkeiten für die Vogelwelt.

Rettung für bedrohte Feldvögel

Besonders erfreulich für Naturschützer: Nicht nur war die absolute Zahl von Vögeln in den wilderen Solarparks fast dreimal so hoch, auch stark bedrohte Arten profitierten deutlich.

Dr. Joshua Copping, Naturschutzwissenschaftler bei der RSPB und Hauptautor der Studie, sieht darin eine große Chance: »Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass naturverträglich bewirtschaftete Solarparks einen wichtigen Beitrag leisten und die Auswirkungen der landwirtschaftlichen Intensivierung auf diese Arten und andere Wildtiere in der umliegenden Landschaft abmildern könnten.«

Mehr zum Thema: Kohle, Öl und Gas hatten nie eine Chance gegen Solar und Wind – der Grund? Er findet sich in Autofabriken auf den Fließbändern

Die richtige Standortwahl ist entscheidend

Die Erkenntnisse kommen zu einer Zeit, in der der Ausbau erneuerbarer Energien oft in Konkurrenz zum Naturschutz oder der Landwirtschaft gesehen wird.

Dr. Catherine Waite von der Universität Cambridge fasst die Lösung zusammen: »Angesichts der sich überschneidenden Klima- und Biodiversitätskrise ist eine effiziente Landnutzung von entscheidender Bedeutung. Unsere Studie zeigt, dass man durch eine bestimmte Art der Steuerung der Solarenergieerzeugung nicht nur saubere Energie bereitstellt, sondern auch der Biodiversität zugutekommt.«

Einen Freifahrtschein für den unregulierten Bau von Solaranlagen bedeutet die Studie allerdings nicht. Die RSPB-Experten betonen ausdrücklich, dass Solarparks nicht auf hochwertigen landwirtschaftlichen Böden, in ökologischen Risikogebieten oder bestehenden Naturschutzgebieten errichtet werden sollten.

zu den Kommentaren (1)

Kommentare(2)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.