Als Bandai im Sommer 2023 ein neues Tamagotchi angekündigte, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich bin ohnehin sehr anfällig für Nostalgie und Retro-Spielkram – also hat es mich sofort gepackt.
In meiner Kindheit hatte ich selbst so ein Spielzeug, ehrlicherweise jedoch einen Klon, da das Original damals kein Schnäppchen war.
Das Tamagotchi Uni hat einen kleinen Hype ausgelöst und meine YouTube-Timeline war irgendwann voll mit passenden Video-Reviews, Tipps und so weiter.
Der Nostalgietrip startet
Im letzten Jahr überraschte mich dann meine Freundin zum Geburtstag mit dem neuen Spielzeug – und ich war schwer begeistert.
Es kommt im Vergleich mit der Original-Version nämlich mit vielen neuen Features, denn selbstverständlich geht auch ein Spielzeug mit der Zeit.
Die aktuelle Generation bietet unter anderem:
- Ein Farbdisplay
- Viele verschiedene Tamagotchi-Arten mit unterschiedlichen Charakteren.
- Mehrere Mini-Games
- Ein »Tamaverse«, in dem man Spieler auf der ganzen Welt treffen und sich bei Events mit ihnen messen kann.
- DLCs mit eigenen Kostümen, Möbeln, Mini-Games und mehr.
- Neue Funktionen, die über Updates ausgespielt werden.
- Ein Babysitter-Modus
Was mich an dem Spielzeug besonders begeistert hat, waren die vielen Inhalte, von denen ich in den 90er Jahren nur träumen konnte.
Man kann sich in Mini-Games »Gotchi Dollar« verdienen, die man wiederum in Outfits, Möbel oder ganze Zimmer investieren kann.
Zudem gibt es verschiedenste Aktivitäten und regelmäßig weltweite Events mit eigenen Spielen, in denen man sich mit anderen Nutzern messen kann.
Abwechslung durch DLCs und Co.
Und wenn es langweilig wird, dann kann man zu einem DLC greifen, der neue Figuren, Outfits und Spiele mitbringt. Davon gibt es kostenlose, aber auch welche, die mit ein paar Euro zu Buche schlagen.
Mit einem der letzten Updates kam außerdem noch eine Pokémon-Go-ähnliche Funktion, bei der man unterwegs Tamagotchis finden und dafür Auszeichnungen erhalten kann.
Dabei sucht das Gerät nach WLAN-Netzwerken in der Nähe und gibt pro unterschiedlichem Netzwerk eine zufällige Figur aus. Das Ziel ist es natürlich, möglichst alle zu bekommen. Also muss man viel herumlaufen.
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Der Alltag holt mich ein
Also ihr merkt schon, ich schwärme immer noch ein bisschen von diesem kleinen Spielzeug. Allerdings kam irgendwann der Punkt, an dem ich es nicht mehr ertragen konnte. Das hängt im Grundsatz mit zwei Dingen zusammen.
Einerseits habe ich gemerkt, wie viel Zeit das Tamagotchi frisst. Ich kann mich erinnern, dass das auch schon damals als Kind so war.
In der neuen Generation sollte jedoch der Babysitter-Modus für Abhilfe sorgen. In dem Modus wird das Tamagotchi tagsüber betreut, ohne dass man sich selbst kümmern muss.
Allerdings funktioniert dieses Feature nur in einem festgelegten Zeitraum (zwischen 8 und 18 Uhr oder so in dem Dreh), der nicht immer mit den eigenen Arbeitszeiten oder Aktivitäten übereinstimmt.
Hinzu kommt, dass selbst das Kümmern davor und danach einiges an Zeit kostet.
Man muss das Tamagotchi schließlich füttern, waschen, auf Spaziergänge schicken, Spiele spielen – sonst wird es nämlich unglücklich und das möchte man nicht. Im erwachsenen Alter, bei voller Berufstätigkeit und Partnerin, muss ich sagen, dass das gar nicht so einfach ist.
Andererseits ist mir noch etwas klar geworden, was ich so gar nicht mag: Wenn Technik mir ein schlechtes Gewissen macht.
Obwohl das Tamagotchi genau genommen nur eine Software ist, vermenschlicht man sie, weil man eben eine kleine Figur sieht, um die man sich kümmert.
Und die weint mal, schreit, ist wütend – wie ein Mensch auch. Es kam also durchaus vor, dass ich mich schlecht fühlte, wenn ich den kleinen Kerl mehrere Tage hintereinander beim Babysitter geparkt oder einfach vergessen habe, ihn zu füttern, weil ich unterwegs war.
Irgendwann war die Luft raus
Sechs volle Monate habe ich das mit dem Tamagotchi durchgezogen, obwohl ich eigentlich schon nach einigen Wochen keine Lust mehr hatte. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich einen Schlussstrich gezogen habe.
Mein Charakter musste mehrere Male aufgrund akuten »Nichtkümmerns« ins Krankenhaus und landete dann irgendwann tatsächlich auf dem Friedhof. Natürlich löste auch das schwere Schuldgefühle in mir aus – immerhin war ich nun ein Mörder.
Dann habe ich das einzig Richtige getan: Ich habe es ausgeschaltet.
Vor einigen Wochen habe ich es dann noch einmal eingeschaltet, hatte dann aber nach wenigen Tagen erneut genug. Meine Erkenntnis: Offenbar bin ich einfach zu alt dafür.
Fazit: Ein nettes Spielzeug – aber nicht mehr für mich
Für Kinder allerdings sehe ich das Tamagotchi Uni als ein cooles Spielzeug. Es bietet deutlich mehr Funktionen und Spielspaß als die Ur-Version von 1996.
Ob man seinem Kind so einen Zeitfresser kaufen möchte, steht aber natürlich auf einem anderen Blatt.
Kennt ihr das Tamagotchi Uni oder habt es vielleicht selbst? Erwischt ihr euch manchmal beim inneren Drang, ein altes Spielzeug zu kaufen? Oder könnt ihr mit so einem Zeug rein gar nichts anfangen? Teilt mir eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren mit!
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