Bevor ich zur Erklärung komme, gibt es erst mal eine ernüchternde Antwort: Nein, euer Handy kann sehr wahrscheinlich nicht die Temperatur messen.
Vor allem nicht, wenn ihr dafür eine angebliche »Thermometer«-App verwendet.
Zwar hat jedes moderne Smartphone Temperatursensoren verbaut – diese messen allerdings nicht das Wetter, sondern die Hitze des Prozessors und des Akkus.
Das ist ein reiner Schutzmechanismus für das Handy und hängt nicht mit dem Wetter in eurer Umgebung zusammen.
Durch diese Technologie werden eure Handys nicht zu heiß und fahren ihre Leistung rechtzeitig herunter, um Hardwareschäden zu vermeiden.
Dennoch gibt es einzelne Ausnahmen, in denen ihr euer Handy als Thermometer verwenden könnt – ein großer Teil bleibt dabei aber wohl mehr Theorie als Praxis.
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Der große Mythos der »Thermometer«-Apps und warum sie zu 99 Prozent Humbug sind
Wenn ich im App-Store oder bei Google Play nach »Thermometer« suche, finde ich Hunderte kostenlose Apps, die alle dasselbe Versprechen haben: die Raumtemperatur präzise zu messen.
Das ist in den allermeisten Fällen eine dreiste Lüge, da herkömmliche Smartphones die nötigen Außensensoren nicht besitzen.
Einige Apps versuchen zwar, die Temperatur des internen Akkus auszulesen und diese per Algorithmus mit den lokalen Online-Wetterdaten eures Standorts zu verrechnen.
Doch selbst das liefert verfälschte Ergebnisse, weil die Eigenwärme des Handys fast nie die echte Umgebungstemperatur widerspiegelt.
Eine grobe Annäherung klappt theoretisch nur, wenn euer Smartphone sehr lange ungenutzt im Raum liegt.
Aber selbst dann fehlen den Anwendungen entscheidende physikalische Faktoren wie die echte Raumluft, die Luftfeuchtigkeit oder die aktuelle Sonneneinstrahlung für eine verlässliche Messung.
Mit zehn Millionen Downloads ist die »Thermometer++«-App eines der erfolgreichsten Hitze-Tools – Ich habe sie ausprobiert
Um eine entsprechende App zu testen, habe ich im Google Play Store nach der am meisten heruntergeladenen Anwendung gesucht. Dabei handelt es sich um »Thermometer++«.
Die App gibt an, die inneren Sensoren meines Smartphones auszulesen und diese mit den Daten an meinem Standort über andere Wetter-Apps abzugleichen.
Für ein präzises Ergebnis soll ich dafür meine Hülle sowie mein Ladekabel entfernen und einige Minuten warten, bis sich das Gerät an die Raumtemperatur anpasst.
Was in der Theorie vielversprechend klingt, stellt sich in der Praxis als unpräzise heraus.
So zeigt mir die App einen Wert von 23,9 Grad an, während mein echtes Thermometer 28,7 Grad misst. Ein deutlicher Unterschied, der sich auch nach längerer Ruhezeit meines Smartphones nicht verändert hat.
Während die »Thermometer++«-App wenigstens noch eine Annäherung liefert – oder zumindest versucht, euch ein echtes Ergebnis zu berechnen – gibt es dreiste Fake-Apps, die einfach die aktuellen Wetterdaten eures Standorts abrufen und diese als Raumtemperatur ausgeben.
Echte Raumtemperatur-Sensoren gibt es eigentlich in keinem Handy.
Samsung hat beim Galaxy S4 zwar versucht, eine präzise Messeinheit zu verbauen, das hat jedoch nicht geklappt, da die Eigenwärme des Handys die Ergebnisse regelmäßig verfälscht hat.
Es gibt eine Ausnahme: Und die hängt mit der Hardware eures Smartphones zusammen
Dass Handys andere Temperatursensoren verbaut haben als die zur Regulierung der eigenen Temperatur, kommt unwahrscheinlich und selten vor – ist aber tatsächlich bereits Realität.
Manche Smartphones wie das Google Pixel 8 Pro oder Pixel 9 Pro haben eine spezielle Technik zum Messen verbaut und können beispielsweise mit dedizierten Infrarot-Sensoren die Temperatur in der Umgebung erfassen.
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Die Raumtemperatur lässt sich damit zwar nicht direkt messen, aber die Oberflächentemperatur von verschiedenen Gegenständen kann man damit ermitteln.
So könnt ihr unter anderem Objekte wie Schreibtischplatten oder Kaffeetassen auf ihre Wärme überprüfen und auch eure Körpertemperatur tracken.
Abschließend lässt sich also sagen, dass sich euer Handy nicht zum Messen der Raumtemperatur eignet. Wenn ihr herausfinden wollt, wie warm es in eurer Umgebung ist, bleibt am Ende immer noch bloß der klassische Weg über das Thermometer – egal ob digital oder analog.

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