Es gibt einen Mythos in der Tech-Welt, der seit Jahrzehnten kursiert: Teure Kabel seien besser. Dabei geht es nicht zwingend darum, ob man 10 Euro oder 50 Euro zahlt. Richtig teure elektrische Strippen gibt es auch für mehrere tausend Euro.
Ich räume in diesem Artikel ein für alle Mal mit der Legende auf und verrate euch, ob sich teure Kabel wirklich lohnen – oder nicht.
Digitale Kabel
Einen Zahn kann ich euch direkt ziehen: Kabel, welche digitale Signale verwenden, werden in aller Regel nicht besser, wenn ihr mehr Geld dafür zahlt. Hier greift das Alles-oder-nichts-Prinzip. Zu digitalen Kabeln gehören unter anderem:
- HDMI
- DisplayPort
- DVI
- SDI
- USB
- Thunderbolt
Besonders HDMI wird gerne Opfer von Slogans wie »am besten klingende HDMI-Kabel«. Da die Signale in der Schnur digital übertragen werden, hat eine solche Aussage keine Basis.
Entweder überträgt das Kabel ein digitales Signal oder nicht; die Ton- oder Bildqualität spielt dabei keine Rolle.
Derselbe Fall bei USB oder Thunderbolt: Das Kabel überträgt nicht mehr Daten oder besitzt eine höhere Leistung, wenn bessere Materialien verwendet werden. Das hängt wenn dann von der Spezifikation ab, nicht von der Qualität.
Egal ob HDMI, USB oder Ethernet, wichtig ist am Ende vor allem die Zertifizierung. Für alle wichtigen Kabel gibt es vorgegebene Mindestanforderungen. Sind die erfüllt, dann kann die Schnur 10, 50 oder 100 Euro kosten, am Ende bekommt ihr dasselbe für euer Geld.
Analoge Kabel
Ein wenig komplizierter wird es bei analogen Kabeln. Hier kann der Preis eine Rolle spielen, allerdings nicht in Bezug auf die Signalqualität. Zu analogen Kabeln gehören unter anderem:
- Cinch
- Klinke
- XLR
- Lautsprecherkabel
- VGA
- Composite
Bei analogen Kabeln spielen Materialien und die Abschirmung eine wichtige Rolle, weil elektrischer Strom durch das Kabel geleitet wird.
- Leitfähigkeit: Je geringer der Widerstand, desto weniger Signalverluste entstehen, vor allem bei langen Leitungen.
- Abschirmung: Andere elektromagnetische Quellen können Störungen hervorrufen.
- Steckverbindungen: Je nach verwendetem Material kann das Korrosion vorbeugen (etwa Gold oder Kupfer).
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Kurzum: Teure analoge Kabel können qualitativ höher sein, liefern aber keinen besseren Klang oder ein besseres Bild. Hier geht es vor allem um die Signalstabilität.
Wichtig bei analogen Kabeln ist, dass ihr nicht zu den billigsten greift. Bei schlechter Verarbeitung kann es zu Brummen, Wackelkontakten und Signalverlusten kommen.
Achtung, Ausnahmen
Natürlich gibt es auch hier kein Schwarz oder Weiß. Sowohl bei digitalen als auch analogen Kabeln gibt es Ausnahmen, die allerdings meist nicht auf euren Alltag zutreffen.
Gründe, die für ein teureres Kabel sprechen könnten:
- Besonders lange oder dünne Kabel
- Längere oder sogar lebenslange Garantie
- Eingebaute Features außerhalb der Bild- und Audioübertragung (zum Beispiel Ethernet)
- Kabel für Spezialanwendungen (beispielsweise HDMI-Glasfaser für große Entfernungen)
- Geringe Mikrophonie (kein Knistern, wenn Kabel bewegt wird)
- Trittfeste Ummantelung (zum Beispiel auf Bühnen im Live-Einsatz)
Fazit
Ganz simpel ausgedrückt: Nein, teure Kabel sind nicht gleich besser. In den meisten im Alltag üblichen Fällen zahlt ihr bei »High-End-Kabel« fürs Marketing.
Bei digitalen Kabeln spielt die Verarbeitung keine Rolle; bei analogen Kabeln können die verwendeten Materialien Einfluss auf Leitfähigkeit, Abschirmung oder Korrosion haben.
Es gibt Ausnahmen, etwa, wenn ihr ein besonders langes Kabel braucht oder eines für Spezialanwendungen. Dann bewegen wir uns überwiegend aber außerhalb des häuslichen Gebrauchs.
Ihr könnt euch Geld sparen, indem ihr auf Zertifizierungen achtet. Viele handelsübliche Kabel für den täglichen Gebrauch müssen Standards erfüllen, um ein Gütesiegel zu erhalten. Solange das auf der Verpackung klebt, seid ihr sicher.
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Unter Audiophilen gibt es Kabel, die jegliches Budget sprengen. Dort kann ein »High-End-Audio-Kabel« schon mal fünfstellig kosten. Es werden dann zwar mehrheitlich teure Materialien verwendet wie zum Beispiel Gold, aber das hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinerlei Auswirkung auf die Audioqualität, zumindest nicht im menschlich hörbaren Bereich.
Mittelklassekabel sind also völlig ausreichend.

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