KI-Einsatz ist oft fragwürdig: Ausgerechnet dank eines neuen Oscar-Films sehe ich das jetzt anders

Meinung: In der Nachbearbeitung von The Brutalist kam KI zum Einsatz, um die Akzente der Schauspieler authentischer zu machen – und das ist okay.

KI und Kunst muss sich nicht gegenseitig ausschließen. (Bild: yta - adobe.stock.com) KI und Kunst muss sich nicht gegenseitig ausschließen. (Bild: yta - adobe.stock.com)

Vorgestern sorgte eine Neuigkeit für kollektives Luftanhalten bei Filmfans: Dem Oscar-Anwärter The Brutalist wurde der Einsatz von KI vorgeworfen (JoBlo). Eigentlich ein Dolchstoß für jede Art von Kunst.

Die Macher gehen mit dem Thema allerdings offen um und geben zu, KI verwendet zu haben, allerdings als letzten Strohhalm. So wie Künstliche Intelligenz hier mit Kunst zusammengebracht wurde, bin ich glücklich.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Schreiben war schon immer Teil seines Berufslebens: Angefangen mit Reiseausschreibungen in seiner Ausbildung als Reiseverkehrkaufmann über TV-Listings als Programm-Redakteur (ihr wisst schon, diese öden Spalten in den Tages- und Wochenzeitungen) bis zum Technischen Redakteur in einer IT-Firma hat er nahezu alles in Worte gebannt. Die Tech-Affinität kam erst mit dem Redakteursposten bei einem mittlerweile eingestellten Technikmagazin dazu, obwohl ihm das Konsolenzocken bereits in die Wiege gelegt wurde. Seine Eltern hüpften schon früh mit Ex-Klempnern auf Schildkröten. In seiner Freizeit geht Maxe vor allem seinem Hobby, dem Schreiben, nach. Als Milian Ventus veröffentlicht er Bücher, die man in jedem Buchhandel kaufen kann. Außerdem hat er eine Weiterbildung zum Lektor gemacht. Wenn er die Tastatur nicht unter den Fingern hat, dann Animes, Mangas und Bücher vor den Augen, die er gerne in seinem Podcast 'Lesen und Lesen Lassen' bespricht.

KI im Oscar-Film: Was ist passiert?

The Brutalist wird der Einsatz von KI vorgeworfen, genauer beim ungarischen Akzent des Hauptdarstellers Adrien Brody. Das führte zunächst dazu, dass einige den Abgesang in Bezug auf die Oscar-Nominierung von Brody angestimmt haben (Independent).

Regisseur Brady Corbet gibt sogar zu, KI eingesetzt zu haben. So sagt er in einem Interview mit Deadline:

Die Darbietungen von Adrien und Felicity [Jones, Anm. d. Red.] sind ganz und gar ihre eigenen. Sie haben monatelang mit dem Dialekt-Coach Tanera Marshall gearbeitet, um ihre Akzente zu perfektionieren. Die innovative Respeecher-Technologie wurde nur bei der Bearbeitung der Dialoge in ungarischer Sprache eingesetzt, um bestimmte Vokale und Buchstaben zu verfeinern und zu präzisieren. Die englische Sprache wurde nicht verändert. Dies war ein manueller Prozess, der von unserem Tonteam und Respeecher in der Postproduktion durchgeführt wurde. Ziel war es, die Authentizität der Darbietungen von Adrien und Felicity in einer anderen Sprache zu bewahren, sie nicht zu ersetzen oder zu verändern, und das mit größtem Respekt vor dem Handwerk.

Im selben Artikel kommt auch der Editor von The Brutalist, Dávid Jancsó, zu Wort. Der ist für die Nachbearbeitung zuständig und rückt den Einsatz von KI in Perspektive.

Der gebürtige Ungar sagt, dass sie die KI Respeecher der Geschwindigkeit wegen eingesetzt haben. Es wäre nur darum gegangen, hier und da die ungarische Sprache authentischer klingen zu lassen. Man könnte das auch mit den bisherigen Werkzeugen in der Postproduktion tun, aber bei der schieren Menge an ungarischen Dialogen, hätten sie ewig dafür gebraucht und die Deadline verpasst.

Zusammengefasst geht es also darum, dass KI hier nicht mit Kunst vermischt wurde, sondern die Arbeit an der Kunst viel leichter gemacht hat – und genauso darf KI mit Kunst verbunden werden, wenn es nach mir geht.

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KI ist keine Kunst, kann aber helfen, welche zu machen

Seit das Thema KI im Herbst 2023 in der breiten Masse angekommen ist, ist sie aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Für mich ist das vollkommen in Ordnung so, denn KI kann sehr hilfreich sein. Ich lasse mir zum Beispiel Filmempfehlungen von ChatGPT geben.

Und obwohl KI und Kunst beide mit demselben Buchstaben beginnen, sollte man das eine nicht vom anderen erstellen lassen. Als Beweis dient mir der Trailer zum ersten KI-Film.

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Natürlich gibt es Menschen, die KI trotzdem nutzen, um mit dem daraus entstehenden Produkt Kasse zu machen. Das zeigt der Fall einer brasilianischen Autorin aus dem letzten Jahr, die im Monat zwei Romane schreibt, ohne viel zu tippen.

Ach ja und dann gibt es noch die ganzen KI-Virtuosen, die uns Computergemachtes als Kunst verkaufen wollen. Zum Glück wisst ihr dank unseres Guides, woran ihr KI-Kunst erkennt.

Warum finde ich den Einsatz von KI bei The Brutalist also gut? Ganz einfach: Hier wurde keine generative KI verwendet, um etwas von Grund auf neu zu erschaffen.

  • KI wurde mit Bedacht genutzt: Es ging hauptsächlich darum, Zeit und Geld zu sparen.
  • KI hat nicht in das Werk an sich eingegriffen: Die Schauspieler und Schauspielerinnen performen selbst.
  • KI hat Barrieren aus dem Weg geschafft: Ungarisch ist eine wahnsinnig komplexe Sprache; die fehlerfrei zu sprechen, ist schwierig. Hier unterstützt die KI das Verständnis von Muttersprachlern und soll den Film authentischer machen.

Natürlich bleibt am Schluss immer noch die Frage, woran KIs trainiert wurden. Das führt immer wieder zu Kontroversen, wie der Aussage, dass OpenAIs Sora angeblich mit Twitch-Streams trainiert wurde. Diese Kontroverse wird uns aber vermutlich noch lange begleiten. Deshalb verstehe ich auch, wenn Kunstschaffende gar nicht auf KI setzen möchten.

Ich sehe in diesem Fall wie Editor Jancsó. Gegenüber Deadline sagte er:

Wir sollten eine sehr offene Diskussion darüber führen, welche Werkzeuge uns die KI an die Hand geben kann. [...] Wir nutzen KI, um diese winzig kleinen Details zu schaffen, für die wir weder das Geld noch die Zeit hatten, sie zu drehen.

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Ich selbst nutze KI zum Strukturieren meiner Buchreihe. Ich habe alles in Dateien auf dem Rechner, aber um den Überblick zu behalten, habe ich mir einen Prompt bei ChatGPT erarbeitet, den ich immer wieder fürs Brainstorming innerhalb meiner eigens erschaffenen Welt nutze. KI kann Kunstschaffenden helfen, weswegen ich glaube, dass wir dem offen gegenüberstehen sollten.

Solange keine ganzen Filme aus der Konserve entstehen, sondern nur Akzente nachbearbeitet werden, bin ich damit glücklich. Ich bin gespannt, wie das Oscar-Komitee den Fall sieht und Adrien Brody als besten Hauptdarsteller nominieren wird. Schließlich wartet Andy Serkis immer noch auf seinen wohlverdienten Preis – und das nur wegen Motion Capture.

Was steht ihr zu KI? Unbedingt Finger weg oder findet ihr den Einsatz wie in The Brutalist gerechtfertigt? Schreibt es in die Kommentare.

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