»Ich habe alle meine TikToks gelöscht« – Influencerin warnt vor Abmahnungen und Strafen durch falsche Musikauswahl und erklärt, worauf ihr bei euren Videos achten müsst

Wer auf TikTok kommerzielle Absichten verfolgt oder einen Business-Account hat, muss bei der Musikauswahl in der Kurzvideo-App aufpassen.

Auf TikTok gibt es immer mehr Creator, die vor Abmahnungen und Geldstrafen warnen. (Bildquelle: TikTok-Screenshot: Klaraaaslife; KI-generierter Inhalt, Gemini, Prompt: Aaron Hofmann) Auf TikTok gibt es immer mehr Creator, die vor Abmahnungen und Geldstrafen warnen. (Bildquelle: TikTok-Screenshot: Klaraaaslife; KI-generierter Inhalt, Gemini, Prompt: Aaron Hofmann)

Instagram, YouTube und auch TikTok sind für ihre Kurzvideos bekannt, die häufig mit aktuellen Liedern oder neuesten Musik-Trends unterlegt sind.

Die sogenannten »Sounds« werden dabei von der App selbst zur Verfügung gestellt. Sie könnten euch aber eine Abmahnung einbringen, wenn ihr ein Business-Konto besitzt oder kommerzielle Absichten verfolgt.

Dann greift nämlich rasch das Urheberrecht: Ein Lied, das ihr privat noch problemlos verwenden konntet, führt im geschäftlichen Kontext schnell zu rechtlichen Konsequenzen.

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Auf TikTok wimmelt es deshalb gerade von Videos, in denen Creator vor drohenden Abmahnungen und Strafen warnen – so auch die TikTokerin Klaraaaslife, die sicherheitshalber all ihre Videos gelöscht hat.

Wer jetzt denkt, dass das kein weit verbreitetes Problem ist, der irrt sich. Viele nutzen einen Business-Account aufgrund der zusätzlichen Funktionen – etwa um zu überprüfen, wie gut die eigenen Videos geklickt werden.

Ein solcher Account ist auf TikTok nämlich erschreckend schnell angemeldet, da ihr nichts nachweisen müsst. Der Wechsel klappt in wenigen Schritten – ein prüfender Blick in die Kontoeinstellungen lohnt sich also definitiv.

TikTok trennt die Musikbibliothek in zwei Welten

Wie weit die Unwissenheit verbreitet ist, zeigt das Video der Creatorin. Mit ihrer Warnung vor der Abmahnfalle ist sie nicht nur viral gegangen, sondern hat eine echte Welle der Überraschung in den Kommentaren ausgelöst.

In ihrem Video erklärt sie, dass TikTok seine Musikbibliothek in zwei Sparten eingeteilt hat. Während Privatpersonen Zugriff auf fast jeden aktuellen Charthit für ihre Clips haben, steht Personen mit kommerziellen Absichten rechtlich nur die kommerzielle Musik-Bibliothek zur Verfügung.

»Wenn man mit TikTok Geld verdienen will – auch wenn man das gerade noch nicht macht – und versucht, eine Community aufzubauen und Reichweite zu erzielen, dann bist du eine Person, die mit TikTok kommerzielle Absichten verfolgt«, erklärt Klaraaaslife weiter und betont, dass viele dennoch auf die allgemeine Soundbibliothek zugreifen.

So findet ihr lizenzfreie Musik auf TikTok:
Die passende Musikbibliothek filtern

Wenn ihr ein Business-Konto nutzt, schränkt TikTok die Auswahl nicht immer automatisch ein. Möchtet ihr auf Nummer sicher gehen oder Musikrechte filtern, hilft euch die gezielte Auswahl direkt in der App.

  • Öffnet das Sound-Menü: Auf das Plussymbol für ein neues Video tippen und oben die Soundauswahl aufrufen.
  • Wechselt die Kategorie: In der Suchleiste nach kommerziellen Klängen oder gezielten Playlists filtern.
  • Weitet eure Optionen aus: Für eine tiefere Recherche am Desktop das Creative Center von TikTok nutzen.
Der integrierte Copyright-Check vor dem Upload

Im TikTok-Menü könnt ihr unter dem Punkt Menü »Weitere Optionen« ein zusätzliches Sicherheitsnetz einschalten. Das ist besonders wichtig, wenn ihr eigene Sounds hochladet oder bei der Musikauswahl unsicher seid.

  • Ruft das Menü auf: Im letzten Erstellungsfenster vor dem Teilen ganz unten auf die weiteren Optionen tippen.
  • Aktiviert Filter: Den Schieberegler für die automatische Überprüfung auf Urheberrechte antippen.
  • Wartet das Ergebnis ab: Das direkte Feedback der App prüfen und bei Warnungen den Sound rechtzeitig austauschen.

Standardmäßig werden beide Bibliotheken in der App angezeigt – auch wenn ihr von einem normalen Konto zu einem Geschäfts-Account gewechselt seid.

Nutzt ihr dann immer noch einen beliebten Trend-Song, begeht ihr eine Urheberrechtsverletzung und könntet eine teure Abmahnung sowie eine Geldstrafe erhalten.

Größere Creator und vor allem Musiker haben auf der Plattform teilweise ein Sonderrecht. Durch ausgehandelte Lizenzverträge – etwa wenn Künstler beim selben Label unter Vertrag stehen – ist die Musiknutzung für bekanntere Influencer deutlich leichter.

Abmahnungen sind keine Seltenheit

Auch Anwälte warnen deshalb regelmäßig vor dieser Falle. Es gibt ganze Kanzleien, die im Auftrag der Plattenlabels fast ausschließlich damit beschäftigt sind, entsprechende Abmahnungen zu erstellen.

Die durch YouTube und Professor Christian Solmecke bekannte Anwaltskanzlei WBS Legal schreibt auf ihrer Website: »Wer einen gewerblichen TikTok-Account besitzt, darf tatsächlich viele Musikstücke, die von der Plattform bereitgestellt werden, nicht nutzen.«

Abmahnungen und Zahlungsaufforderungen sind dabei keine Seltenheit. Die Kanzlei empfiehlt, immer erst einen erfahrenen Fachanwalt hinzuzuziehen, bevor ihr Unterlassungserklärungen unterschreibt oder Gelder überweist.

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Dass Privatpersonen die Musik auf TikTok völlig frei verwenden dürfen, liegt daran, dass viele Musiklabels einen Vorteil in der Kurzvideo-Plattform sehen und deshalb spezielle Lizenzverträge vereinbart haben.

Diese Regelungen gelten allerdings nur für die rein private Nutzung. Ein kommerzieller Gebrauch ist standardmäßig ausgeschlossen und kann genau zu diesen tückischen Abmahnungen führen.

Aufgepasst bei Instagram und Co.

Auf Instagram ist die Lage vergleichsweise entspannt geregelt, da die Plattform die Musikauswahl je nach Kontotyp oft automatisch einschränkt oder die kommerzielle Nutzung klarer benennt.

»Unsere Vereinbarungen mit den Rechteinhabern beschränken sich lediglich auf die persönliche, nichtkommerzielle Nutzung von Musik. Konten, die nicht auf unsere lizenzierte Musikbibliothek zugreifen können, steht die Sound Collection von Facebook zur Verfügung«, erklärt Meta in den Musikrichtlinien für Instagram.



TikTok erweist sich hier als deutlich gefährlicher, zumal jede Person eigene Sounds hochladen und benennen kann. Es ist in der Vergangenheit dadurch bereits mehrfach passiert, dass geschützte Musik von Dritten hochgeladen und fälschlicherweise als »freie Nutzung« angezeigt wurde. Wer darauf reinfällt, haftet trotzdem.

Immerhin bietet TikTok in den Einstellungen einen Filter an, mit dem ihr gezielt nach lizenzfreien Tracks suchen könnt. Am Ende hilft jedoch nur ein eigenständiger Gegencheck der Musikrechte. Alternativ bewährt es sich, komplett lizenzfreie Musik zu nutzen, wie sie von Urgesteinen wie Kevin MacLeod seit Jahren angeboten wird – das ist eine sichere Bank für eure Videos.


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