Hass im Gaming ist leider noch immer ein Problem. Schon 2022 fragten wir unsere Community, ob sie bereits im Gaming-Kontext angefeindet worden sind. Bei über 3.800 Teilnehmern bejahten 89 Prozent diese Frage - ein Großteil von ihnen verwies auf Anfeindungen in Online-Spielen.
Obwohl es mittlerweile Gesetze wie den Digital Services Act zur Bekämpfung von Hass im Internet gibt, fehlt es an vielen Stellen an Beratung und Hilfe für Betroffene.
Mit dem Support von namhaften Influencern wie Fabian Siegismund, Daniel Budiman und Janina Hille starte Ende Mai die Beratungsstelle für Betroffene von Hass, Diskriminierung und Rechtsextremismus im Gaming. Das Ziel: Spielerinnen und Spieler darüber zu informieren, wie sie mit Hass im Gaming umgehen sollten und was sie tun können, wenn sie selbst angefeindet werden.
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Die Beratungsstelle ist Teil des Projekts Good Gaming Support der Amadeu Antonio Stiftung, das seit 2025 Betroffene, pädagogische Fachkräfte und Eltern zu Toxizität und Rechtsextremismus im Gaming aufklärt.
Es war Teil des Bundesprogramms »Demokratie leben!« des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Das Programm fördert seit 2015 zivilgesellschaftliche Projekte gegen Extremismus und Radikalisierung.
Zum Ende des Jahres 2026 werden Good Gaming Support die Fördermittel entzogen (via Gameswirtschaft). Hintergrund ist der Umbau von »Demokratie leben!« durch Familienministerin Karin Prien (CDU), von dem neben Good Gaming Support rund 200 weitere Projekte betroffen sind. Auf die Frage nach Fortsetzung von Good Gaming Support verweist das Ministerium auf die Möglichkeit zur erneuten Bewerbung.
Für weitere Hintergründe zum Umbau von »Demokratie leben« empfehlen wir euch den Bericht der Tagesschau.
Auf LinkedIn äußert sich Projektleiter Mick Prinz frustriert:
Alleine im letzten halben Jahr haben wir ordentlich abgeliefert:
➡️ Mehr als 20 Vorträge und Workshops in Jugendeinrichtungen, für Games-Deveolper, in Schulen, Bibliotheken, Behörden und Co.
➡️ 6 Interviews, vom sympathischen Videospiel-Podcast bis zum ARD Mittagsmagazin war alles dabei.
➡️ 3 Sammelband-Beiträge sind entstanden, u.a. in einem Sammelband der Deutsche Hochschule der Polizei zum Thema Rechtsextremismus im Gaming.
➡️ Launch eines bundesweiten Beratungsangebots für Betroffene von Hass im Gaming, good-gaming-support.de u.a. mit Testimonials von etablierten Gaming Creator*innen wie Janina Hille, Daniel Budiman und Fabian Siegismund
➡️ Ein Hub voller Artikel zu Themen wie rechtsextreme Codes im Gaming oder ein How to digitale Zivilcourage in Ingame-Chats.
➡️ Mehr als 70 Interaktionen im Bereich Digital Streetwork/Beratung, vor allem für Entwickler*innen und User*innen auf Gaming-Plattformen.
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Es frustriert umso mehr, dass ein gut laufendes Projekt zum Jahresende eingestellt werden soll. Das Bundesprogramm Demokratie leben! wird neu ausgerichtet und alle laufenden Projekte werden abgesägt. Kernargument ist die Überprüfung von Wirksamkeit – das ist ja auch irgendwie verständlich. Mittel zum Erhalt der Demokratie sollen eben auch genau dafür verwendet werden. Dieser Kahlschlag stützt sich jedoch auf keinerlei Evaluation oder etwaiger Auswertung von Projektgoals. Hätte man hier auch nur einen Blick riskiert, würde die Wirksamkeit mehr als deutlich werden.
Wie geht es jetzt weiter?
Für den Rest des Jahres 2026 läuft erstmal alles weiter wie geplant. Konkret heißt das, Betroffene von Hass im Gaming können und sollen sich weiterhin an die Beratungsstelle wenden. Neue Förderaufrufe unter den neuen, angepassten Richtlinien können ebenfalls bereits eingereicht werden.
Wie es danach weitergeht, ist noch unklar.
Was bleibt, ist ein gleichbleibender, wenn nicht sogar wachsender Bedarf an Hilfsangeboten zum Thema Hass im Gaming. Nicht nur zeigen Umfragen wie unsere, aktuelle Forschungsgutachten zu Extremismus im Gaming oder übergreifende Studien wie Lauter Hass, Leiser Rückzug, dass Hass und extremistische Einflussnahme vor allem jüngere Spielerinnen und Spieler treffen. Sie zeigen auch, wie wichtig auf Gaming zugeschnittene Präventionsmaßnahmen sind, die das Medium kennen und nicht auf alten Vorurteilen basieren.