Wer mit dem Lesen von E-Books liebäugelt, wird früher oder später über zwei Namen stolpern: Kindle und Tolino.
Der Kindle stammt vom Internet- und Versandriesen Amazon und Tolino ist das Gemeinschaftsprodukt von führenden deutschen Buchhändlern wie Thalia, Hugendubel und Osiander.
Beide haben zwei günstige und einsteigerfreundliche Geräte im Sortiment, die in einem Bereich sogar teurere Modelle schlagen. Ich habe beide ausprobiert und verrate euch, zu welchem ich lieber greife.
Design und Verarbeitung – Style oder Haptik?
Optisch ähneln sich beide E-Reader ziemlich. Beide besitzen ein versenktes Display mit breiten Rändern, an denen ihr das Gerät sicher greifen könnt, ohne versehentliche Touch-Eingaben zu machen. Dieses Design mag altmodisch wirken, aber genau deswegen gefällt es mir besser als bei Modellen mit flachem Display, wie etwa dem Kindle Paperwhite.
Das Kunststoff-Gehäuse des Kindles wirkt hochwertig, ist aber etwas glatt. Der Tolino hat eine etwas rauere Oberfläche und eine grob texturierte Rückseite, die ausgezeichneten Halt bietet.
Der Kindle kommt dafür auch in einer gutaussehenden Matcha-Farbe. Den Tolino Shine gibt es leider nur in langweiligem Schwarz. Wenn ihr den optisch etwas aufwerten wollt, dann müsst ihr euch eine passende Hülle besorgen (die offizielle mit der Farbe »Garden Green« sieht dem Matcha-Kindle sehr ähnlich).
Den Tolino Shine könnt ihr dank IPX8 mit zum Pool oder in die Badewanne mitnehmen. Ein kurzes Eintauchen wird das Gerät ohne Probleme überstehen. Der Kindle hat enttäuschenderweise keinen Wasserschutz.
Auch wenn mir der Kindle optisch etwas besser gefällt, gewinnt in dieser Kategorie der Tolino, dank seiner griffigen Oberfläche und IPX8.
Display: Beide sind scharf und kontrastreich
In dieser Hinsicht schlagen beide E-Reader sogar teurere Modelle. Wer gerne reine Textbücher liest und auf die Darstellung von Farben verzichten kann, sollte sich dem aktuellen Stand nach eher ein Gerät mit Monochrom-Display holen, wie eines dieser beiden.
Der Text wird auf beiden Geräten knackscharf und kontrastreich dargestellt. Die Seiten erstrahlen in einem Weiß, das an Papier erinnert. Das ist beim Kindle Colorsoft und Tolino Shine Color nicht so; bei diesen Geräten sieht das Display nie wirklich ganz weiß aus.
Beide Geräte bieten euch einen Dunkelmodus (invertierter Modus), solltet ihr lieber mit schwarzen Seiten und weißer Schrift lesen wollen.
Beim Kindle fehlt jedoch eine Einstellung zur Steuerung der Farbtemperatur. Hier könnt ihr lediglich die Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung verändern oder deaktivieren. Der Tolino Shine kann die Farbtemperatur automatisch nach Zeitplan oder manuell verändern. So lest ihr abends mit einem wärmeren Licht, das die Augen schont.
Der Kindle leuchtet etwas heller, aber beim Tolino könnt ihr die Wärme der Beleuchtung einstellen. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Unterm Strich besitzen beide Geräte exzellente Bildschirme, die sich perfekt zum Lesen von textbasierten Büchern eignen.
Der Tolino Shine bekommt trotzdem den Punkt wegen der Farbtemperatur-Einstellung.
Ökosystem: Amazon-Garten vs. offene Spielwiese
Hier werden sich die Gemüter spalten.
Der Kindle reiht sich perfekt in das Amazon-Ökosystem ein, was ein großer Vorteil für viele und für andere ein K.-o.-Kriterium ist.
Der heutige Internetgigant startete ursprünglich als Buchhändler und hat eine riesige Auswahl an deutschen und internationalen Büchern. Für die meisten von ihnen gibt es Leseproben, und nach dem Kauf stehen euch die E-Books in nur wenigen Sekunden auf dem Kindle zur Verfügung. Mit Kindle Unlimited gibt es außerdem einen Abo-Dienst, der euch Zugriff auf einen großen Katalog von E-Books bietet.
Wer nur E-Books bei Amazon kauft, erhält mit dem Kindle ein größtenteils reibungsloses Nutzererlebnis.
Umständlicher wird es, wenn ihr auch Bücher aus anderen Quellen lesen möchtet. Diese müsst ihr dann mit einer Drittanbieter-Software, wie etwa Calibre, für Kindles konvertieren und übertragen. Das Ganze erinnert mich ein wenig an meine Zeit mit iTunes und dem iPod Touch.
Alternativ nutzt ihr den Send-to-Kindle-Dienst, bei dem ihr eure E-Books zu Amazons Servern sendet und diese dann die Bücher auf euren Kindle schickt.
Wisst ihr, was viel einfacher wäre? E-Reader und Computer per USB verbinden und die Dateien einfach in einen Ordner ziehen.
Beim Tolino funktioniert das genauso. Der E-Reader wird von PCs und Smartphones ganz einfach als Datenträger erkannt. Kompatible E-Books ziehe ich dann einfach in den Ordner »Books«.
Im Gegensatz zu Amazon ist das Ökosystem kein eingezäunter Garten, sondern eine offene Spielwiese. Bei Bedarf lassen sich Bücher trotzdem direkt auf dem Gerät von Händlern wie Thalia oder Osiander kaufen – aber man muss nicht, weil Sideloading eben ganz unkompliziert ist.
Als Alternative zu Kindle Unlimited gibt es Skoobe. Damit habt ihr Zugriff auf eine große Bibliothek aus E-Books und Hörbüchern für knapp 13 Euro im Monat (übrigens ist »Skoobe« einfach »EBooks« rückwärts gelesen).
Onleihe: Dieses Feature wird offiziell nur von Tolino- und Pocketbook-Geräten unterstützt. Damit könnt ihr E-Books, im Rahmen eurer Mitgliedschaft bei der örtlichen Bibliothek, ausleihen. Die Bücher sucht ihr einfach auf eurem Gerät aus und leiht sie bis zu 21 Tage lang aus. Das ist ein richtig starkes Argument für den Tolino, sollte eure Stadtbibliothek Teil des Onleihe-Programms sein.
Beide Geräte unterstützen das Anhören von Hörbüchern über Bluetooth-Kopfhörer oder -Lautsprecher. Klinkenstecker gibt es bei beiden nicht.
Ob euch die einfache Handhabung des Amazon-Ökosystem oder der offene Ansatz des Tolinos mehr liegt, müsst ihr für euch selbst entscheiden. Mich persönlich spricht der Tolino in dieser Hinsicht mehr an.
Software: Beide sind langsam, aber beim Tolino ist noch mehr Geduld nötig
E-Reader sind notorisch langsam in der Bedienung, vor allem im Vergleich zu Smartphones. Nachdem ihr auf eine Schaltfläche tippt oder mit dem Finger durch Menüs wischt, dauert es immer einen kurzen Moment, bis der Bildschirm darauf reagiert.
Beim Lesen stört das überhaupt nicht, aber das Browsen durch Amazon oder Thalia macht auf beiden Geräten wenig Spaß.
Der Kindle reagiert insgesamt schneller und zuverlässiger als der Tolino. Auf diesem kann das Öffnen eines Buches, das Aufrufen einer Webseite oder das Ändern einer Einstellung gerne mal ein paar Sekunden dauern. Zweimal hat sich das Gerät beim Umblättern einer Seite sogar aufgehängt und das Buch nach einer kurzen Wartezeit geschlossen.
Bei der Software-Erfahrung gewinnt ganz klar der Kindle.
»Wochenlange« Akkulaufzeit bei beiden Geräten
Amazon macht keine genaue Angabe über die Kapazität des verbauten Akkus, allerdings soll dieser etwa sechs Wochen lang halten. Der Tolino Shine hat einen 1.500-mAh-Akku eingebaut, der »wochenlang« halten soll. Eine genauere Angabe gibt es nicht, da sie vom Nutzungsverhalten der Leser und Leserinnen abhängig ist.
Egal für welches der beiden Geräte ihr euch entscheidet, die Akkus halten wirklich ewig. Ich muss die E-Reader nur etwa jeden Monat einmal aufladen.
Beide Geräte werden per USB-C aufgeladen und mit einem Kabel geliefert. Ein Netzteil ist nicht dabei.
In dieser Kategorie gewinnen beide.
Mein Fazit: Beide sind exzellent, aber meine Wahl ist klar
Egal für welchen der beiden E-Reader ihr euch entscheidet, sie sind beides exzellente E-Reader, mit kompaktem Formfaktor, einfacher Bedienung und hervorragenden Bildschirmen.
Sie kosten außerdem nicht viel und sind somit ein günstiger Einstieg in die Welt der E-Reader. Solltet ihr ohnehin im Amazon-Ökosystem unterwegs sein, ist der Kindle die logische Wahl – solange ihr ihn nicht auch in die Badewanne mitnehmen wollt. Dafür solltet ihr dann zum teureren Paperwhite greifen.
Für mich persönlich überwiegt der Vorteil des offenen Systems und dafür nehme ich auch die langsamere Software des Tolinos in Kauf. Dazu kommt das Onleihe-System der deutschen Bibliotheken und der Wasserschutz.
Wie würdet ihr euch entscheiden? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!



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