Millionen sind an zwei legendären Rekorden in einem Spiel gescheitert, inklusive mir. Doch ein genialer Programmierer und eine KI zeigen, wie es geht

So bin ich den Level nicht angegangen. Das hätte ich mal machen sollen.

So viel Arbeit für ein paar Millisekunden. Hat es sich gelohnt? Ich sage: definitiv! (Bildquelle: Trackmania-Webseite) So viel Arbeit für ein paar Millisekunden. Hat es sich gelohnt? Ich sage: definitiv! (Bildquelle: Trackmania-Webseite)

Was passiert, wenn man jahrelang das Rennspiel Trackmania spielt und sich wirklich anstrengt? Meiner Erfahrung nach nicht viel. Ich schaffe es bei beliebten Strecken nicht mal annähernd an die Bestzeit heranzukommen.

Seitdem ich das neueste Video von einem Entwickler und YouTuber namens Yosh gesehen habe, weiß ich auch, warum. Ich habe es nicht ernst genug gemeint. Yosh schon. 

Seine Mittel: Eine eigens trainierte KI und der Traum vom Weltrekord – von denen er gleich zwei bricht.

Yosh gegen A01

Im Detail: Yosh wollte den Rekord auf einer der berühmtesten Strecken von Trackmania brechen: A01 – der erste Level der Kampagne von Trackmania Nations Forever.

A01 gilt als das berühmteste Level in Trackmania. Seit fast 20 Jahren kämpfen Hunderttausende Spieler um Sekundenbruchteile auf dieser Strecke. Den Höhepunkt erreichte die Rekord-Jagd vor zwei Jahren, als Spieler »Eddie« seine legendäre Bestzeit von 23.79 Sekunden aufstellte.

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Doch Yosh stellte sich die Frage, die sich wohl viele Trackmania-Spieler stellen, wenn sie an ihre Grenzen gelangen: Wie nah sind wir wirklich am perfekten Lauf?

Um das herauszufinden, hat er eine KI auf A01 angelegt und ließ sie die Strecke erst einmal allein ausprobieren. Wenig überraschend, war die KI völlig ahnungslos. Zunächst wählte sie zufällige Aktionen und kam kaum vom Start weg. 

Durch Reinforcement Learning – eine Art Belohnungssystem für Fortschritte auf der Strecke – hat sie sich jedoch rasant verbessert.

Die ersten Durchbrüche:

  • Nach wenigen hundert Versuchen erreichte die KI das Entwickler-Zielniveau
  • Bei 3.000 Versuchen entdeckte sie eigenständig fortgeschrittene Techniken
  • Nach 400 Trainingsstunden lag sie nur noch fünf Hundertstel hinter dem Weltrekord

Der Teil, der mich persönlich wohl am meisten fasziniert hat, als ich das Video sah, ist, wie die KI durch reines Trial-And-Error an ihr Ziel kommen. Ähnlich wie wir Menschen das machen, nur deutlich schneller. 

So sieht die Strecke von oben aus. Es sind nur ein paar Kurben und Steigungen, was für Trackmania noch sehr geerdet ist. Dennoch ist sie sehr beliebt. So sieht die Strecke von oben aus. Es sind nur ein paar Kurben und Steigungen, was für Trackmania noch sehr geerdet ist. Dennoch ist sie sehr beliebt.

Das ist an sich zwar nichts Neues, in der Visualisierung von Yosh und in Kombination mit Trackmania noch einmal greifbarer für mich.

Die KI entwickelte zwei Schlüsselstrategien, die auch menschliche Profis nutzen:

  1. Bergab-Sprung optimieren: Vor dem Sprung das Gas loslassen, um früher zu landen und schneller zu beschleunigen.
  2. Speed-Drift-Bug: Bei einer bestimmten Geschwindigkeit und einem präzisen Driftwinkel beschleunigt das Auto durch einen Programmfehler zusätzlich.

Diese Techniken brachten die KI auf Weltklasse-Niveau – doch ein Problem blieb: der mysteriöse zweite Drift.

Eddie nutzte in seinem Rekordlauf einen zweiten, extrem schwierigen Drift. Diese Technik wurde erst 13 Jahre nach der Spielveröffentlichung entdeckt und erfordert millimetergenaue Präzision.

Die KI ignorierte den Drift erst mal so hartnäckig wie ich die Ratschläge meiner Eltern als Teenager. Erst als Yosh ihr explizit Belohnungen für den Drift gab – genau das ist Reinforcement Learning – lernte sie die Technik recht schnell.

Das Ergebnis: Die KI schlug den menschlichen Weltrekord um vier Hundertstel – ein enormer Vorsprung in Trackmania.

Die nächste Herausforderung: Tool-Assisted Speedruns

Nach dem Sieg gegen Menschen wagte sich Yosh an das ultimative Ziel: den Tool-Assisted Speedrun (TAS). Bei diesen TASs werden einzelne Controller-Eingaben, Winkel und diverse andere Faktoren akribisch analysiert und durch spezielle Tools genau im Spiel umgesetzt.

So entstand die theoretisch perfekte Zeit von 23.66 Sekunden – durch jahrelange Frame-für-Frame-Optimierung der Community.

Doch der Ehrgeiz hat Yosh wohl nicht nur gepackt, sondern direkt mit zu sich nach Hause genommen. Also machte Yosh weiter.

Um auch den TAS-Rekord zu brechen, musste er sich mit den technischen Grenzen seiner KI auseinandersetzen:

  • Nur 20 Aktionen pro Sekunde (statt beliebig vieler beim TAS)
  • Begrenzte Eingabewerte
  • Weniger präzise Drift-Kontrolle

Mit einem speziellen »Auto-Drift«-Modul erreichte die KI 23.72 Sekunden – nah am TAS, aber noch nicht schnell genug.

Die Blue-Bug-Legende und eine unerwartete Entdeckung

Seit Jahren spekulierte die Community über den »Blue-Bug« – einen theoretischen Glitch an blauen Streckenrändern, der zusätzliche Sprünge ermöglichen könnte.

Trackmania-Spieler kennen ihn vielleicht: Der Blue-Bug sorgt dafür, dass ihr an manchen Teilen von Strecken einen unfreiwilligen und unlogischen Sprung macht, als ob nur unter einem Reifen ein mittelgroßer Stein liegen würde. 

Dieser Bug tritt extrem selten auf und konnte bisher nicht von der Community genutzt werden, um Strecken schneller zu beenden.

Wie dieser Bug aussieht, seht ihr in diesem Video, das auch noch näher auf den Bug eingeht:

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Leider konnte selbst die KI keinen Weg finden, den Blue-Bug zuverlässig auszulösen.

Die rettende Entdeckung: Während der Suche nach diesem Bug stieß Yosh auf etwas völlig anderes: Eine 17 Jahre alte, winzig kleine Lücke in der Straße von A01.

Sie entstand, weil zwei Straßenteile minimal versetzt waren. Dieser kleine Entwicklungsfehler war in zwei Jahrzehnten niemandem aufgefallen und löste genau dasselbe halbherzige Springen aus, wie der Blue-Bug.

Mit Brute-Force zum neuen Rekord: Mit TAS-typischen Brute-Force-Methoden optimierte Yosh diese Entdeckung:

  • Tausende leicht variierte Fahrversuche
  • Ausnutzung der Straßenlücke für frühere Sprünge
  • KI-gesteuerte Finalisierung des Laufs

Das Ergebnis: 23.65 Sekunden. Ein neues absolutes Limit auf A01 – schneller als jeder bisherige TAS.

Die Community bleibt dran

Yosh teilte seine Entdeckung im Frühjahr 2025 mit der TAS-Community. Innerhalb von zwei Monaten entwickelte ein neues Team die Strategie weiter und erstellte einen noch schnelleren Lauf.

Übrigens: Es ist wirklich herzallerliebst anzusehen, wie sehr sich die Community über die Entdeckung freut. Schaut da gerne mal rein (26:19 im ganz oben verlinkten Video).

Witzigerweise brach der Spieler »Rollin« während der Videoproduktion Eddies menschlichen Rekord.


Video starten 50:25 Stimme von KI-Firma geklaut! Leben wir schon in einer Dystopie?


Ein kurzes Fazit

Ich persönlich habe das Video von Yosh sehr genossen und kann euch nur empfehlen, es in voller Länge anzuschauen, auch wenn ihr diesen Artikel schon gelesen habt.

Wieso mag ich das Video so? Es ist nicht nur unterhaltsam geschrieben und geschnitten, sondern zeigt auch wunderbar, was Mensch und Maschine zusammen erreichen können, vor allem wenn der Mensch die treibende kreative Kraft ist.

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