Ich erinnere mich noch lebhaft an den Fernseher meines Opas. Ein großer, schwarzer Kasten in der Ecke des Wohnzimmers, auf dem er liebend gerne A-Team oder MacGyver geguckt hat. »Obacht, Maxe, jetzt gibt’s Hiebe!« Ich habe seine Stimme noch genau im Ohr.
Was ich auch noch lebhaft vor Augen habe: die Fernbedienung des alten Kastens.
Ich kann euch nicht mehr sagen, was für ein TV-Modell es war, aber der Drücker war eckig, flach und hatte ein graues Finish. Das weiß ich, weil ich als Kind dort oft Zeichentrickserien (oder »Mickey Mäuse«, wie Opa Wili es nannte) geschaut oder die Programme verstellt habe, die mein Vater hat dann wieder neu einstellen müssen.
Und jetzt schaut euch die Fernbedienung meines Philips-Fernsehers von 2022 an.
Es hat sich nichts verändert! Und ich frage mich: wieso? Wenn Fernseher richtige Computer sind, warum sind Fernbedienungen dann noch genauso wie vor 30 Jahren und mehr?
45 Knöpfe, aber kein Zeiger
Ich habe nachgezählt: Die Fernbedienung oben hat 45 (!) Knöpfe. Wozu? Ich nutze regelmäßig gerade mal zehn davon.
- Lauter/Leiser
- Vier Richtungstasten
- Bestätigen
- Quelle
- Home-Button
- An/Aus
Fernseher werden immer dünner, Displays immer besser, aber der alte Schaltriegel bleibt. Klar, es gibt mittlerweile ein paar nette Gimmicks wie beleuchtete Knöpfe, aber Unterbodenbeleuchtung macht meinen Opel Astra auch nicht zum Rennwagen.
Wozu brauche ich mittlerweile noch die bunten Tasten? Ja, die haben einen Zweck, wie der Artikel erklärt, aber nichts, was sich nicht softwareseitig im Betriebssystem lösen ließe. Man braucht sie so selten, wieso überhaupt aufs Layout packen?
Es gibt noch weitere unsinnige Knöpfe, die zumindest ich nicht (mehr) brauche:
- Start, Stop, Pause, Vorspulen, Zurückspulen, Aufnahme: Das läuft bei Streaming-Diensten und Blu-ray-Player alles über den Bildschirm – und bei Aufnahmen aus dem TV-Programm auch.
- Nummerntasten: Selbst wenn (und in meinem Fall ist das ein elefantöses Wenn) ich lineares Fernsehen schaue, zappe ich mit der Kanalwechseltaste, weil ich eh nicht weiß, auf welcher Nummer welcher Sender liegt.
- Teletext: Muss ich dazu echt noch was sagen?
Nicht einmal die dedizierten Netflix- oder Disney-Plus-Tasten nutze ich. Überhaupt: Diese Schalter braucht sowieso niemand, der entsprechende Abos nicht besitzt oder nicht über den TV, sondern über einen Streaming-Strick oder eine -Box streamt.
Aber Achtung. Es gibt einen Hersteller, der es in meinen Augen richtig macht, der die Fernbedienung sinnvoll modernisiert hat und das schon vor Jahren.
Smart Remote: So macht es Samsung
Jeder Hersteller hat so sein eigenes Gedöns an der Fernbedienung. Bei Samsung ist es das moderne Design – und das übrigens nicht seit gestern. So oder so ähnlich sehen die Fernbedienungen der meisten Samsung-TVs aus den letzten Jahren aus:
Klein, handlich und aufs Wesentliche reduziert. Anstatt eines 20-Zentimeter-Prügels schmiegt sich da ein Handschmeichler in meinen Handteller, den man bei neueren Iterationen auch noch batterielos laden kann.
Anstatt 45 Knöpfe hat der nur 12/15 und zwei Kippschalter. Mehr braucht es auch nicht (und da spreche ich aus Erfahrung). Tatsächlich ist der Fernbedienung sogar eine Funktion abhandengekommen, der ich heute noch nachtrauere.
Ungefähr 2014 habe ich einen neuen Mittelklasse-TV von Samsung gekauft. Sobald ich den Drücker aus der Schachtel gezogen habe, war ich ein wenig verwirrt, denn der war vor rund zehn Jahren moderner als viele heutige Fernbedienungen.
Auf den ersten Blick wird das nicht ersichtlich, aber legt man den Finger auf den berührungssensitiven Knopf zwischen Lautstärke- und Programmschalter, erscheint ein Mauszeiger auf dem Bildschirm. Damit erspart man sich einen Haufen Klicks!
Der Mauszeiger an der Fernbedienung ist nicht einzigartig. Den bekommt ihr heute oft bei LG-Modellen (zusammen mit einem Scrollrad). Praktisch ist es aber allemal. Ich würde mir das ausnahmslos bei jedem TV wünschen, den genau wie unsere Fernseher haben wir uns weiterentwickelt.
Warum sich dringend etwas ändern muss
Bestimmt haben einige von euch Schnappatmung beim Lesen bekommen, denn ihr nutzt eure Fernbedienung teilweise sicher ganz anders als ich – und genau da liegt der Hund begraben.
Weil Fernbedienungen jede Art von Bedienung abzudecken versuchen, haben sie so viele Knöpfe und sind deswegen so unhandlich und unübersichtlich. Der Wandel von hardwarebasiert auf softwarebasiert hat hier noch nicht stattgefunden.
Logisch, zu Zeiten meines Opas (davor und danach auch noch) war der Fernseher ein reines »dummes« Ausgabegerät. Im Zeitalter von Smart-TVs nutzen wir die Geräte mittlerweile ganz anders, allein schon deshalb, weil wir durch ein Betriebssystem und mehrere Apps navigieren, die es früher gar nicht gab.
Genau das sollten Fernbedienungen auch reflektieren: Mit weniger Knöpfen und einem modernen Design, das der Software entspricht. Wir tippen uns ja auch nicht nur mit der Tastatur durch Windows.
Ich bin der Meinung, man darf nachmachen, was funktioniert, daher mein Aufruf an alle TV-Hersteller: Spickt doch gerne bei Samsung und bringt die Fernbedienung ins moderne Zeitalter. Ich erinnere mich gerne an meinen Opa und seine Sprüche zurück, aber nicht an seinen heute vorsintflutlichen Drücker.
Wie geht es euch? Fühlt ihr meinen Schmerz mit den Fernbedienungen? Wie nutzt ihr sie? Schreibt es gerne in die Kommentare.
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