Migräne ist ein Teufel. Er taucht plötzlich auf, hämmert im Kopf und macht grelles Licht zu einem Feind. So sah zumindest die Gestalt meines Teufels aus, der mich jahrelang begleitete.
Heute weiß ich: Stress war mein Hauptauslöser, getrieben durch die damalige Arbeit und stetigen Schlafmangel. Im Nachhinein ist man immer schlauer, doch damals schob ich die Schuld auf Faktoren, die ich nicht zu kontrollieren glaubte.
Ein Smart Ring soll schon bald in der Lage sein, potenzielle Migräne-Trigger frühzeitig zu identifizieren. Rückblickend betrachtet, hätte ich eine solche Funktion definitiv ausprobieren wollen.
Ultrahuman Ring Air mit Migräne-Erkennung
Die Unternehmen Ultrahuman (Wearables) und Click Therapeutics (digitale Therapeutika) haben eine Kooperation angekündigt, um gemeinsam das »bio-markerbasierte Tool« für ein Migräne-Management zu entwickeln.
So soll es gehen:
- Die Softwarefunktion wird in die Begleit-App des Ultrahuman Ring Airs integriert.
- Das Tool nutzt die Daten des Rings, um Muster und potenzielle Auslöser zu erkennen. Zu diesen Daten zählen Schlafqualität, Herzfrequenzvariabilität (HRV), Stresslevel und Aktivitäten.
- Die Grundlage für diese Funktion schafft die Technologie von CT-132, der ersten von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassenen digitalen Therapie zur präventiven Migränebehandlung.
Was ist CT-132? CT-132 ist eine verschreibungspflichtige digitale Therapeutik, mit der sich episodische Migräne bei Erwachsenen (ab 18 Jahren) präventiv behandeln lässt.
Vereinfacht ausgedrückt zielt der Ansatz darauf ab, das Gehirn zu trainieren, weniger empfindlich auf Migräne-Reize zu reagieren. Dazu zählen die Identifikation von Stressmustern, Verhaltenstraining und therapeutische Aufgaben.
Neben den Einblicken in die Daten sollen eine konkrete verhaltensmedizinische Anleitung sowie Empfehlungen zu den Themen Schlaf, Hydrierung und Bewegung gegeben werden.
Das Ziel besteht darin, die Resilienz gegenüber Migräne zu steigern. Laut Click Therapeutics leiden Frauen zudem fast dreimal häufiger an der Krankheit. Ein Schwerpunkt liegt daher auf der Verknüpfung von hormonellen Schwankungen (Zyklus-Tracking) und dem Migränerisiko.
16:02
Smart-Ring als Alternative zur Smartwatch? Das müsst ihr unbedingt vorher wissen!
Ein kleiner Fortschritt?
So spannend diese Ankündigung klingen mag, die Methoden sind bereits bewährt und in der Neurologie seit Jahrzehnten etabliert. Neu ist, dass diese Methoden in einen von der FDA autorisierten Algorithmus gegossen wurden.
Die Kopplung mit einem Smart Ring macht dabei potenziell den entscheidenden Unterschied. Das Gadget könnte anhand einer sinkenden HRV oder eines unruhigen Schlafs eine bevorstehende Attacke erkennen.
Somit ließe sich eine Übung einschieben, noch bevor die Attacke voll durchschlägt. Wie genau diese Übungen aussehen, behalten die Unternehmen leider noch für sich.
Wearables sind zudem nicht dafür bekannt, zu 100 Prozent genau zu sein. Gerade Stress und Schlaf sind passive Metriken, die anhand aktiver Daten wie Herzfrequenz, HRV, Bewegung etc. geschätzt werden.
Auch wenn die Genauigkeit vermutlich niemals 100-prozentig sein wird, nimmt sie stetig zu. Somit kann eine solche Funktion dazu beitragen, künftig Migräne-Trigger frühzeitig und präzise zu identifizieren und aktiv zu bekämpfen. Das müssen aber vor allem Tests noch zeigen.
Wie immer gilt: Sie ersetzen ohnehin keine fachärztliche Diagnose.
Kostenfaktor: unbekannt
Mit dieser Ankündigung setzt Ultrahuman seine Design-Philosophie des Smart Rings konsequent fort. Zusätzliche Funktionen können über einen Software-eigenen »App-Store« hinzugefügt oder entfernt werden. Somit auch das Tool zur Migräne-Erkennung.
Die Idee gefällt mir grundsätzlich, wie auch im Test beschrieben. Allerdings werden dadurch die Kosten im Vorfeld für Zusatzfunktionen nicht immer vollständig transparent kommuniziert.
- Die AfiB-Erkennung (Vorhofflimmern) kostet beispielsweise knapp 6,00 Euro pro Monat.
- Die Überwachung des Menstruationszyklus und der Ovulation kostet rund 4,00 Euro pro Monat.
Ultrahuman hat sich bezüglich der Kosten für das Migräne-Feature bislang nicht geäußert. Ich rechne allerdings fest damit, dass diese Funktion nicht kostenfrei angeboten wird.
Zusätzlich gibt es bislang lediglich die Zulassung der FDA. Zwar soll die digitale Therapie nach Europa kommen, für Deutschland fehlt allerdings bislang die Zulassung.
Für mich ist es einen Versuch wert
Die Idee klingt für mich spannend. Wenn ich noch immer so häufig unter Migräne-Attacken leiden würde, wäre sie für mich definitiv einen Versuch wert.
Glücklicherweise hat sich dieses Problem durch Änderungen im Lebensstil zum Großteil erledigt (Jobwechsel, Partnerschaft).
So oder so werde ich mir das Feature genauer anschauen, sobald das Update in Deutschland verfügbar ist.
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